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Mesut Özil im Gespräch : „Ich will unbedingt den Titel“

  • Aktualisiert am

Volle Konzentration: Özil besinnt sich auf die eigenen Stärken Bild: dpa

Mesut Özil soll Deutschland gegen Italien ins EM-Finale führen. Der Mittelfeldstar von Real Madrid spricht zuvor im F.A.Z.-Interview über seine Fußball-Lehrjahre im „Käfig“, italienischen Respekt und seinen Stolz, für Deutschland zu spielen.

          5 Min.

          Wir würden gerne mit Ihnen über Fußball reden - oder doch lieber über die Farbe der Fußballschuhe und die schönste Frisur im Team?

          Lieber über Fußball.

          Sie haben als Junge Fußball im Käfig gespielt. Was haben Sie hinter Gittern gelernt, was Ihnen heute noch hilft?

          Durch den Käfig wurde ich viel reifer, weil ich durch meinen großen Bruder gegen Spieler gespielt habe, die vier oder fünf Jahre älter waren. Ich war zehn, und die waren viel robuster als ich - aber ich musste gegen sie bestehen. Dadurch habe ich mich sehr früh schon gut entwickelt.

          Haben Sie auf diesem engen Raum im Fußballkäfig auch andere Komponenten erlernt - zum Beispiel Handlungsschnelligkeit?

          Meine Gabe war, dass ich mir, bevor der Ball zu mir kam, schon damals als kleiner Junge Gedanken gemacht habe, wohin ich den Ball spielen soll - und wo der Gegner oder Mitspieler hinlaufen wird. Ich glaube, so etwas kann man nicht lernen als Fußballer. Wir haben im Käfig meistens fünf gegen fünf oder sechs gegen sechs gespielt. Wir hatten auch viel Spaß daran, und mir war es egal, ob die Jungs fünf Jahre älter waren - oder dünner oder dicker als ich. Das hat dort keine Rolle gespielt. Einige von damals, mit denen ich gekickt habe, sind immer noch meine Freunde. Das Wichtigste war, dass ich Fußball geliebt habe. Und diese Liebe ist immer noch da.

          Konnte man Sie schon damals im Käfig mit Härte nicht stoppen?

          Wir haben vorsichtig gespielt. Das war ja ein Asphaltplatz.

          Ihr großes Vorbild Zinedine Zidane hat das Fußballspielen auch im Käfig gelernt. Haben Sie ihm das früher schon angemerkt?

          Darauf habe ich nicht geachtet. Mir hat mehr imponiert, dass er ein kompletter Spieler war - stark am Ball, beim Kopfball, im Zweikampf. Er war mein Idol.

          Özils großes Vorbild: Zinedine Zidane (Foto) imponiert ihm noch heute

          Wie ist heute Ihr Verhältnis zu Zidane? Gibt er Ihnen noch etwas mit? Er ist ja Berater bei Real Madrid.

          Seit ich bei Real Madrid spiele, habe ich Kontakt zu ihm. Natürlich kommt er vor dem Spiel in die Kabine, begrüßt die Jungs und wünscht alles Gute. Wenn er zu mir kommt, bestärkt er mich und sagt: Du weißt, was du kannst.

          Zählt für Sie ein Kompliment von Zidane immer noch besonders viel?

          Auf jeden Fall. Aber wir haben meist nur kurze Gespräche. Er hat ja auch viel zu tun. Er ist wirklich eine tolle Persönlichkeit.

          Warum wollen Sie wie Zidane sein?

          Ich glaube, er ist auch privat ein guter Mensch. Das macht ihn zusätzlich für viele Spieler zum Vorbild.

          Einmal ist Zidane sehr negativ aufgefallen - beim WM-Finale 2006, ausgerechnet gegen Italien.

          Dazu möchte ich lieber nichts sagen.

          Mesut Özuil: „Ich will den Titel nach Deutschland holen“

          Spielt es eine Rolle, dass er auch ein Kind von Migranten war, schafft das zusätzliche Verbundenheit?

          Das ist bei uns beiden so, darauf habe ich früher eigentlich nicht geachtet. Ich kann nur über mich sagen, dass ich in der dritten Generation in Deutschland lebe, meine Geschwister und ich sind in Deutschland geboren. Ich habe für die deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaften gespielt, und jetzt bin ich stolz darauf, für Deutschland hoffentlich den EM-Titel zu holen. Für mich gab es nie etwas anderes, als für Deutschland spielen zu wollen. Ich habe alles richtig gemacht.

          Es gab zuletzt Anfeindungen in Deutschland wegen Ihrer Herkunft. Zugleich heißt es, Sie wollen nicht als Deutsch-Türke bezeichnet werden, sondern als Deutscher.

          Bei Lukas Podolski und Sami Khedira heißt es ja auch nicht: der Deutsch-Pole oder der Deutsch-Tunesier. Aber jetzt will ich dazu nichts mehr sagen, sondern mich auf das Halbfinale konzentrieren. Alles andere interessiert mich im Moment nicht.

          Was muss passieren, damit Sie auf dem Platz richtig zufrieden mit sich sind?

          Ich bin auf dem Platz ein Perfektionist. Ich will alles geben für den Sieg. Aber natürlich bin ich keine Maschine. Manchmal läuft es besser, manchmal weniger gut. Aber ich bin hier bei der Europameisterschaft mit meiner Leistung zufrieden, vor allem beim 4:2 gegen Griechenland habe ich gezeigt, was ich kann.

          Selbstbewusst: Özil weiß, was er kann

          Schweinsteiger, Khedira, Özil, Müller, Reus, Götze, Schürrle oder Podolski - haben Sie schon mal in einem besseren Mittelfeld gespielt?

          In dieser Aufzählung darf man Xabi Alonso nicht vergessen, mit dem ich bei Real Madrid zusammenspiele. Er ist Weltmeister und einer der überragenden Mittelfeldspieler der Welt. Aber natürlich bin ich stolz darauf, dass ich in der Nationalmannschaft mit Schweinsteiger und Khedira zusammenspiele, die mir den Rücken freihalten und sich immer reinhängen für die Mannschaft.

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