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Stimmen aus DFB-Team : „Wir waren schockiert und stark berührt“

  • Aktualisiert am

„Die Informationslage war nicht immer so ganz klar“: Oliver Bierhoff. Bild: Reuters

Nach der Rückkehr des DFB-Teams sprechen Teammanager Bierhoff und Interimspräsident Rauball über die bewegenden Stunden nach den Terror-Anschlägen in Paris. Auch einige Spieler äußern sich.

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          Nach der Rückkehr der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit einem Sonderflieger aus Frankreich haben sich Ligapräsident und DFB-Interimschef Reinhard Rauball sowie Teammanager Oliver Bierhoff zu den Geschehnissen und ersten Konsequenzen aus den Terroranschlägen in Paris für das Team geäußert. Die wichtigsten Aussagen nach der Landung in Frankfurt/Main:

          Reinhard Rauball: „Man kann stolz sein auf diese Mannschaft, wie sie diese Nacht überwunden hat nach den Vorkommnissen, die sie ja mitbekommen hat; durch die Akustik und einige auch durch die Druckwellen - wie man mir gesagt hat - auf der Ersatzbank. Dass sie dann, als sie nicht den Weg ins Hotel wählen konnte, mit 60, 70 Personen in der Umkleidekabine geblieben ist, macht mich stolz, dass die Mannschaft das so diszipliniert, so überragend gelöst hat.“

          „Das zweite, was ich sagen will: Dass die französische Mannschaft gesagt hat, wir gehen so lange nicht raus, solange auch die deutsche Mannschaft nicht raus kann, ist eine überragende kollegiale und kameradschaftliche Sicht von der französischen Seite her.“

          Nach Terror in Paris : DFB-Team sicher in Frankfurt gelandet

          „Erwähnen möchte ich auch die logistischen Dinge von der Lufthansa her. Ich habe heute Nacht um halb drei auch Thomas de Maizière aus dem Bett geklingelt, den Innenminister, der sich auch bemüht hat, über die Luftwaffe eine Maschine herüberzusenden. Also, es haben viele daran mitgewirkt, dass die Mannschaft heute Morgen hier in Frankfurt landen konnte.“

          Zum Spiel gegen die Niederlande in Hannover: „Wir werden sehen – vielleicht eine Nacht darüber schlafen – wie wir die Dinge am Dienstag angehen oder nicht angehen. Aber ich persönlich bin der Auffassung, dass man der Gewalt nicht weichen sollte und ihr nicht den Triumph lassen sollte, dass sie hier alles beherrscht. Ich will das aber mit Oliver Bierhoff und Joachim Löw besprechen, wie wir da am Dienstag verfahren.“

          „Man darf denen, die uns das angetan haben, nicht den Triumph gönnen“: DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball. Bilderstrecke
          „Man darf denen, die uns das angetan haben, nicht den Triumph gönnen“: DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball. :

          Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff zu den Erlebnissen im Stade de France: „Das war natürlich sehr bewegend. Wir waren schockiert und stark berührt. Man hat es einfach gemerkt: Auch die Spieler waren sehr ängstlich. Die Informationslage war nicht immer so ganz klar. Man wollte auch jedem Risiko aus dem Weg gehen.

          Von daher haben wir beschlossen, dass wir nicht noch durch Paris fahren und nicht in ein Hotel fahren, das nicht hundertprozentig abgesichert sein kann und deswegen in der Kabine bleiben. Es haben sich alle unglaublich professionell und toll verhalten. Wir sind jetzt glücklich, dass wir hier gut gelandet sind. Und unsere Gedanken sind natürlich auch bei den Angehörigen der Opfer.“

          „Erst in der Kabine haben wir mitbekommen, was passiert ist. Das hat man direkt in der Atmosphäre gespürt, die in der Kabine geherrscht hat. Je mehr Informationen, je mehr Anrufe aus Deutschland für die Spieler kamen, besorgte SMS, hat man schon gemerkt, dass die Mannschaft betroffen ist. Deswegen haben wir entschieden, ihnen erst einmal freizugeben, sie nach Hause zu schicken, damit sie erst mal durchatmen und bei ihren Liebsten sein können. Dann schauen wir weiter.“

