https://www.faz.net/-hfm-8i24w

Fußball-Nationalmannschaft : Das sind Löws Taktik-Ideen für die EM

  • -Aktualisiert am
Mario Gomez als „echte Neun“: Er interpretiert seine Rolle starrer als der umtriebige Mario Götze.

Spielt der wuchtige und kopfballstarke Gomez, kann die deutsche Mannschaft auch mehr auf Flankenläufe setzen. Die (defensiven) Außenbahnen sind jedoch eine Schwachstelle des deutschen Teams. Einzig der Kölner Jonas Hector, der allerdings vor seinem ersten großen Turnier steht und seine Pflichtspiel-Feuerprobe im deutschen Dress gegen Weltklasse-Angreifer noch nicht absolviert hat, besitzt auf dieser Position genug Dynamik und Finesse, um häufig aussichtsreiche Dribblings und Kombinationen über die Außenbahnen zu forcieren. Davor orientieren sich die nominellen Flügelspieler Müller und Draxler mehr oder minder stark zur Mitte hin. Emre Can und Benedikt Höwedes spielen normalerweise auf anderen Positionen, mangels Alternativen sind die beiden jedoch die aussichtsreichsten Kandidaten für die Position des rechten Außenverteidigers.

Eine Alternative? Die „WM-Viererkette“

Die Vorstöße der beiden robusten Zweikämpfer sind dort jedoch leicht ausrechenbar, noch mehr, wenn sie als Rechtsfüßer anstelle von Hector auf der linken Position spielen. Ihren Offensivbemühungen fehlt ohne ein herausragendes Zusammenspiel mit den Vorderleuten die Aussicht auf Erfolg. Sebastian Rudy, der nach der Qualifikation als erster Anwärter für die Rechtsverteidigerposition galt, wurde von Löw etwas überraschend aus dem Kader gestrichen.

Wenn Deutschland auf Gegner trifft, die besonders starke Flügel- oder eine Vielzahl guter Kopfballspieler aufbieten, ist vor diesem Hintergrund nicht auszuschließen, dass Löw umstellt und eine Kette mit vier körperlich starken Verteidigern aufbietet, die sich mehr oder minder auf die Defensive beschränken. Dies würde Höwedes und Can entgegenkommen.

Ein Stilmittel der WM 2014: Deutschland verteidigt in der Viererkette auch auf den Außenbahnen mit besonders defensivstarken Spielern.

Innovativ: Deutschland mit Dreierkette

Nach der Weltmeisterschaft experimentierte Löw mehrmals mit einer Dreier- beziehungsweise Fünferkette. Im vorletzten Testspiel gegen die Slowakei ließ er die Mannschaft in einer Art 5-1-2-2- oder 3-5-2-Formation agieren.

Eine Alternative? Deutschland - hier in Bestbesetzung - wie gegen die Slowakei mit einer Dreier- beziehungsweise Fünferkette in der Defensive

Im Angriff hat Löw auch hier wieder die Wahl zwischen dem spielstarken Götze und Strafraumstürmer Gomez. Thomas Müller wäre jeweils ein guter Nebenmann, vielversprechend wäre aber auch ein Angriffsduo Götze-Gomez. In der Verteidigung bietet die Dreier- bzw. Fünferkette bei defensiver Interpretation eine Reihe von Vorteilen: Wenn beide Flügelverteidiger zurückfallen, verspricht der zusätzliche Mann in der Abwehr eine starke Sicherung in der Breite; Verlagerungen des Gegners auf die Flügel sind dann wenig aussichtsreich. Mit zwei Nebenmännern im Zentrum ist Boateng oder ein anderer spielstarker Verteidiger wie der noch verletzte Hummels zudem besser abgesichert, wenn er mit dem Ball vorstößt.

Das deutsche Team kann so flexibel reagieren, wenn der Gegner im Ballbesitz die wichtigen Zwischenräume zwischen der Abwehr und dem Mittelfeld sucht. Mit drei Innenverteidigern kann immer ein Verteidiger ohne großes Risiko aus der Formation herausrücken, sogar wenn der Gegner in einem Zwei-Stürmer-System agiert.

Mögliche Schwachstellen

Das Problem: Im Testspiel gegen die Slowakei funktionierte dieses flexible Herausrücken nicht wie gewünscht, sodass Marek Hamsik ein Vakuum in der deutschen Verteidigung zwischen Abwehr und Mittelfeld ausnutzen konnte und zum 1:1 traf.

Im Raum vor der deutschen Abwehr klafft eine Lücke, Hamsik erkennt sie. Jerome Boateng zögert, vielleicht auch, weil Draxler (Nr. 15) ungünstig steht.
Hamsik nutzt die Lücke: Der Slowake wird angespielt, dreht sich zum Tor und trifft mit einem Distanzschuss. Boateng kommt zu spät.

Ein weitere Herausforderung: Die Rolle der Außenverteidiger ist in diesem System anspruchsvoller als im 4-2-3-1, da sie ohne die Unterstützung eines nominellen Flügelspielers das Offensivspiel über die gesamte Länge der Außenbahn tragen müssen. Neben Hector auf links scheint auf der rechten Seite der Mittelfeldspieler Can für diese Aufgabe im Vergleich zu Verteidiger Höwedes noch am ehesten geeignet zu sein. Gegen die Slowakei füllte der gestrichene Rudy diese Position aus. Darüber hinaus ist Joshua Kimmich in der Defensive ein Geheimtipp. Er könnte die Position des rechten Außenverteidigers im 4-2-3-1 oder die Halbposition in der Fünferkette bekleiden, denn sein Auftritt gegen die Slowakei war vielversprechend. Der Münchner war aber zuletzt durch eine Erkältung geschwächt.


EM-News über Facebook-Messenger

Sie wollen EM-News über den Facebook-Messenger erhalten? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Service.

So geht’s!

Weitere Themen

„Ich glaube an Wunder“

Eintracht Frankfurt in Basel : „Ich glaube an Wunder“

Die Frankfurter müssen ein 0:3 aus dem Hinspiel in der Europa League in Basel drehen. Unmöglich? Ganz und gar nicht. Sportvorstand Bobic ist ebenso vom Weiterkommen überzeugt wie der Rest der Eintracht.

Bleibt Sancho beim BVB? Video-Seite öffnen

Manchester United ruft : Bleibt Sancho beim BVB?

Es ist mehr als nur eine Sommerloch-Frage, zumindest hier bei Borussia Dortmund: Bleibt der englische Jung-Star Jadon Sancho, oder wechselt er demnächst zu Manchester United? Laut Medienberichten will der englische Klub die Dortmunder von einer Art Ratenzahlung überzeugen, um die 120 Millionen Euro zu bezahlen.

Topmeldungen

Macrons Besuch im Libanon : Von Reue fehlt bislang jede Spur

In Beirut wird Emmanuel Macron wie ein Heilsbringer empfangen. Frankreichs Präsident verspricht Hilfe – und mahnt Reformen an. Doch nichts deutet darauf hin, dass in der Politik des Libanon eine neue Ära beginnt. Am Abend werden 16 Hafenmitarbeiter festgenommen.

Wirtschaftswunder Weiden : Von der Zonengrenze zu „Star Wars“

Weiden galt lange als Oberzentrum einer strukturschwachen Region. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war die Oberpfalz nicht mehr „Zonenrandgebiet“. Mit Corona und Donald Trumps Abzugsplänen droht nun aber neues Ungemach.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.