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Rücktritt nach EM-Aus : Toni Kroos und der Abschied im Plauderton

Das war’s: Toni Kroos spielt nicht mehr für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Bild: dpa

Toni Kroos beendet seine Karriere im DFB-Team. Die Entscheidung, sagt er in seinem Podcast, habe „weit vor der EM“ festgestanden, er habe sie „sehr rational“ getroffen, und zwar aus zwei Gründen.

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          Noch bevor die Europameisterschaft richtig losgegangen war, erzählte Toni Kroos, dass er sich inzwischen der „Gruppe Regeneration“ zugehörig fühle. Gemeint war, dass man ihn kaum bei einer der vielen sportlichen Freizeitaktivitäten auf dem Gelände des Ausrüsters in Herzogenaurach erwischen würde.

          Fußball-EM
          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Mit 31, so formulierte er es sinngemäß, müsse man nicht mehr jeden Laufweg machen, abseits des Platzes wohlgemerkt. Und sollte manch unvorsichtiges Gemüt, ein Lothar Matthäus beispielsweise, der Meinung gewesen sein, die Sache mit der Regeneration etwas weiter fassen zu müssen, und sei es nur andeutungsweise, dann konnte man sicher sein: Kroos würde zu einem dieser schnippischen Konter ansetzen, in denen er es in seinen 14 Profijahren zu einer ähnlichen Meisterschaft gebracht hat wie mit seinen punktgenauen Pässen.

          Am Freitag hat Kroos nun bekanntgegeben, dass sein 106. Länderspiel, das EM-Achtelfinale gegen England, sein letztes gewesen ist. Kroos wählte dazu unter anderem die Plattform, auf der er sich schon seit längerem auf offene und oft genug selbstironische Weise dem Publikum präsentiert, dem Podcast „Einfach mal Luppen“, den er mit seinem Bruder Felix einspricht.

          „Entscheidung für die Familie“

          Der Weltmeister von 2014 nahm gewissermaßen Abschied im Plauderton. Die Entscheidung, sagte Kroos, habe schon „weit vor der EM“ festgestanden, er habe sie „sehr rational“ getroffen, und zwar aus zwei Gründen. Punkt eins ist die Familie, und wer Kroos auch nur ein bisschen kennt, weiß: danach kommt bei ihm erst einmal eine Weile nichts – und eigentlich auch nicht vorher.

          Es sei „nicht nur Rumgelaber“, dass es wichtigeres gebe als Fußball. Eine „Entscheidung für die Familie“ also, „und auch für mich, weil es mir guttut, mehr bei der Familie zu sein“. Bei Punkt zwei kam dann doch der Fußball ins Spiel und mit ihm das Stichwort Regeneration. Er sprach vom körperlichen Verschleiß, den Erwartungen bei Real Madrid, dem für ihn „größten Verein der Welt“, und davon, dort auch noch „in den nächsten Jahren auf Top-Niveau“ spielen zu können. Zumindest in diesem weißen Trikot soll man Kroos also noch eine Weile glänzen sehen.

          Was das andere angeht, das des Deutschen Fußball-Bundes, hatte Kroos schon nach der WM 2018 über einen Rücktritt nachgedacht. Damals aber habe nicht nur „Jogi darum gekämpft“, dass er weitermache, sondern auch Leon, das älteste seiner inzwischen drei Kinder. Seine Frau Jessica habe gesagt: „So kannst du nicht aufhören.“

          Ein frühes Aus wurde es jetzt wieder, aber das bei der EM rückte Kroos in ein milderes Licht. In Russland habe er das Gefühl gehabt, „wir haben gar nichts anderes verdient“, diesmal aber habe sich die Mannschaft besser präsentiert, als Einheit und kämpferisch „Ich hatte schon große Ambitionen und auch dass Gefühl, dass was drin ist.“ Letztlich hätten „ein bisschen die Waffen gefehlt, das letzte Wehtun.“

          Kroos war in der Nationalmannschaft bis zuletzt der Vertrauensmann von Joachim Löw, kein Feldspieler kam häufiger oder länger zum Einsatz als er – auch wenn es zu Beginn ein wenig dauerte, ehe Kroos den Status erreicht hatte, der seinem Selbstbild entspricht. Zum Abschied sprach er Löw einen speziellen Dank aus. Es sei „eine lange und besondere Zeit“ gewesen, und letzteres ausdrücklich nicht nur wegen des WM-Titels, sondern auch, weil Löw in den „schlechten“ Momenten bei seinem „Grundvertrauen“ geblieben sei.

          Selbst wenn es dazu immer mal abweichende Meinungen gab – auch jetzt bei der EM steht zur Debatte, ob Löws absolute Treue zu Kroos ihn nicht spannenderer Modelle beraubte: Dass mit Kroos ein großer Künstler seiner Zeit geht, der in größter Hitze fast schon aufreizend cool bleiben konnte, würde kaum jemand bestreiten.

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