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Kader bei Fußball-EM : Wie international sind die Nationalteams wirklich?

  • -Aktualisiert am

22 von 23 Nationalspielern sind in Deutschland geboren Bild: dpa

Für AfD-Politiker Gauland ist die Fußball-Nationalmannschaft „schon lange nicht mehr deutsch“ im „klassischen Sinne“. FAZ.NET hat die Geburtsorte aller EM-Teilnehmer gesucht – und überraschende Entdeckungen gemacht.

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          Die Welt wird immer kleiner. Und Europa wird immer größer. Wer in Deutschland lebt und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, der muss weniger denn je auch in Deutschland geboren sein. Dasselbe gilt für die meisten europäischen Länder, die mehr oder weniger Einwanderungsländer sind. Bei der Fußball-Europameisterschaft, die am kommenden Freitag beginnt, sollten demnach viele Nationalteams auf Spieler bauen, die außerhalb der Landesgrenzen geboren sind. FAZ.NET hat sich auf die Suche nach den Geburtsorten der EM-Teilnehmer begeben und veranschaulicht die Ergebnisse mit Hilfe des Datenvisualisierers Tableau public.

          Und es gibt einige Überraschungen: Weniger als zehn Prozent der 552 Spieler sind außerhalb der jeweiligen Landesgrenzen geboren. Einige dieser Spieler (wegen zwischenzeitlicher Verschiebungen von Landesgrenzen lässt sich die Zahl nicht ganz trennscharf angeben) wurden in ehemaligen Kolonien beispielsweise von früheren Seestreitmächten wie Portugal, Frankreich oder Belgien geboren. Viele Nationalspieler aus Nordirland oder Wales entstammen Familien, die nach England ausgewandert sind, was aufgrund des Vereinigten Königreichs kein Staatswechsel im strengen Sinne ist.

          Klicken Sie sich im Interaktiv durch die einzelnen Teams:

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          Interaktive Karte : Wie international sind die Nationalteams wirklich?

          Stattdessen sind die europäischen Nationalteams viel homogener als womöglich angesichts der aktuellen Debatten über Migration erwartet und auch von Alexander Gauland im aktuellen „Spiegel“ vermutet. „Eine deutsche oder eine englische Fußballnationalmannschaft sind schon lange nicht mehr deutsch oder englisch im klassischen Sinne“, sagt der AfD-Politiker dort.

          Gerade diese beiden Teams bestehen aber erstaunlicherweise trotz langer Einwanderungstradition und im Fall Deutschlands beispielsweise neun Akteuren mit Migrationshintergrund fast ausschließlich aus Spielern, die in den jeweiligen Ländern geboren sind. Lediglich Lukas Podolski wanderte mit seinen Eltern nach der Geburt von Polen nach Deutschland aus. Der in Jamaika geborene Raheem Sterling ist der einzige englische Spieler mit Wurzeln im Ausland. Rumänien hat für die EM sogar ausschließlich Spieler nominiert, die im Land geboren wurden.

          Russland hat sich erst in quasi letzter Minute mit der Einbürgerung des Schalkers Roman Neustädter einen Spieler für den Kader gesichert, der mit Dnjepro einen außerrussischen Geburtsort aufweist. Eine Auswahl wie Island, in der alle Namen auf -son enden, hat wenig überraschend gleichfalls nur einen Geburtsort aufzuweisen, der außerhalb der Staatsgrenzen liegt. Dafür reist Island mit einer Besonderheit nach Frankreich: Kein einziger Spieler bestreitet im Ligaalltag in seinem Heimatland Spiele.



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