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DFB-Kommentar : Spektakuläre Schlusspointe

  • -Aktualisiert am

Gute Laune: Schweinsteiger, Götze und Podolski feiern den Sieg Bild: dpa

Der 2:0-Sieg gegen die Ukraine zum EM-Auftakt ist ein erster Schritt. Auch wenn er schwer gefallen ist. Die DFB-Elf brauchte Glück – und wird dennoch einer der Favoriten auf den Turniersieg bleiben.

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          Der erste Schritt ist gemacht. Auch wenn er schwer gefallen ist. Mit dem mühevollen 2:0 gegen die Ukraine hat die deutsche Mannschaft aber nur auf den ersten Blick ihre erstaunliche Startbilanz in der Ära Löw fortgesetzt. Diesmal konnte das deutsche Team, anders als sonst, von Glück sprechen, dass der Anfang mit drei Punkten zumindest für die Tabelle das wie immer gewünschte Ergebnis brachte.

          Als Souverän trat der Weltmeister aber trotz einer recht frühen Führung in Lille lange nicht auf. In der Schlussphase der ersten Halbzeit verlor die DFB-Auswahl sogar nahezu vollständig die Kontrolle. Nach dem Wechsel behob der Weltmeister seinen kurzzeitigen Systemausfall - und brachte den Vorsprung dann mit harter Arbeit, aber auch mit Dusel und am Ende mit dem Glücksbringer und Hoffnungsträger Schweinsteiger ins Ziel.

          Von der EM 2008 bis hin zur WM 2014 hatten die Deutschen noch jede Premiere ohne größere Schwierigkeiten für sich entschieden, mit vier Siegen und 11:0 Toren. Und damit jeweils die Grundlage für eine zwar nicht immer ganz holperfreie, aber am Ende doch erfolgreiche Vorrunde gelegt. Es folgte stets der Einzug bis mindestens ins Halbfinale.

          Ist der auch erzitterte Sieg – Mustafi hätte zwei Minuten vor Schluss beinahe ein Eigentor fabriziert – nun ein schlechtes Omen für die EM? Bei aller Kritik: schon mit einem weiteren Sieg in drei Tagen gegen den stärksten Rivalen in der Gruppe C, Polen, könnte der Weltmeister, der gegen die Ukraine noch in allen Mannschaftsteilen auf der Suche nach sich selbst war, trotzdem die erste Hürde dieser EM nehmen. Für den Anspruch eines Favoriten auf den Titel kommt aber auch nach einem wackligen Erfolg nur der Gruppensieg in Frage. Aber da müssen in den nächsten Spielen nicht nur Boateng und Kroos zeigen, was sie können. Dem Team fehlte es gegen die Ukraine an Durchschlagskraft, oft am letzten Pass und generell an offensiver Kombinationssicherheit.

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          Aus psychologischer Sicht bleibt dieser Startsieg, trotz aller Schwächen, ein Erfolg: nicht nur wegen des spektakulären Schlusspunkt von Schweinsteiger. Nicht zuletzt dieses Tor wird den Glauben stärken, in der Vorbereitung, selbst wenn längst nicht alles klappte, zumindest einiges richtig gemacht zu haben. Wie auch die Konzentration auf Standardsituationen. Ein Mittel, dass Löw erst vor der vergangenen WM ins Trainingsrepertoire aufgenommen hatte – und nun ganz gezielt und variantenreich üben ließ. Die Belohnung ließ mit dem ersten EM-Treffer durch Mustafi nicht lange auf sich warten.


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          Mit der Aufarbeitung der Fehler - dazu gehört auch der mangelnde Zugriff im Mittelfeld, der dann vor allem die Außenverteidiger schlecht aussehen ließ - sollte auch die Überzeugung wachsen, sich von diesem Startniveau aus deutlich steigern zu können. Das wird möglich und auch nötig sein. In der Vergangenheit ist das jedenfalls immer wieder gelungen. Die Deutschen, und das kann man nun wirklich nicht von vielen Mannschaften sagen, haben in dieser Beziehung ein ziemlich gutes Timing. Dieser Sieg mit Schattenseiten wird dem Weltmeister weder den Ruf eines Turnierfavoriten noch den einer Turniermannschaft kosten.



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          Interaktives Spiel : Das Star-Quartett zur Fußball-EM 2016
          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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