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Mario Götze : „Ich soll den Kopf nicht hängen lassen“

  • Aktualisiert am

Nur vor der EM im Mittelpunkt: Mario Götze Bild: dpa

Zum ersten Mal in seiner Karriere sitzt Mario Götze drei Spiele nacheinander auf der Bank. Die Fußball-EM wird so zu einer harten Geduldsprobe für den Dortmunder Jungstar, wie er im F.A.Z.-Interview eingesteht.

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          Wir und viele Fans würden Sie bei der Europameisterschaft gerne spielen sehen - warum hat das noch nicht geklappt?

          Ich würde auch gerne spielen, das können Sie sich sicher vorstellen. Den Anspruch zu spielen muss auch jeder haben. Aber die Mannschaft hat gut gespielt und neun Punkte geholt. So soll es sein. Ich hatte durch meine Verletzung eine harte Zeit hinter mir, jetzt bin ich aber bei hundert Prozent.

          Drei Spiele auf der Bank und noch keine Minute gespielt - wann haben Sie das zum letzten Mal erlebt?

          Zum ersten Mal, definitiv. Ich kannte das weder aus der Jugend noch aus der Bundesliga. Nur beim Pokalfinale gegen Bayern war das anders, da habe ich aus der Distanz einen Titel gefeiert. Das ist nicht so einfach.

          Die Situation bei der Nationalmannschaft dürfte da noch schwerer auszuhalten sein, gerade für einen Spieler, der es immer gewohnt war, dabei zu sein.

          Es ist schwierig für mich, keine Frage. Ich kann das auch nicht so einfach annehmen, aber das muss ich. Das gehört dazu, da lernt man auch viel draus. Ich muss mich irgendwie selbst motivieren und versuchen, mich anzubieten. Dann entscheidet der Trainer.

          Auch in der Werbung stand Götze ganz vorne
          Auch in der Werbung stand Götze ganz vorne : Bild: Mercedes Benz

          Was ist das Schwierige daran: mit der eigenen Unzufriedenheit klarzukommen oder mit seinen eigenen Ansprüchen?

          Beides eigentlich. Nochmals: als Fußballer will man natürlich spielen, da will keiner auf der Bank sitzen. Aber der Trainer, und das war vor dieser EM klar, hat die Qual der Wahl. Und wenn man dann drei Spiele auf der Bank sitzt - und nicht nur ein Spiel -, dann fragt man sich schon, wie das passieren konnte. Da wird man unzufrieden. Aber ich sage mir: Es ist mein erstes Turnier, wir haben ordentlich gespielt bisher. Es gibt zwar noch Steigerungspotential, aber wir haben alle drei Spiele gewonnen. Was will man mehr?

          Wer unterstützt Sie derzeit?

          Ich mache viel mit mir alleine aus, aber auch meine Familie und mein Berater sind für mich da. Es kommt Gutes von allen Seiten.

          Was wird Ihnen geraten?

          Ich muss immer hundert Prozent geben bei den Chancen, die ich im Training habe. Mehr kann man eigentlich nicht machen. Das ist wirklich nicht einfach, aber man muss versuchen, sich daran hochzuziehen.

          Ihr Dortmunder Kollege Mats Hummels sagt, er habe ständig Kontakt mit Jürgen Klopp, Sie vermutlich auch.

          Wir haben vor und nach den Spielen Kontakt. Das tut manchmal ganz gut.

          Klopp ist ja auch nicht der geduldigste Mensch. Hat er einen guten Rat?

          Ich soll dran bleiben, an mir arbeiten und auf meine Chance hoffen und warten - und wenn sie kommt, zu hundert Prozent nutzen.

          Die deutsche Bank soll bei der Europameisterschaft das große Kapital der Mannschaft sein - müsste man dann nicht mehr von diesen Spielern sehen? Löw scheint ja seine Stamm-Mannschaft gefunden zu haben.

          Der Kader ist in der Breite sehr gut. Jeder, der hier dabei ist, hat seine Fähigkeiten und würde sie gerne zeigen. Mal sehen, was das Turnier noch so bringt.

          Orientierungsphase beim Mannschaftsfoto: Wer gehört zu den Gesetzten?
          Orientierungsphase beim Mannschaftsfoto: Wer gehört zu den Gesetzten? : Bild: dpa

          Was hatten Sie sich vor dem Turnier ausgerechnet nach Ihrer langen Verletzungspause? Dachten Sie, dass Sie es packen, noch richtig ins Team zu kommen - oder hatten Sie schon Zweifel?

          Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl. Und hatte gehofft, dass ich meine Spielpraxis bekommen würde und mich anbieten kann. Mit diesen Erwartungen bin ich schon zur Europameisterschaft gekommen. Aber so ist es nicht gelaufen. Die Situation ist, wie sie ist, es wird jetzt von mir keine falschen Worte geben.

          Im Rückblick: Haben Sie im Umgang mit Ihrer Schambeinverletzung alles richtig gemacht, oder haben Sie diese Verletzung womöglich unterschätzt? Auch mit Verletzungen muss man Erfahrungen sammeln.

          Eigentlich habe ich nicht das Gefühl, dass da etwas falsch gelaufen ist. Okay, es war meine längste Verletzungspause. Das war sehr hart und auch sehr schwierig. Aber ich hatte genug Zeit, mich auf die Europameisterschaft vorzubereiten und fit zu werden. Dafür habe ich alles getan, was möglich ist. Ich musste da auch schon viel Geduld beweisen.

          Sie wirken tatsächlich ein bisschen niedergeschlagen, gar nicht voller Energie.

          Die Situation ist neu für mich. Aber ich versuche mich täglich neu zu motivieren.

          Was sagt denn der Bundestrainer in einer Situation zu einem jungen Spieler, wenn es ihm nicht so gut geht?

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