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Fußball-Nationalmannschaft : Warum Gomez der DFB-Elf weiterhilft

Mario Gomez kommt auch in der Nationalmannschaft auch wieder in Schwung. Bild: Reuters

Mario Gomez schien abgeschrieben, die WM 2014 verpasste er. Nun wird der wuchtige Mittelstürmer für die DFB-Elf wieder wichtig. Das liegt auch an einer richtigen Entscheidung, die Gomez traf.

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          So eine Story, so ein Tor – Mario Gomez schien regelrecht hingerissen von diesem außergewöhnlichen Moment im Berliner Olympiastadion. „Is’ geil auch“, sagte, nein, schwelgte er lange nach Abpfiff des Testspiels gegen England – aber halt. Es ging ja gar nicht um seinen eigenen Treffer, den ersten im Nationaltrikot seit fast vier Jahren. Es ging um Jamie Vardy und dessen Tor zum zwischenzeitlichen 2:2. Und so schien Gomez das Gefühl zu haben, sich selbst ein bisschen einfangen zu müssen.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Dass es ein Tor gegen die Deutschen war, dieser wirklich wunderbare Hackentrick, war natürlich „nicht so geil“, zumal der Abend noch in der ärgerlichen 2:3-Niederlage geendet hatte. Aber an seiner Bewunderung für Vardy, der vor nicht so langer Zeit noch in der achten englischen Liga gekickt hatte und sich nun anschickt, als Torjäger vom Dienst mit Leicester City Meister zu werden, änderte das nichts. „Ich bin ja Stürmer“, sagte Gomez, „und ich freu mich immer über solche Geschichten.“

          Die kleine Episode, diese beifällig betonte Wesensverwandtschaft – „ich bin ja Stürmer“ –, sie verriet auch etwas über Gomez selbst. Denn bei aller Gelassenheit und Reife, die er am Samstagabend ausstrahlte, als er davon sprach, wie er in Istanbul die Freude am Fußball wiedergefunden habe und wie er gleichzeitig gelernt habe, dass Tore dabei nicht alles seien, was glücklich mache, konnte man in einem Satz wie diesem auch etwas anderes spüren: eine gewisse Kränkung seiner Stürmerseele. Die Verletzung, dass seine Fähigkeiten lange Zeit so geringgeschätzt wurden im Land des Weltmeisters.

          Seit dem 2:3 gegen England kann man jedenfalls sagen: Nummer neun lebt - und wird auch gebraucht in einer Mannschaft, die so lange auf die Abschaffung des „echten“ Stürmers hinzuarbeiten schien. Gomez’ Auftritt war eine Bereicherung nach etlichen Partien, in denen sich das Spielprinzip unter Joachim Löw ein bisschen totgelaufen zu haben schien.

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          Diese fast verschwenderische Idee, einfach so viele Chancen zu kreieren, dass am Ende schon aus Gründen der statistischen Wahrscheinlichkeit etwas Zählbares herausspringen werde. Das tat es zuletzt eben nicht mehr mit einer gewissen Leichtigkeit, sondern oft nur noch quälend zäh. Gegen England stockte es, weil die Offensivreihe mit Thomas Müller, Mesut Özil und Marco Reus zwischen grau und unsichtbar changierte.

          Da tat es gut, einen wie Gomez zu haben. „Er ist immens wichtig für uns“, sagte Sami Khedira, der deutsche Vertretungs-Kapitän. Gomez, fügte Khedira hinzu, sei „ein Top-Stürmer und ein Top-Mensch“, und mit Blick auf die EM sei es einfach wichtig, „verschiedene Varianten“ zu haben. So leitet die Rückkehr des Stürmers zwar gewiss keinen Paradigmenwechsel ein. Einen frischen, wohltuend direkten Zugriff verkörperte er gleichwohl.

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          Löw hatte schon vor dem England-Spiel nicht mit Lob für den 30 Jahre alten Angreifer gespart: Bewegung, Ausstrahlung, Körpersprache - das alles sei wieder so, wie er es sich vorstelle. Und Gomez lieferte prompt die Bestätigung. Nicht nur, aber vor allem dank seiner beiden Treffer, dem Kopfball zum 2:0 sowie dem fälschlicherweise wegen Abseits aberkannten zuvor per Fuß. Während Gomez lieber über seine Arbeit im Kollektiv, die Wege im Spiel gegen den Ball sprechen wollte, hob Löw des Riecher beim Abschluss hervor. „Er hat wieder das Näschen für Tore“, sagte er.

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