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Portugals Oldie Pepe : Der Vulkan ist wieder wach

  • -Aktualisiert am

Portugals Pepe hat etwas zu sagen, Ungarns Adam Szalai (rechts) erschreckt sich. Bild: Reuters

Lange hatte er den Ruf eines Bösewichts. Nun aber, mit 38 Jahren, feuert Pepe die Portugiesen zwar noch immer an, doch die Wut in ihm bricht nicht mehr aus. Seine Klasse soll die DFB-Elf spüren.

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          Zeitlos ist ein modischer Kurzhaarschnitt allemal, allein schon deshalb passt die Glatze bestens zu Pepe. Früher trug der Verteidiger der Portugiesen schwarze Locken, inzwischen schwört er auf einen kahlen Schädel. Pepe selbst ist als Fußballspielerer wie seine Frisur, er überdauert alle Zeiten und Trends. Im nicht mehr ganz jugendlichen Alter von 38 Jahren schwingt er sich auf zu neuen sportlichen Höhen.

          Fußball-EM

          Gegen Deutschland an diesem Samstag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-EM, in der ARD und bei MagentaTV) wird Pepe wieder Teil der portugiesischen Zwei-Generationen-Abwehr sein. Nebenmann in der Innenverteidigung ist Ruben Dias, 24 Jahre alt von Manchester City. Dias wurde in der englischen Premier League zum Spieler der Saison gewählt, Experten gilt er als Hauptgrund dafür, dass sein Klub souverän die englische Meisterschaft gewann und es bis ins Finale der Champions League schaffte.

          Im ersten EM-Spiel gegen Ungarn (3:0) aber wirkte der Hochbegabte teilweise fahrig und offenbarte einige Konzentrationsmängel. Nur gut, dass er einen erfahrenen Mann wie Pepe neben sich weiß. Der hat in seinen zwanzig Jahren als Profi inzwischen um die 750 Pflichtspiele bestritten, für die Auswahl Portugals war er 116 Mal aktiv. Eine beträchtliche Zahl, die Pepe sich mit allen Fasern seines noch immer drahtigen und perfekt trainierten Körpers ergrätscht und erkämpft hat.

          „Ich wurde sehr verwöhnt“

          Früh, da war er noch nicht ganz erwachsen, verließ er seine Heimat Brasilien, um es als Profi in Europa zu schaffen. Die ersten Jahren waren hart, das Heimweh. Bei Maritimo Funchal blieb er einige Zeit, ehe der FC Porto auf ihn aufmerksam wurde. Dann ging alles ganz schnell. Champions-League-Sieger unter José Mourinho, Weltpokalsieger, Wechsel zu Real Madrid. Im Jahr 2007 nahm er die portugiesische Staatsbürgerschaft an, von dem Moment an war der fester Bestandteil der Auswahl Portugals. An allen großen Turnier hat er seitdem teilgenommen, sieben sind es an der Zahl.

          Mindestens so erstaunlich wie seine ewige Jugend ist sein Wandel im späten Abschnitt der Karriere. In der vergangenen Saison kam er ohne einen einzigen Platzverweis aus. Aber ob das hilft, seinen Ruf als ewiger Bösewicht zu verwischen?

          Fußball-EM

          Wie ein brodelnder Vulkan trat er in früheren Jahren oft auf, immer an der Grenze zum Ausbruch. In Spanien wurde er einmal für zehn Spiele gesperrt, weil er einen am Boden liegenden Gegenspieler geschlagen und getreten hatte. Später hat er mal gesagt, er sei über sich erschrocken, als er die Bilder gesehen habe. Überhaupt sein Ruf. Dass der gänzlich an seiner privaten Person vorbei sei schilderte er in einem Interview mit „Tribuna Expresso“ verriet er Erstaunliches. „Bis 18 habe ich bei meiner Mutter geschlafen. Ich wurde sehr verwöhnt. Obwohl ich den Ruf als Böser habe, bin ich liebenswürdig.“

          Seine Zündschnur war trotz Liebenswürdigkeit eine der kürzesten im internationalen Spitzenfußball und gegnerische Stürmer versuchten das in steter Regelmäßigkeit zu ihren Gunsten zu nutzen. Wenn er dann im Überschwang der Emotionen noch sein Gesicht verzog und der Zorn aus seiner markanten Stirn zu brechen drohte, galt er vor allem gegnerischen Fans als das personifizierte Böse in Verteidigergestalt.

          All das ist mittlerweile weit weg, Pepe wirkt so ruhig und aufgeräumt wie vielleicht noch nie. Der Erfolg gibt ihm Recht. Die abgelaufene Spielzeit als sein meisterhaftes Spätwerk zu betrachten, ist nicht vermessen. Mit Porto erreichte er das Viertelfinale und auf dem Weg dorthin schaltete er Juventus Turin mal eben allein aus. Das geschah an einem kühlen Frühlingsabend in Turin, Juve und Porto hatten sich in die Verlängerung duelliert und in Pepe wurde wieder der Vulkan wach.

          Nur das er dieses Mal nicht unkontrolliert ausbrach, sondern seine Kraft zu einem reißenden Strom von Tatendrang kanalisierte. Überall auf dem Feld schien er zu sein, warf sich in Schüsse, stellte sich in Pässe und rettete, wenn es sein musste, im allerletzten Moment für seinen geschlagenen Torhüter. Dafür wurde er mit Elogen aus ganz Europa hofiert. Einige mutmaßten gar, dass es seit Diego Maradona 1986 keine so herausragende Einzelleistung mehr gegeben hatte. Einer der Geschlagenen auf Seiten von Juventus war Cristiano Ronaldo. Der ist nun umso erfreuter, Pepe in der eigenen Mannschaft zu haben.

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