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4:1 gegen Italien : Wellness für den Weltmeister

„Das Vertrauen des Trainers hat mir sehr viel gegeben“: Mario Götze spielt und trifft wieder in der Nationalelf. Bild: Picture-Alliance

Dem 2:3 gegen England folgt ein 4:1 über „Angstgegner“ Italien. Der DFB-Elf bleibt nun eine störende Form-Diskussion in der EM-Vorbereitung erspart. Ein Spieler hat besonderen Grund zur Freude.

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          Kurz vor Mitternacht kam der Held der Nacht, er trug Schwarz. Schwarz die Jacke, schwarz die Hose, schwarz die Schuhe, schwarz die Ohrstecker, schwarz die Kappe. Nur das Lächeln von Mario Götze hatte nicht Dunkles, es war strahlend hell. „Ich bin in der Gegenwart, das ist das Wichtigste“, sagte der WM-Held von 2014 nach seinem ersten wirklich guten Arbeitstag im EM-Jahr 2016, dem 4:1 gegen Italien.

          Christian Eichler
          (cei.), Sport

          Ein Kopfball zum zweiten deutschen Tor, ein Hackentrick auf dem Weg zum dritten, dazu einige federleichte Fußballmomente, die fast wieder wie vom alten Götze wirkten: Sein 50. Länderspiel war eine Erinnerung daran, welch großes, immer noch nicht vollständig eingelöstes Versprechen dieser Hochbegabte des deutschen Fußballs darstellt.

          Joachim Löw hat das nicht vergessen. Deshalb bot er ihm in der Münchner Arena die Bühne, die Götze dort beim FC Bayern seit langem nicht mehr bekommen hat. „Mario ist ein Spieler, für den es sich auch lohnt, sich einzusetzen“, so der Bundestrainer. „Er hat großartige Fähigkeiten. Und die muss man versuchen, wieder hinzubekommen bis zur EM“.

          Der erste Schritt scheint gemacht. „Das war ein guter Moment für mich nach der langen Verletzungszeit“, sagte Götze, der sich im Nationaltrikot, im Oktober gegen Irland, jene zähe Muskelverletzung eingefangen hatte, die ihn bei den Bayern aus der Bahn warf.

          Nun bedankt er sich für die Chance, die Löw ihm gab: „Das Vertrauen des Trainers hat mir sehr viel gegeben.“ Dabei prangte auf seiner schwarzen Kappe ein großes weißes G, dessen Haken in einen nach oben weisenden Pfeil überging. Ein Sinnbild des Abends: der Aufwärtstrend für G wie Götze.

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          Der Aufwärtstrend betraf aber auch andere. Weil die Italiener sich als ein Angstgegner präsentierten, vor dem sich niemand Angst haben musste, wurde es ein Rekordsieg – nur 1939 hatte Deutschland mit einem 5:2 einmal ähnlich hoch gegen sie gewonnen.

          Ja, es wurde sogar eine Art Wellness-Programm für den Weltmeister, eine prickelnde Kur zur erfolgreichen Behebung des Stimmungsknicks vom 2:3 gegen England drei Tage zuvor. Das Publikum stimmte in der zweiten Halbzeit „Oh, wie ist das schön“ an, und für nahezu jeden einzelnen in Löws Kader hatte der Abend eine spielerische Streicheleinheit im Angebot.

          Fußball-Nationalmannschaft : Löw zufrieden nach Sieg über Italien

          „Jeder geht mit einem guten Gefühl nach Hause“, fand etwa Marc-André ter Stegen, der in Barcelona immer noch um den festen Platz im Tor kämpfen muss, ihn nun aber für neunzig Minuten von Löw bekam. Am Ende stellte er erleichtert fest, „meinen ersten Sieg mit der Nationalmannschaft“ geschafft zu haben, und das nach vier Jahren mit fünf Einsätzen und dreizehn Gegentoren.

          „Die Spieler gehen mit einem guten Gefühl nach Hause“, fand auch Innenverteidiger Antonio Rüdiger. Beim AS Rom erlebt er, ebenso wie Nebenmann Shkodran Mustafi beim FC Valencia, alles andere als eine perfekte Saison. Doch gegen Italien bot er in der Dreierkette mit Mustafi und Mats Hummels eine Leistung, die Löw als „klasse im taktischen Verhalten“ pries.

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          Jeder bekam ein verdientes Lob vom Chef: die beiden Außenverteidiger Jonas Hector, Schütze des 3:0, und Sebastian Rudy, Vorbereiter des 4:0; das neue „Sechser“-Duett im defensiven Mittelfeld, Toni Kroos, der das 1:0 schoss, und Mesut Özil, der den Elfmeter zum 4:0 verwandelte.

          Und auch Thomas Müller, der nach der Niederlage gegen England ehrlicherweise von mangelnder Testspiel-Motivation und „Larifari“-Fußball gesprochen hatte, strotzte drei Tage später in „meinem Wohnzimmer“, der Münchner Arena, nur so vor Spielfreude. Nicht zuletzt, weil er zum ersten Mal auch Kapitän der Nationalmannschaft war.

          „Wir wollten heute schon was zeigen“, räumte der Angreifer ein, der die beiden ersten Tore vorbereitet hatte. Er erzählte davon, wie ihm „bei 2:0-Führung der Gedanke an Samstag“ kam. Dieser Gedanke aber hatte nichts Lähmendes, im Gegenteil. Ihm folgten nicht das Nachlassen und Starkmachen des Gegners, sondern das 3:0 und 4:0. Da konnte Stephan El Shaarawy die Deutschen mit seinem abgefälschten Weitschuss zum 4:1 kurz vor Schluss auch nicht mehr ärgern.

          „Wir haben gesehen, was passiert, wenn wir mit der richtigen Mentalität auf den Platz gehen“, sagte Hummels, der nach Müllers Auswechslung die Kapitänsbinde auch noch ein bisschen hatte tragen dürfen. Na also, konnte man sich sagen: Es geht ja doch noch. Auch als Weltmeister kann man in einem gewöhnlichen Länderspiel vor Ehrgeiz brennen.

          „Gegen England hat mir am Ende die Überzeugung und die letzte Leidenschaft gefehlt“, fand Löw. „Heute war wichtig, dass wir das auch mal in einem Testspiel gezeigt haben“. Durch die gelungene Rehabilitierung fürs England-Spiel dürfte dem Bundestrainer eine störende Form-Diskussion in der EM-Vorbereitung erspart bleiben. Auch Müller erwartet das: „Wir können nun ohne viel Druck von außen Richtung Trainingslager gehen“.

          Für jeden war also etwas Schönes dabei, jeden wärmte irgendein italienischer Moment wie ein Sonnenstrahl nach langem Winter. Am meisten er natürlich den, der am längsten darauf hatte warten müssen. „Ich bin sehr glücklich“, sagte Mario Götze. „Für mich war's einfach wichtig, wieder spielen zu können nach so einer langen Verletzung. Einfach wieder das machen zu können, was mir Spaß macht.“ Dann lächelte er unter der schwarzen Kappe mit dem aufsteigenden G. Und ging hinaus in die Nacht.

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