          Zum Holland-Länderspiel: „Das haben wir noch nicht final entschieden. Das Spiel steht jetzt erst einmal, aber wir werden das im internen Kreis noch mal besprechen.“

          Frankreich : Mehr als 120 Tote bei Serie von Anschlägen in Paris

          Mats Hummels (Borussia Dortmund): „Zurück in Deutschland. Unglaublich, was gestern passiert ist. Diese Welt ist jetzt wirklich beschissen. Meine Gedanken sind bei denjenigen, die einen geliebten Menschen verloren haben.“

          Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund): „Wir sind sicher angekommen. Nach einer schockierenden Nacht sind unsere Gedanken bei all den Leuten, die von den Attacken betroffen sind.“

          Andre Schürrle (VfL Wolfsburg): „Was für eine schreckliche Nacht. Meine Gedanken sind bei den Familien, die ihre Liebsten verloren haben.“

          Mario Götze (Bayern München): „Unglaublich - was für eine Tragödie. Meine Gebete gelten den Opfern und ihren Familien.“

          Toni Kroos (Real Madrid): „Was ist das für eine kranke Welt?“

          Antonio Rüdiger (AS Rom): „Wir sind gesund zurück, aber was bleibt, ist ein Schock und die Trauer über all die Opfer und ihre Familien.“

          Bernd Leno (Bayer Leverkusen): „Wir sind daheim gesund angekommen und können nun zu unseren Familien. Meine Gedanken sind aber bei den Opfern und deren Familien.“

          Paul Pogba (Juventus Turin): „Das ist kein Angriff auf Paris, das ist eine weitere Attacke auf die Menschheit. Menschen aus einigen Religionen und Ländern hassen die Freiheit und die Werte des Westens. Sie wollen herkommen, um andere Menschen zu töten. Diese Terroristen werden wir besiegen. Die Kraft der Franzosen und der ganzen Welt muss steigen. Steht auf und sagt nein zu diesen Terroristen und Religionen. Baut keinen Hass auf, seid gute Menschen und verändert die Welt positiv.“

          Antoine Griezmann (Atlético Madrid): „In Gedenken an die Opfer der Attacken. Ich danke Gott, dass es meine Schwester rechtzeitig aus dem Bataclan geschafft hat. Meine Gebete gelten den Opfern und ihren Familien.“

          Laurent Koscielny (FC Arsenal): „Keine Worte. So traurig. Beten.“

          Stellungnahme des DFB-Teams

          Nach der Rückkehr aus Paris hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft eine gemeinsame Stellungnahme zu den für sie alptraumhaften Geschehnissen beim Länderspiel gegen Frankreich abgegeben. Man habe nach den Terrorakten mit mehr als 100 Toten während der sorgenvollen Stunden im Stade France viel nachgedacht, aber keine Antwort gefunden, „die diese feigen Anschläge erklären kann“, heißt es in der auf der DFB-Homepage veröffentlichten Mitteilung. Die Bilder würden alle noch lange begleiten.

          Die Erklärung im Wortlaut:

          „Wir sind nach Paris gekommen, um das zu tun, was uns alle verbindet. Fußball zu spielen, miteinander, gegeneinander, in Freundschaft. Um gemeinsam mit den Fans einen schönen Abend zu erleben, sportlich ehrgeizig, aber vor allem friedlich und fair. Wir haben uns auf das Stade de France gefreut, auf einen Fußballabend, der für uns alle in einem Alptraum endete.

          Es war ein dumpfer Knall, der alles verändert hat. Und der die Bilder gebracht hat, die uns noch lange begleiten werden. Wir haben die Nacht im Stadion viel nachgedacht. Wir haben uns gefragt, warum so etwas passieren kann? Wie so viel Unmenschlichkeit möglich ist? Antworten haben wir viele gefunden, aber keine, die diese feigen Anschläge erklären kann. Wir haben am Freitag ein Fußballspiel verloren – und es gibt nichts, was in diesem Moment unwichtiger war.“

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