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EM-Kommentar : Der Bundestrainer wagt viel – und gewinnt

  • -Aktualisiert am

In der Pose des Siegers: Joachim Löw und sein Team stehen im EM-Halbfinale. Bild: AP

Was hatte sich Joachim Löw bei seiner Aufstellung gedacht? Bis zu Italiens Ausgleich geht der Plan auf. Danach wird aus dem Taktikkampf ein Nervendrama – mit dem glücklicheren Ende für Deutschland.

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          Am Ende waren es das Glück und die Nerven, die den Sieger machten – und kein taktischer Masterplan, der den erst taktisch geprägten und dann nervenzerfetzenden Klassiker entschied. In einem epischen Elfmeterschießen mit sieben Fehlschüssen war es Hector, der im neunten und letzten Versuch im Elfmeterschießen traf und Deutschland gegen Italien ins Halbfinale schoss.

          Ein Nervendrama zum Schluss, ein Taktikkampf zuvor. Was hatte sich Löw dabei gedacht, mit Draxler den besten Spieler des Achtelfinals auf die Bank zu setzen und erstmals das Defensivsystem umzubauen? Die Erinnerungen an sein Vabanque-Spiel vor vier Jahren beim 1:2 gegen Italien waren da: ein Trainer, der ein gut funktionierendes System ändert und sich stärker als zuvor am Gegner orientiert.

          Ein Wiederholungszwang, der Löw dazu trieb, der Fußballwelt zu beweisen, dass er doch eine überraschende Lösung gegen ein Topteam finden kann, die am Ende zum Erfolg führt? Sicher ist: Es war zwar eine gewagte, spieltaktisch jedoch defensive Entscheidung. Und bis zum überraschenden italienischen Ausgleich in der 78. Minute ging sein Plan auf.

          Özil hatte in der zweiten Halbzeit die Führung erzielt, die Abwehr stand. Bis Boateng ein rätselhaftes Handspiel im Strafraum unterlief. Bis dahin hatte die Umstellung auf Dreier- beziehungsweise Fünferkette den Vorteil, die brandgefährlichen Konter der Italiener, die sie gegen Spanien gezeigt hatten, völlig zu unterbinden. Die deutsche Defensive war störunanfällig gegen diese Manöver gewesen. Der offensive Preis, den der Weltmeister dafür zahlte, war hoch. Kein Spieler konnte sich vor der Pause in direkten Duellen durchsetzen und für Tempo sorgen, wie es Draxler gegen die Slowakei gelungen war.

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          Und weil durch die Umstellung ein deutscher Spieler in der Zentrale fehlte, besaß Löws Team dort zwar mehr Ballbesitz, aber keine Dominanz, die Torgefahr produziert hätte. Das Ergebnis der Taktik – die im Kern darauf zielte, das Risiko zu reduzieren und irgendwann auf einen eigenen Treffer der Offensivkräfte zu vertrauen – war in der ersten Hälfte bestenfalls gemischt, eher leicht negativ.

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          Vom Ziel, die Italiener schnell knacken zu wollen, waren die Deutschen bis zur Pause weit entfernt. Mit Özils herrlich herausgespielten Treffer in der 65. Minute schien dann alles zu laufen wie geplant. Dann führte Boatengs Missgeschick zum Handelfmeter – und den Klassiker entschied danach kein taktischer Plan mehr. Sondern allein die Unwägbarkeit des Fußballs, auf die Deutschland gegen Italien zum ersten Mal eine Antwort gefunden hatte, als es so spannend darauf ankam wie noch nie.


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          Michael Horeni
          (hor.), Sport

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