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Joachim Löw : Auf einen Espresso mit dem Bundes-Barista

Er lässt es sich schmecken: Bundestrainer Löw mit seinem Lieblingsgetränk Bild: dpa

Vor vier Jahren erlebte Joachim Löw beim EM-Halbfinale gegen Italien seine bitterste Stunde als Bundestrainer: Das Wiedersehen am Samstag weckt dennoch den Genießer in ihm. Denn die Niederlage von damals hilft ihm und der DFB-Elf heute.

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          Von seinen 135 Spielen als Bundestrainer hat Joachim Löw 22 verloren. Wenn man jedoch all jene wegschneidet, die folgenlos blieben, Testspiele oder Gruppenspiele bei seinen inzwischen fünf Turnieren, bleiben davon nur noch drei übrig, zwei gegen Spanien und eine gegen Italien. Und im Grunde ist es nur diese eine einzige gegen die Italiener, die für größere Verwerfungen gesorgt hat – und, wie man am Dienstag in Evian noch einmal hören konnte, für Nachwirkungen bis heute.


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          Das verlorene Endspiel gegen Spanien bei der EM 2008? Das war Löws frühe Phase, da spielte die Mannschaft erst in Ansätzen den Fußball, der er sich vorstellte. Das 0:1 im WM-Semifinale zwei Jahre später? War natürlich „irgendwie bitter“, wie der Bundestrainer sagte. Aber da sei die Mannschaft ebenfalls noch recht jung gewesen, die Niederlage „schon auch verdient“. Bleibt also jenes 1:2 im EM-Halbfinale 2012 in Warschau. Balotellis Muskelspiel, Löws schwerste Stunde. Es war der Abend, nach dem er erstmals massiv in Frage gestellt wurde. Verzockt habe er sich, hieß es damals. Mit einer Taktik, die sich zu sehr nach dem Gegner und zu wenig nach den eigenen Stärken gerichtet habe.

          „Im Nachhinein geholfen“

          Weil es nun, am Samstag im EM-Viertelfinale, wieder gegen die Italiener (21 Uhr / Live im ZDF und im EM-Ticker auf FAZ.NET) geht und weil sich die Niederlage von Warschau am Dienstag zum vierten Mal jährte, wurde Löw natürlich darauf angesprochen bei der deutschen Pressekonferenz in Évian. Und wenn man ihm folgen wollte, war diese Niederlage im Nachhinein sogar ein Gewinn. Löw machte kein Hehl daraus, wie groß der Frust damals gewesen sei. Weil sein Team bei diesem Turnier „zum ersten Mal fußballerisch überzeugen konnte“ und sich deshalb reif für den Titel geglaubt hatte.

          Und mit dem Abstand von vier Jahren – damals war Löw erst einmal längere Zeit abgetaucht, ehe er sich länglich erklärte – suchte er freimütig einen Teil der Fehler bei sich. „Ich hatte andere taktische Überlegungen, aber die sind nicht aufgegangen“, sagte er. „Dafür muss ich Verantwortung übernehmen.“ Zugleich aber war es ihm wichtig, dieser Niederlage bei allem Verdruss auch eine kathartische Wirkung zuzuschreiben. Sie habe ihm „im Nachhinein geholfen“, sagte er, etwa „für manche Überlegungen“ bei der WM 2014. Ins Detail ging er nicht, aber in Brasilien war ein Bundestrainer zu erleben, der sich noch mehr der eigenen Stärken besann und sich von äußeren Einflüssen frei machte – eine Tendenz, die sich jetzt, in Frankreich, noch einmal deutlich verstärkt hat. „Es war für mich auch eine gute Lehre“, resümierte er.

          Bitter: Vor vier Jahren verloren Lahm und Co. gegen Balotelli gegen die Italiener

          Als Weltmeister redet sich natürlich auch über so etwas ein bisschen leichter, aber man durfte Löw schon abnehmen, dass diese Niederlage eine spezielle Wegmarke in seiner Karriere darstellte. Und vielleicht auch eine gewisse Fixierung auf diesen Lieblingsnachbarn der Deutschen mit sich brachte. Über Italien als (taktisches) Vorbild hat der Bundestrainer schon oft gesprochen, neben Spanien und Chile.

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