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Fußballfrauen bei EM : Spektakuläre Reifeprüfung

  • -Aktualisiert am

Gute Laune beim jungen DFB-Team: Nach dem 7:0-Testspiel-Erfolg gegen die Schweiz ist die Vorfreude auf die EM groß. Bild: dpa

Trotz zuletzt schwacher Auftritte bei Großereignissen: Die DFB-Auswahl will mit juveniler Attitüde zurück auf den europäischen Thron. England bietet dazu eine fantastische Bühne.

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          Das hat der Frauen-Fußball noch nicht gesehen: An die 700.000 Fans sollen dabei sein, wenn von Mittwoch an der Titelkampf der 16 besten Nationalteams aus Europa in vollem Gange ist. Das Tempo, in dem im Vorverkauf die Tickets einen Abnehmer fanden, sprengte alle bisherigen Dimensionen.

          Eine ungewohnt eindrucksvolle Bühne ist also bereitet. Bilder und Stimmung, die schon das EM-Auftaktspiel zwischen England und Österreich im Old Trafford in Manchester versprechen, können den nötigen Schwung liefern für das fast vierwöchige Spektakel.

          Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) träumt davon, eine Bestmarke aufzustellen: Der neunte EM-Titel ist das Ziel. Die Auswahl, die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg zusammengestellt hat, fühlt sich wieder reif für den großen Wurf nach Jahren, in denen viele kleine Rückschläge die einstige Vormachtstellung zunichtemachten.

          Ein halbes Dutzend Konkurrenten

          Welchen Beitrag der auf vielen Positionen verjüngte Kader tatsächlich zum Gelingen der Veranstaltung an zehn Standorten auf der Insel beitragen kann, wird auch davon abhängen, wie sich die Spielerinnen beim in 192 Länder übertragenen Debüt gegen die Däninnen am Freitag in London aus der Affäre ziehen (21 Uhr, im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-EM, im ZDF und bei DAZN).

          Derart viel Anteilnahme ist den deutschen Frauen lange nicht mehr zuteil geworden. Ein Erfolg gegen den Zweiten von 2017, so spekuliert Voss-Tecklenburg zu Recht, kann eine Welle der Begeisterung auslösen, die ihre Leute über die Vorrunde trägt – und anschließend weiter. Dass es schwer wird, die (eigenen) Ansprüche zu erfüllen, steht außer Zweifel. Nie war die Leistungsdichte in ihrem Metier höher als derzeit. Mit England, Spanien, Frankreich, Holland, Norwegen und Schweden gibt es neben dem DFB-Ensemble ein halbes Dutzend Konkurrenten, die das Potenzial besitzen, den Thron zu erstürmen.

          Juvenile Attitüde

          Für Voss-Tecklenburg ist die EM eine Bewährungsprobe. Sie steht mehr denn je in der Verantwortung, aus den günstigen Rahmenbedingungen, die sie für ihr Tun vorfindet, eine Betriebsatmosphäre zu kreieren, die Höchstleistungen möglich macht: Sie muss lockerer bleiben und weniger mit erhobenem Zeigefinger ihr Personal dirigieren, so wie sie es zunächst nach ihre Rückkehr aus der Schweiz vor drei Jahren tat – und damit ihrer Elf keine entscheidende Hilfe war. Die Deutschen werden nur dann um die Krone mitspielen können, wenn auch das Team hinter dem Team titelreif agiert.

          Wie weit der einstige Primus zuletzt von der Spitze entfernt war, die er über Jahre mit teutonischem Fleiß, spielerischer Finesse und taktischem Geschick behauptet hatte, zeigte sich bei vergangenen Großereignissen. Sowohl bei der EM 2017 wie der WM 2019 kam das Aus im Viertelfinale, für Olympia in Tokio wurde gar die Qualifikation verpasst. Dass ihnen bewusst ist, dass ihr Ruf gelitten hat, sie aber gewillt sind, ihn gemeinschaftlich aufzupolieren, bildet die Arbeitsgrundlage, mit der sich die Deutschen ans Werk machen.

          Das Team trat in der Vorbereitung geeint auf, wirkte fit und erscheint flexibel besetzt, um aus der Tiefe des Aufgebots auf Unwägbarkeiten reagieren zu können. Die Voraussetzungen für den Erfolg sind das eine. Sie entschlossen zu nutzen, wenn sich die Chance bietet, das andere. Der DFB-Jahrgang 2022 scheint dazu bei aller juvenilen Attitüde in der Lage: Diese Reifeprüfung kommt für das Team genau zum richtigen Zeitpunkt.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

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