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Shkodran Mustafi im Gespräch : „Bei uns will jeder den anderen retten“

„Das Schwierigste ist, mit dem Druck umzugehen“: Shkodran Mustafi. Bild: dpa

Gegen die Ukraine erzielte Shkodran Mustafi ein Tor. Gegen Polen steht er wohl dennoch nicht in der Startelf. Im F.A.Z.-Interview spricht er über den Charakter der deutschen Spieler, die Klasse der Spanier und Mathearbeiten.

          5 Min.

          Wir würden gerne mit Ihnen nur über Fußball sprechen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Christian Kamp

          Das wäre super!

          Nur eine Frage vorab, weil es ja auffällig ist, wie selten es bei den DFB-Pressekonferenzen um Fußball geht. Nervt es Sie inzwischen, bei dieser EM ständig über Terror, Hooligans, Social-Media-Reaktionen oder des Bundestrainers Fehlgriffe reden zu sollen?

          Ich finde es richtig schade, dass man sich bei einer EM nicht auf das Sportliche konzentriert, sondern nur auf das Drumherum. Da verpasst man es, den Sport zu genießen, all das, weswegen ich hier bin. Wenn man sich die ganze Zeit um das Thema Sicherheit oder soziale Netzwerke Gedanken machen muss, verpasst man den Moment, auf den es ankommt. Ich will diese Momente aufsaugen, um später davon hoffentlich meinen Kindern erzählen zu können. Ich lasse nur das Wenigste an mich heran, nur das, was sich nicht vermeiden lässt. Alles andere versuche ich auszublenden.

          Alle vermeintlich großen Favoriten wie Frankreich, Spanien und Deutschland haben jetzt einmal gespielt. Was ist das Besondere dieser EM?

          Mir ist aufgefallen, was ich vorher schon vermutet hatte: dass es keinen Favoriten gibt. Alle Spiele waren offen und sind knapp ausgegangen. In diesem Turnier sind nur starke Mannschaften. Natürlich gibt es Unterschiede, wie ein Team individuell dasteht. Aber die entscheidende Frage ist: Wie findet man als Mannschaft bei einem Turnier zusammen? Wie kommt man in einem Team auf einen Nenner? Da spielt das Individuelle keine große Rolle.

          Torschützen unter sich: Schweinsteiger und Mustafi trafen gegen die Ukraine
          Torschützen unter sich: Schweinsteiger und Mustafi trafen gegen die Ukraine : Bild: dpa

          Was lässt sich unter diesem Aspekt für Sie ablesen: Welches Team funktioniert als Mannschaft am besten?

          Man kann nicht gegen jeden Gegner gleich spielen, auch wenn die Fragen immer dieselben sind. Wo kann ich einem Gegner weh tun? Wo muss ich aufpassen, dass er mir nicht weh tut? Jedes Spiel ist deswegen im modernen Fußball anders. In der Vorbereitung im Tessin haben uns die Trainer körperlich auf einen Nenner gebracht, hier in Frankreich müssen wir die Zeit nutzen, um uns im Detail auf den Gegner vorzubereiten. Außerdem muss man seine Stärken ganz genau kennen - und seine Schwächen.

          Und darin ist Deutschland ganz besonders gut?

          Wir haben jedenfalls eine gesunde Einstellung. Bei uns gibt es keine Superstars, zumindest nicht im Umgang miteinander. Superstars gibt es nur für die Medien, nicht für uns. Wir sehen wirklich jeden als gleich an. Das zeigt sich auch im Spiel: dass man für jeden da sein möchte, wenn er einen Fehler macht. Bei uns will jeder den anderen retten.

          Wie kommt das?

          Man kann eine Menge dazu sagen und auch viel spekulieren. Aber entscheidend ist: Was bringen die Spieler mit, die vom Bundestrainer eingeladen werden? Es reicht längst nicht mehr, nur gut Fußball zu spielen. Das ist nur ein Kriterium. Das Charakterliche gehört dazu, die Fähigkeit, sich in eine Mannschaft einzufügen. Nur dann kann man am Ende das Optimale leisten. In einem Turnier sind diese Qualitäten besonders wichtig. Wir haben 23 Spieler, und wenn von den zwölf, die auf der Bank sitzen, acht den Charakter haben, der Mannschaft nur Pech zu wünschen, weil sie selbst spielen wollen, dann klappt es nicht. Bei der WM haben wir gezeigt, wie man als Mannschaft auftritt. Und das werden wir auch hier zeigen.


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          Neun neue Spieler - aber keine Unterschiede?

          Wenn man in diese Mannschaft kommt, und das war ja bei mir vor zwei Jahren ganz kurzfristig der Fall, dann sieht man direkt, wo es lang geht, wie diese Mannschaft funktioniert. Das war jetzt bei den Neuen genauso. Sie haben sich eingefügt, ohne Schwierigkeiten. In den U-Mannschaften hat man schon diese Mentalität und will auch dasselbe Spiel machen wie die A-Mannschaft. Das ist keine große Umstellung, und deswegen ist es auch einfacher, als Mannschaft zu wachsen.

          Polen gilt als schwierigster Gegner in der Vorrunde. Was wird besonders schwierig sein?

          Das Schwierigste ist, mit dem Druck umzugehen. In einer Meisterschaft hat man immer die Möglichkeit, etwas gutzumachen. Aber nicht bei einem Turnier. Ich bin überzeugt, dass jeder Einzelne sich wieder auf das Wesentliche konzentriert. Und auf dem Platz ist es eben dann auch wieder nur ein Spiel wie jedes andere auch, trotz des ganzen Drumherums: 90 Minuten, der Trainer bestimmt die Elf - und wir wollen die Besseren sein.

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