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Miroslav Klose : Für immer jung

  • -Aktualisiert am

Jung geblieben: Klose sieht sich im DFB-Team noch nicht am Ende seiner Möglichkeiten angekommen Bild: AFP

Miroslav Klose wird an diesem Samstag, wenn die Deutschen gegen Portugal in die EM starten, 34. Doch er wirkt wie ein 25-Jähriger. Auf Fragen nach seinem Karriereende reagiert er mit Koketterie und einer gewissen Art von Witz.

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          Es gibt eine Fußballstatistik, in der Miroslav Klose nicht auftaucht. Nicht ein Tor hat der Angreifer in jungen Jahren für eine Nachwuchsmannschaft des Verbandes erzielt. Nicht ein einziges Spiel bestritt er in einem der besonders geförderten Juniorenteams.

          Mit knapp 20 Jahren stürmte Klose noch in der Bezirksliga für die SG Blaubach-Diedelkopf, was für heutige Verhältnisse wie ein Anachronismus wirkt, da Talente in Deutschland mittlerweile im Grundschulalter über gezieltes Training an mehr als 300 Stützpunkten in der Republik an spezialisierte Nachwuchsleistungszentren der Profiklubs und die Jung-Nationalmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) herangeführt werden.

          Unter den ganzen Langzeitgeförderten in der Nationalelf stellt Klose deshalb die absolute Ausnahme dar - ein Superkicker von der Straße. Und er hat gute Chancen an diesem Samstag, der zugleich sein 34. Geburtstag ist, bei der Europameisterschaft gleich wieder in der Startelf gegen Portugal auf Torjagd zu gehen. „Er ist für uns ein ganz, ganz wichtiger Spieler, der die Anforderungen an unser Spiel genau erfüllt“, sagte Joachim Löws Assistent Hans-Dieter Flick am Freitag.

          Klose oder Gomez - wer läuft als Stoßstürmer auf?

          Vielleicht ist es ein Hinweis darauf, dass Klose an diesem Samstag auf der einzigen Stürmerposition eher beginnen wird als Mario Gomez. Wie bei Per Mertesacker und Bastian Schweinsteiger stellen sich bei Klose zwar weiterhin Fragen zum Fitnesszustand, weil auch er eine Verletzung zu überwinden hatte.

          Im vergangenen Sommer wechselte er von der Münchner Ersatzbank in den Sturm von Lazio Rom
          Im vergangenen Sommer wechselte er von der Münchner Ersatzbank in den Sturm von Lazio Rom : Bild: dpa

          Doch schon seit länger als einer Woche gibt sich der Angreifer optimistisch, macht einen zufriedenen Eindruck und spricht davon, dass er bereit sei für das Turnier. Die Frage, ob er im Vollbesitz seiner Kräfte sei, beantwortete er mit einem lässigen Lächeln: „Ich glaube, ich war noch nie bei hundert Prozent.“

          Die Mannschaftsführung habe sich gerade wieder über das Phänomen Klose unterhalten, berichtete Teammanager Oliver Bierhoff in diesen Tagen und ließ wissen, dass solch ein Karriereverlauf bis in die höchsten Sphären des Fußballs heute nicht mehr möglich sei. „Was man da verpasst in der Jugend, kann man später kaum noch aufholen“, glaubt Bierhoff.

          Klose oder Gomez? Gomez oder Klose? Oder Klose und Gomez?
          Klose oder Gomez? Gomez oder Klose? Oder Klose und Gomez? : Bild: dpa

          Einerseits hat er natürlich recht. Die neue Spielergeneration hat ein umfangreiches Ausbildungsprogramm mit permanenten Qualitätsprüfungen durchlaufen, das ihr Talent in den meisten Fällen erst zur richtigen Entfaltung bringt. Kloses direkter Konkurrent im Angriff, der acht Jahre jüngere Gomez, besuchte das Fußballinternat beim VfB Stuttgart und startete beim DFB einst in der U-15-Auswahl. Andererseits zeigt sich, dass Klose wirklich eine Ausnahmeerscheinung ist; er kam erst als Twen beim 1. FC Kaiserslautern im Jahr 2000 zu seinem ersten Bundesligaeinsatz und legte dann noch diesen langen steilen Aufstieg hin.

          116 Länderspiele, 63 Tore

          Auch bei Lazio Rom schlug der im polnischen Oppeln als Miroslaw Marian Kloze geborene Angreifer zu Beginn der abgelaufenen Saison sofort ein. Inzwischen hat er in 116 Länderspielen für Deutschland 63 Treffer erzielt und könnte sogar noch gegen Ende seiner Schaffenszeit als Fußballprofi den Torrekord Gerd Müllers (68) knacken. „Es wäre toll, wenn Miro bei dieser EM auf fünf Tore käme. Das wäre schön für unser Team“, sagte Bundestrainer Löw.

          „Noch tragen mich die Beine, noch habe ich keine Ermüdungserscheinungen. Da schleppe ich meinen Kadaver doch noch ein bisschen durch“
          „Noch tragen mich die Beine, noch habe ich keine Ermüdungserscheinungen. Da schleppe ich meinen Kadaver doch noch ein bisschen durch“ : Bild: dpa

          Sein Assistent Flick hob am Freitag noch einmal die Qualitäten hervor, die bei Klose auf einer Mischung aus natürlicher Gabe, Intuition, aber auch persönlicher Entwicklungsarbeit beruhen. Ein Teil davon ist sicher auch auf das freie Spiel in den Jugendjahren zurückzuführen. Klose sei schnell, sehr ballsicher für das geforderte Kombinationsspiel und verfüge im gegnerischen Strafraum über einen sicheren Abschluss - per Fuß und Kopf. In der Nationalmannschaft gehört der Mittdreißiger zu den Anführern, auch wenn er sich in der Öffentlichkeit gerne in Zurückhaltung übt.

          Vorbildfunktion des Routiniers

          „Er nimmt die jungen Spieler mit“, sagt Flick. Dass Klose - wie anderen in seinem Alter - noch nicht die Kraft ausgegangen ist, um auf höchstem Niveau spielen zu können, liegt zuerst einmal an seinem widerstandsfähigen Körper und der starken Konstitution. Er wirke wie ein 25-Jähriger, merkte Löw in dieser Woche an. Vielleicht hat Klose aber auch geholfen, dass er nicht schon als Jugendlicher durch die Mühlen der Talentförderung gegangen ist, wo bei falschem, zu hartem Training und überzogenem Ehrgeiz der Trainer auch mal die Gefahr der Überlastung besteht.

          Auch nach dieser Europameisterschaft muss noch nicht Schluss sein für Klose im DFB-Team
          Auch nach dieser Europameisterschaft muss noch nicht Schluss sein für Klose im DFB-Team : Bild: dpa

          Klose macht derzeit nicht den Eindruck, als wolle er sich nach diesem Turnier als Fußballspieler in der Nationalmannschaft zur Ruhe setzen. Fast scheint für ihn zu gelten: für immer jung. Der Spaß ist ihm auch bei seinem sechsten Turnier noch nicht verlorengegangen. Auf Fragen nach seinem näher rückenden Karriereende reagiert er mit Koketterie und einer gewissen Art von Witz. „Noch tragen mich die Beine, noch habe ich keine Ermüdungserscheinungen. Da schleppe ich meinen Kadaver doch noch ein bisschen durch“, sagt er dann.

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