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Kommentar zum deutschen Team : Löws lohnende Umstellungen

  • -Aktualisiert am

Belebendes EM-Debüt: Joshua Kimmich sorgt für Tempo auf dem rechten Flügel Bild: AFP

Kimmich gibt dem rechten Flügel Schwung, Mario Gomez trifft in der Spitze: Die Veränderungen in der deutschen Nationalmannschaft gegen Nordirland zeigten Wirkung.

          Jetzt geht’s los! Der alte und schon leicht angestaubte Fanslogan war bei einer EM aber leider noch nie so passend wie in Frankreich. Nach dem erwartet zähen Vorrunden-Part steht die deutsche Mannschaft nach einem verdienten und überzeugenden 1:0 im letzten Gruppenspiel gegen Nordirland nun mit sieben Punkten, zwei Siegen, einem Unentschieden und null Gegentoren in der K.-o.-Runde. Und erreichte damit auch ihr erstes Etappenziel: den Gruppensieg. Darauf hätte man schon bei der Auslosung wetten können. Die Deutschen leisteten in diesen drei Spielen insgesamt das, was man von ihnen erwarten durfte. Nicht mehr, aber auch nicht viel weniger.

          Tatsächlich ist diese erste Phase der EM nichts weiter als eine Champions-League-Vorrunde für Nationalmannschaften. Und damit nur eine Verlängerung der ohnehin quälenden eineinhalbjährigen EM-Qualifikationstour, in der sich das Team von Joachim Löw auch schon schwerer tat, als man das nach dem Triumph von Rio gehofft hatte.

          Auf Touren gekommen

          Im dritten Anlauf ist der Weltmeister nun bei der EM auch offensiv auf Touren gekommen. Die Umstellungen des Bundestrainers nach dem 0:0 gegen Polen mit Kimmich und Torschütze Gomez haben sich ausgezahlt. Der Kader hat seine Tiefe und Klasse zumindest angedeutet. Torchancen gab es gegen Nordirland jedenfalls in Hülle und Fülle. Doch nach teils hochklassigen Kombinationen fehlte es im entscheidenden Moment immer wieder an Konzentration und Konsequenz, auch an Glück. Dennoch waren das schön anzuschauende Fortschritte, allerdings gegen einen an Substanz und Talent hoffnungslos unterlegenen, aber dennoch unangenehmen Gegner.

          Nach den drei Flachetappen bei dieser Tour de France sind es nun noch drei Stationen bis zum Finale in Paris. Damit beginnt nun endlich der echte Countdown für einen Weltmeister mit höchsten Ansprüchen. In der K.-o.-Phase werden die Deutschen dabei kaum mehr auf Gegner treffen, die wie die Nordiren am Dienstag, mit einem 6-3-1-System ihr Glück nur im Spielverderber-Modus suchen. Und die Partie damit zumindest mit Blick auf das Ergebnis bis zur letzten Minute offenhielten.

          Achtelfinale als Übergang

          Aber selbst das Achtelfinale dürfte – was den Status des Gegners angeht, der dank des absurd verschwurbelten EM-Modus mit dem gesunden Fußballverstand nicht zu erfassen ist – noch nicht die ganz große Herausforderung für das Löw-Team sein - auch wenn der wahrscheinliche Gegner Slowakei zuletzt im wegen eines Unwetters chaotischen Testspiel vor der EM in Augsburg mit 3:1 gewonnen hat.

          Das Achtelfinale ist nach dem langen und auch holprigen Anlauf nicht mehr als ein Übergang zwischen Vorrunde und dem in Frankreich allzu sehr hinausgezögerten Höhepunkt des europäischen Fußballs.

          Aber immerhin schon ein Ernstfall im K.-o.-Modus, bei dem es sich der Weltmeister nicht mehr wird leisten können, mit seinen Chancen so verschwenderisch umzugehen. Das wäre dann der nächste und vielleicht genau richtige Schritt auf einem langen Weg, auf dem die Deutschen in Lille wieder ein Stück mehr zu dem werden können, was sie seit zehn Jahren immer wieder waren: eine der besten Turniermannschaften der Welt.

          Jubel in Schwarz-Rot-Gold Bilderstrecke
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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