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Glück beim Absturz im Stadion : Warum die Fans in München der Katastrophe entgingen

Der Greenpeace-Aktivist auf dem Weg ins Münchner Stadion. Bild: dpa

F.A.Z.-Redakteur Holger Appel war beim deutschen EM-Spiel Augenzeuge des Absturzes eines Aktivisten. Die meisten Zuschauer sahen nur die Bruchlandung. Sekunden zuvor hätte sich aber eine Tragödie ereignen können.

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          Die meisten Menschen haben nur die Bruchlandung auf dem Rasen gesehen. Doch Sekunden zuvor hätte sich eine Tragödie ereignen können. Der motorisierte Gleitschirmflieger, der kurz vor dem Spiel zwischen Deutschland und Frankreich am Dienstag in die Münchner Allianz-Arena flog und dort nach einer Berührung mit einem von Dach zu Dach gespannten Stahlseil die Kontrolle verlor, stürzte entlang der Tribüne, auf der französischen Fans saßen, mit hoher Geschwindigkeit Richtung Boden.

          Fußball-EM
          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          In schon geringer Höhe gelang ihm eine Kurve, er drehte auf jene Tribüne ab, die für Vertreter der Medien und einige Ehrengäste reserviert war. Nur weil die Plätze wegen der coronabedingten Restriktionen kaum besetzt waren, blieb Schlimmeres aus. Der Greenpeace-Aktivist überflog die Tribüne in zuletzt etwa 1,50 Meter Höhe und blieb an einem dort für Fernsehinterviews aufgestellten Scheinwerfer hängen. An dem Scheinwerfer zerschlug er sich seinen Rucksackmotor, die Ummantelung zerbarst, der Propeller wurde zerstört, der Scheinwerfer kippte ab.

          Ein Beleuchter wurde getroffen und blieb benommen sitzen. Rettungskräfte waren sofort zur Stelle und behandelten den Verletzten. Der Gleitschirmflieger erreichte noch das Spielfeld und wurde weggeführt. Wäre er die zehn, zwanzig Meter vor dem Scheinwerfer statt auf eine leere auf eine volle Tribüne gestoßen, hätte es eine Katastrophe geben können. Wäre er nach der Berührung mit dem Scheinwerfer nicht die Kurve fortsetzend, sondern geradeaus abgestürzt, wäre er in die eine Minute vor Spielbeginn vollbesetzte Ersatzbank der französischen Nationalmannschaft geflogen.

          Gleitschirm ist ein Luftsportgerät

          Rechtlich gesehen ist der Gleitschirm ein Ultraleichtflugzeug, ein Luftsportgerät. Zu diesen Luftsportgeräten zählen etwa maximal zweisitzige Motorflugzeuge, Segelflugzeuge, Helikopter, Tragschrauber, motorisierte Trikes und eben motorisierte Gleitschirme. Für alle diese Luftfahrzeuge, die ein Höchstgewicht von 472 Kilogramm haben dürfen, ist ein Luftfahrerschein für Luftsportgeräteführer notwendig. Das ist eine Flugausbildung, die deutlich einfacher, schneller und günstiger zu absolvieren ist als eine Privatpilotenausbildung für die typischen Modelle von Cessna oder Piper.

          Typischerweise haben motorisierte Gleitschirmflieger einen Zweitaktmotor mit Propeller auf den Rücken geschnallt. Greenpeace Sprecher Benjamin Stephan gab ab, dass es sich um einen Elektro-Motorschirm gehandelt habe. Mit dem Motor auf dem Rücken können die Piloten nahezu überall starten und landen. Jede Wiese kann per Fußstart als Startfläche dienen. In der Regel ist auch kein Kennzeichen erkennbar, entsprechend schwierig ist eine Kontrolle.

          Auch Piloten von motorisierten Gleitschirmen müssen luftrechtliche Vorschriften einhalten. So dürfen sie nicht in kontrollierte Lufträume in der Nähe von Verkehrsflughäfen oder Militärflugplätzen einfliegen, ebenso müssen sie sich von gesperrten Lufträumen, etwa über Kernkraftwerken, fernhalten. Dazu muss der Gleitschirmpilot entweder eine Luftfahrerkarte auf Papier oder ein Luftfahrt-GPS mit sich führen, auf dem alle kontrollierten und unkontrollierten Lufträume verzeichnet sind. Zudem gilt eine Regel, dass über unbebautem Gebiet eine Mindesthöhe von 500 Fuß, das sind etwa 150 Meter über dem Boden, und über Städten oder Siedlungen eine Mindesthöhe von 1000 Fuß, also etwa 300 Meter über Grund, einzuhalten sind.

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