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Start der EM-K.-o.-Runde : Deutschland macht es auf die harte Tour

  • -Aktualisiert am

Jetzt wird zugepackt: Manuel Neuer entledigt sich nach dem Nordirland-Spiel seines Trikots. Bild: Reuters

Nach der Vorrunde befinden sich alle Topteams in einer Hälfte des EM-Tableaus. Ein Sieg im Achtelfinale vorausgesetzt, stünde der DFB-Elf ein Showdown mit Spanien oder Italien bevor. Das darf niemanden schocken.

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          Ein Treffer hat genügt, um den Turnierbaum noch mal ein gutes Stück weit mehr in Schieflage zu bringen. Zumindest, wenn man nach den Namen geht. Durch das 1:2 gegen Kroatien haben sich auch noch die Spanier fast in letzter Minute in jene Hälfte des Tableaus begeben, in der ohnehin schon reichlich Schwergewichte des europäischen Fußballs versammelt sind: Mit ihnen kämpfen Franzosen, Italiener, Engländer und auch die deutsche Nationalmannschaft um einen Platz im Finale am 10. Juli in Paris. In der anderen Hälfte hingegen befindet sich keine einzige Mannschaft, die schon eine Welt- oder Europameisterschaft gewonnen hat.

          Weit mehr Chancen als Treffer : Deutschland siegt mit 1:0 gegen Nordirland

          Besonders bitter mutet das für die Spanier selbst an, die nun in einem Achtelfinale antreten, das man sich gut auch als Endspiel hätte vorstellen können: gegen Italien. In zweiter Linie ist davon auch Joachim Löws Team betroffen: Auf Spanien womöglich schon im Viertelfinale zu treffen – ein Sieg im Achtelfinale gegen die Slowakei am Sonntag (18 Uhr / Live in ARD oder ZDF und im EM-Ticker auf FAZ.NET) vorausgesetzt – wäre ein unerwartet früher Showdown zwischen dem Europameister, der schon eine Ära geprägt hat, und dem Weltmeister, der vom Wunsch beseelt ist, das zu tun.

          Alle EM-Achtelfinals im Überblick

          Es sind aber andererseits eben doch nur Namen, deren Klang sich auch aus der Geschichte speist. Im Hier und Jetzt lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob die Kroaten – alles weiter im Konditional, erst muss ja das Achtelfinale gewonnen werden - tatsächlich ein angenehmerer Gegner gewesen wären. Das Team um Luka Modric und einige auch aus der Bundesliga vertraute Namen hat bislang Eindruck gemacht, und es wäre keine große Überraschung mehr, würde dieses Kraft-und-Kunst-Kollektiv es ähnlich weit schaffen wie bei der WM 1998, als die Kroaten die deutsche Elf wie eine Altherrentruppe stehenließen und bis ins Halbfinale vorstießen.

          Bild: DPA

          Ansonsten hat Löws Mannschaft jetzt genau jenen Weg vor sich, mit dem sie als Gruppensieger zu rechnen hatte. Ein angenehmer wird es nicht sein, aber der Bundestrainer und seine Spieler haben von vornherein deutlich gemacht, dass sie bei dieser Frankreich-Rundfahrt selbst das Tempo vorgeben wollen – und wenn es, wie es jetzt den Anschein hat, auf die harte Tour sein muss.

          Diesem Anspruch sind sie mit dem 1:0 gegen Nordirland ein gutes Stück näher gekommen. Auch dank Löws Umstellungen stimmte jetzt die Statik, die Bewegung und Kombinationen in Hochgeschwindigkeit erst ermöglicht. Das ist ein Wert für sich, auch wenn die Deutschen es fahrlässig versäumten, daraus noch mehr Kapital zu schlagen – Löw war zu Recht verärgert über dieses Maß an Verschwendung. Weil noch nicht gesagt ist, wie viel vom neuen deutschen Momentum auch gegen bessere Gegner zur Geltung kommen wird, rückt vor dem Auftakt in die K.-o.-Spiele noch ein anderes Detail ins Licht.

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          Dass die Deutschen zum ersten Mal seit 1996 eine EM-Vorrunde ohne Gegentor absolviert haben, ist etwas, was nicht nur für Mats Hummels eine „stolze Bilanz und eine gute Basis“ ist. Auch dafür war Nordirland nicht der Maßstab, schon eher das 0:0 gegen Polen. Da hatte Thomas Müller einen Satz gesagt, der angesichts der Offensivflaute etwas in den Hintergrund gerückt war: So, sagte er, reiche es zumindest immer fürs Elfmeterschießen. Ein erfolgreiches Ende klingt da schon nach guter deutscher Tradition – darauf ankommen lassen sollten es Müller und Kollegen aber nicht. Sondern demnächst dringend noch ein bisschen besser zielen.


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