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Zukunft des deutschen Fußballs : Bierhoff und die dicken Bretter

Oliver Bierhoff und der DFB arbeiten an der Zukunft des deutschen Fußballs. Bild: Picture-Alliance

Die Zukunft des deutschen Fußballs sieht nicht so rosig aus. Ob irgendwann wieder von goldenen Jahren die Rede sein kann, liegt nicht nur in der Macht des DFB. Große Herausforderungen müssen gemeistert werden.

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          Das Deutsche Fußball-Museum war am Dienstag fest in französischer Hand. Viele Fans von Paris Saint-Germain nutzten die Gelegenheit des Champions-League-Spiels in Dortmund, um einen Blick in die ruhmreiche Vergangenheit des deutschen Fußballs zu werfen. Im Obergeschoss hatten sich zur selben Zeit Führungsspitzen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) versammelt, um ein bisschen in die Zukunft zu schauen. Und die sieht, wenn man Oliver Bierhoff und seinen Kollegen aus der Direktion Nationalmannschaften folgte, nicht so glänzend aus.

          Champions League

          Genau genommen war es gleich eine ganze Reihe von Gewinnwarnungen, die nach und nach ausgesendet wurden. Das aktuelle, verjüngte Team? Sei auf einem guten Weg, sagte Bierhoff, aber eben auch noch nicht so weit wie jenes, das 2010 in Südafrika für Furore sorgte; als Favorit gehe Joachim Löws Auswahl gewiss nicht in die bevorstehende EM. Die Talente für die nächsten Turniere? Kommen aus einer allmählich versiegenden Quelle. Für die nächsten drei bis fünf Jahre, also etwa bis zur Heim-EM 2024 sei der DFB „gut aufgestellt“, sagte Bierhoff, danach aber sei eine „Delle“ zu erwarten. Die Benchmarks, was die Förderung des Nachwuchses angeht? Werden woanders gesetzt, wie Joti Chatzialexiou sagte, der Sportliche Leiter der Nationalmannschaften, in Spanien etwa, oder auch in Portugal.

          Der Ausbildungsnotstand im einstigen Fußballwunderland, er ist längst auch in der Bundesliga angekommen. Als die Deutsche Fußball Liga vor zwei Wochen ihren jährlichen „Sportreport“ veröffentlichte, war die Nachricht mit der Jubelmeldung aufgemacht, dass die Bundesliga die torreichste der fünf Top-Ligen in Europa ist. Tiefer im Datenmaterial verbarg sich aber auch noch anderes: Dass der Anteil der deutschen Spieler im U-21-Alter in der Liga seit dem Vorjahr von sechs auf drei Prozent gesunken sei. Die Realität der Sportdirektoren sieht so aus, dass sie beinahe gezwungen sind, sich bei ausländischen Talenten zu bedienen, weil der heimische Markt die entsprechende Qualität nicht hervorbringt. Chatzialexiou nannte die Zahlen „alarmierend“.

          Neu sind all diese Erkenntnisse nicht, Bierhoff und Co. haben sie schon im vergangenen Jahr adressiert. Er und seine Direktion arbeiten mit einer Mischung aus deutscher Gründlichkeit, amerikanischer Start-Up-Mentalität und auch ein wenig globalisierter Beratungswindmacherei an einer besseren Zukunft des deutschen Fußballs mit der in Frankfurt neu entstehenden Akademie als Nukleus. Vieles davon, was am Dienstag präsentiert wurde, schien Hand und Fuß zu haben. Ob irgendwann auch wieder von goldenen Jahren die Rede sein kann und nicht nur von „goldenen Zonen“, in denen laut einem breiter angelegten „Stürmerprojekt“ die meisten Treffer erzielt werden, liegt jedoch nicht nur in der Macht des DFB.

          Die große Herausforderung bleibt zum einen, die Vereine mitzunehmen, die zuerst ihre eigenen Interessen verfolgen, zum anderen, in die Köpfe der Spieler vorzudringen, die sich auf ihrem Karriereweg oft genug gegen jede Vernunft verführen lassen. „Spielminuten müssen Gehalt ersetzen“, sagte Stefan Kuntz, der Trainer der deutschen U21. Eine an sich simple Erkenntnis, für die man jedoch in der Praxis mitunter dicke Bretter bohren muss.

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