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Mesut Özil : Das Projekt Mesut

In seinem Element: Özil beherrscht den Ball, redet aber nicht so gerne darüber Bild: dpa

Bisher wurde die Marke Mesut Özil sträflich vernachlässigt. Ein neuer Berater soll das ändern. Vater Mustafa serviert dazu Champagner und liefert muntere Anekdoten.

          3 Min.

          Es ist Donnerstag zur Mittagszeit, als Mustafa Özil im Café Madrid im Zentrum Leipzigs steht und seine Gäste mit einem Glas Champagner empfängt. Wenige Stunden später wird das letzte Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Israel vor dem Abflug des Teams zur Europameisterschaft an diesem Montag stattfinden. Mesut Özil macht am Abend beim 2:0-Sieg ein durchschnittliches Spiel, das Turnier in Polen und der Ukraine mit dem ersten Auftritt an diesem Samstag gegen Portugal soll jedoch nun zur nächsten wichtigen Etappe in der Karriere seines Sohnes werden. Für Mustafa Özil geht es bei der EM nicht nur darum, dass sich sein Mesut nach den großen Auftritten bei der WM 2010 und dem Gewinn der spanischen Meisterschaft mit Real Madrid in diesem Sommer sportlich weiter prächtig entwickelt. Mesut Özil soll in Deutschland nun endlich auch als derjenige Spieler wahrgenommen werden, der er nicht nur in den Augen seines Vaters längst ist: der stärkste Fußballspieler, den das Land hervorgebracht hat.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Das Projekt Mesut nimmt in diesen Tagen an Fahrt auf. Die Einladungen an die Journalisten ins Café Madrid hat Roland Eitel verschickt. Der Schwabe berät den 23 Jahre alten Nationalspieler seit ein paar Wochen in Medienfragen, zu seinen Klienten gehört auch Bundestrainer Joachim Löw. Wenn man Özils Karriere unter Marken- und Marketingaspekten betrachtet, kann man feststellen, dass die Marke Özil in Deutschland noch großes Entwicklungspotential besitzt. Man könnte aber auch sagen: Bisher wurde die Marke Özil sträflich vernachlässigt.

          Kein Mesut im Fernsehen

          In Zeitungen und im Fernsehen taucht Özil hierzulande kaum auf. Die Spiele der Primera División zeigt kein deutscher Sender, Interviews mit dem in Gelsenkirchen geborenen Fußballkünstler über die Saison hinweg sind eine Seltenheit. So kommt es, dass selbst durchschnittliche Bundesligaspieler im öffentlichen Bild weit präsenter erscheinen als der Mittelfeldstar, der Zinédine Zidane sein Vorbild nennt.

          Das soll sich nun ändern. Schon im vergangenen Sommer hat sich Özil von seinem Berater getrennt. Vielmehr: sein Vater hat das getan. Seitdem hat Mustafa Özil die alleinige Vertretung für seinen Sohn übernommen, vorher hatte er sie sich mit dem Berater geteilt. Mustafa Özil glaubt, es sei besser, wenn diese Dinge in der Familie geregelt würden. Berater seien schließlich nur aufs Geld aus und nicht so sehr an der Gesamtentwicklung eines Spielers interessiert. Er als Vater verfolge jedoch einen eher ganzheitlichen Ansatz. Er kritisiere auch seinen Sohn. Ein Berater, so Mustafa Özil, würde das nicht tun. Man kann aber auch sagen: So bleibt tatsächlich alles in der Familie Özil, auch das Geld.

          Der beste Fußballer Deutschlands

          “Wer mit 23 Jahren die Nummer zehn bei Real Madrid trägt, den muss man nicht mehr positionieren“, sagt Eitel. „Mesut Özil soll als bester Fußballer Deutschlands wahrgenommen werden - nicht mehr und nicht weniger.“ Aus Madrid sind in den vergangenen zwei Jahren meist nur Informationsfetzen in Deutschland angekommen, ein klares Bild von dem öffentlich stets zurückhaltenden, freundlich und bescheiden auftretenden Özil ist so nicht entstanden. Es wurde gemeldet, dass er in Madrid mit einem sündhaft teuren Ferrari unterwegs ist, seinen Urlaub auf einer Yacht im Mittelmeer verbringt und für seine Familie ein Flugzeug für die Ferien gechartert hat.

          Noch nicht Star genug: Özil arbeitet daran - hier ist der Nationalspieler mit seinem Teamkollegen Sami Khedira zu Gast bei der Formel 1 Bilderstrecke

          Dazu wurde in spanischen Medien immer wieder berichtet, Özil genieße das spanische Nachtleben. Aber solche Nachrichten sind mit Vorsicht zu genießen. Zum einen versteht Real-Trainer José Mourinho Medienarbeit als Machtinstrument. Informationen, Gerüchte und Falschmeldungen werden, so heißt es in Madrid, nach Bedarf gestreut, zum anderen tauchten einige Vorwürfe in denjenigen Sportblättern auf, die dem FC Barcelona nahestehen.

          Nudeln für die Freunde

          Mesut Özil ist in deutschen Medien, außer, wenn er sich bei der Nationalmannschaft befindet, weitgehend unsichtbar geblieben. Nicht verwunderlich: Es ist immer wieder vorgekommen, dass Interview-Anfragen von wichtigen Medien bei seinem früheren Berater monatelang einfach liegenblieben - oder gar nicht beantwortet wurden. Aber auch in dieser Saison lief in diesen Dingen nicht alles wie am Schnürchen. Vor wenigen Monaten wurde auch die Klage des Deutschen Fußball-Bundes öffentlich, dass Mustafa Özil selbst gegenüber dem Verband verspätet auf Telefonate reagiere. Oder gar nicht.

          Im Café Madrid erzählt Mustafa Özil Anekdotisches über die hausmännischen Qualitäten seines Sohns. Im Star-Ensemble von Real Madrid ist er mit Sami Khedira befreundet und mit Sergio Ramos. Sie träfen sich regelmäßig bei Özil, der für sie koche. Khedira, so heißt es, möge es am liebsten, wenn Özil die Nudeln mit Knoblauch, Tomaten und Ei darin macht. Der Koch und Künstler des deutschen Spiels achte mittlerweile selbst besser auf seine Ernährung, zweimal die Woche gibt es Fisch, Cola ist gestrichen. Zugelegt hat er auch, von rund 70 auf 74 Kilo. Das ist vor allem Muskelmasse durch das Krafttraining, aber Mesut müsse aufpassen, dass zu viel Kraft nicht der Geschmeidigkeit schade, sagt Mustafa Özil. Derzeit habe er genau die richtige Balance gefunden. Im Spiel jedoch, findet der Vater, müsse sein Sohn noch mehr den Torabschluss suchen. Und er soll nicht vergessen, die Ellbogen auszufahren.

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