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Fußball-Nationalmannschaft : Das sind Löws Taktik-Ideen für die EM

  • -Aktualisiert am

Leidenschaftlich: Joachim Löw instruiert seine Spieler während des Trainingslagers in Ascona. Bild: dpa

Der Bundestrainer verfügt bei der EM über eine Vielzahl taktischer Möglichkeiten. Womöglich setzt er auf Altbewährtes. So könnte Deutschland spielen – eine Analyse.

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          Joachim Löw ist kein Taktik-Revolutionär. Er hat zwar drei Weltmeister verloren (Per Mertesacker, Philipp Lahm, Miroslav Klose), die grundsätzliche Ausrichtung seines Teams aber im Vergleich zur Weltmeisterschaft nicht fundamental verändert: Ähnlich wie vor zwei Jahren in Brasilien soll seine Mannschaft bei der Europameisterschaft die gegnerische Verteidigung vor allem mit kreativen Kurzpass-Kombinationen überwinden, ohne dabei die nötige defensive Stabilität zu verlieren. Die grundsätzliche Ausrichtung hat Löw also nicht umgeworfen, in den vergangenen zwei Jahren allerdings viel mit Personal und Formation experimentiert. Die letzten beiden Testspiele deuten darauf hin, dass Löw für das Turnier in Frankreich vor allem zwei Formationen ins Auge gefasst hat.

          Altbewährtes: Deutschland im 4-2-3-1

          Die favorisierte Variante ist eine konservative. Das 4-2-3-1 ist so etwas wie das „Standardsystem“ der Bundesliga. Es bietet mit der „Doppelsechs“ eine gute Absicherung im Zentrum, die Außenbahnen sind doppelt besetzt. Ein wichtiger Vorteil: Alle Nationalspieler kennen das System aus ihrer Vereinskarriere. Die starken Kombinationsspieler in der Offensive, also Thomas Müller, Mesut Özil und Co. sollen die Abwehr des Gegners mit schnellem Kurzpassspiel überwinden. Für Konter, in vorweltmeisterlicher Zeit lange das Mittel der Wahl, dürften die Deutschen wegen ihres Favoritenstatus allenfalls im weiteren Turnierverlauf gegen hochkarätige Gegner die nötigen Räume finden. Zum Fixpunkt im Mittelfeld ist Toni Kroos herangereift. Er gibt den Takt des Spiels vor.

          Deutschland in der 4-2-3-1-Formation

          Offen ist nach dem Ausscheiden von Antonio Rüdiger und der Verletzung von Mats Hummels die Besetzung der zweiten Innenverteidiger-Position. Jerome Boateng ist gesetzt. Am wahrscheinlichsten ist, dass Skhodran Mustafi an seiner Seite verteidigt, ehe Hummels zurückkehrt. Im Aufbauspiel rücken die Außenverteidiger in dieser Formation dann häufig sehr weit vor, während sich Kroos gerne zwischen oder neben die Innenverteidiger fallen lässt.

          Eine Variante im Aufbauspiel: Toni Kroos lässt sich zwischen die Innenverteidiger fallen, die Außenverteidiger rücken vor.

          Im Mittelfeld sind neben der oben skizzierten Variante zwei weitere möglich: Eine besonders spielstarke wäre eine Doppelsechs mit Mesut Özil und Toni Kroos, die jedoch gerade in den ersten EM-Spielen wohl zu gewagt ist – angesichts Löws Vorhersage, die EM werde gerade in der Vorrunde ein „Abnutzungskampf“. Gegen zweikampfstarke Gegner wird Löw wohl nicht auf Sami Khedira verzichten. Möglich ist auch eine Verstärkung des Zentrums mit einem weiteren Spieler, sollte Kapitän Bastian Schweinsteiger noch eine ansprechende Form erreichen. Dieser 4-3-3-Variante würde ein Offensivspieler zum Opfer fallen, wahrscheinlich Julian Draxler, wenn dann Özil für Schweinsteiger nach vorne auf die linke Offensivposition rückt.

          „Echte“ oder „falsche“ Neun?

          Es ist wahrscheinlich, dass Mario Götze im Sturmzentrum als „falsche Neun“ agiert. Er würde dann in Abstimmung mit den Außenspielern Julian Draxler und Thomas Müller, von denen besonders Müller fast durchgängig den Weg ins Zentrum sucht, aus seiner Position zurückfallen. Im Kombinationsspiel könnte er so Räume öffnen, in die auch Mesut Özil von der Zehner-Position aus stoßen kann. Längere Positionswechsel, zum Beispiel zwischen Müller und Götze, sind ebenso möglich. Genauso wie im 5-1-2-2 beziehungsweise 3-5-2, der zweiten wahrscheinlichen Formationsvariante der Deutschen, hat Löw mit Mario Gomez (Besiktas Istanbul) aber auch im 4-2-3-1 die Möglichkeit, einen „klassischen“ Stürmer aufzubieten. Der Torschützenkönig der türkischen Süperlig hält anders als Götze vornehmlich seine Position im Angriffszentrum, lauert auf Steilpässe und lässt sich in der Regel nur kurz zurückfallen, um Bälle abzulegen.

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