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Sieg im EM-Achtelfinale : „England erwacht aus dem deutschen Albtraum“

  • -Aktualisiert am

Harry Kane trifft erstmal bei dieser EM, England ist im Viertelfinale. Bild: EPA

Die Nervosität war immens. Doch England besiegt Deutschland und wird sein Trauma los. Die Safety-First-Variante des Trainers geht auf. Nun sehen die Engländer eine große Chance auf den EM-Titel.

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          Die Nervosität war in England vor dem EM-Achtelfinale gegen Deutschland überall zu spüren. Zeitungen und Fernsehprogramme erinnerten tagelang an vergangene Duelle der beiden Fußballnationen, in denen die Engländer den Kürzeren zogen. Das letzte Mal hatten sie Deutschland im Finale der Weltmeisterschaft 1966 in einem K.o.-Spiel besiegt, vor sage und schreibe 55 Jahren. Deutschland, der Endgegner.

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          Die überwiegend junge englische Mannschaft betonte dagegen: Ja, wir verstehen die historische Bedeutung und dass es für die Fans kein Spiel wie jedes andere ist, aber wir schreiben hier unsere eigene Geschichte. Bei der EM 1996, als England im Halbfinale gegen Deutschland im Elfmeterschießen verlor, war die Hälfte des englischen Kaders noch nicht geboren. Die Mission ist ihnen geglückt. Am Dienstagabend besiegten sie Deutschland vor rund 42.000 Fans im Wembley-Stadion 2:0 – und stehen verdient im Viertelfinale.

          „Englands Nacht des Ruhmes“, titelte am Morgen danach der Mirror. Die Times schrieb, England sei endlich aus seinem „deutschen Albtraum“ erwacht. Und das Boulevardblatt Daily Express versicherte seinen Lesern: „Nein, es war kein Traum – wir haben wirklich gegen Deutschland gewonnen!“

          Southgates Variante wird belohnt

          Englands Trainer Gareth Southgate war gegen die DFB-Auswahl von seiner erprobten 4-2-3-1-Formation abgewichen und schickte seine Mannschaft in einem vorsichtigen 3-4-2-1-System auf den Rasen. Drei Innenverteidiger, davor zwei defensiv eingestellte Mittelfeldspieler sowie links und rechts von der Dreierkette zwei Außenverteidiger, die in Ballbesitz in die Offensive aufrückten.

          Southgate hatte mit einem starken Gegner gerechnet und sich deshalb für eine Safety-First-Variante entschieden. Das gefiel vor dem Anstoß nicht jedem, zumal der englische Kader vor allem in der Offensive mit Spielern auf absolutem Topniveau besetzt ist. Den zahlenmäßig spärlich besetzten Angriff bildeten Mittelstürmer Harry Kane, der bis zu seinem Treffer zum 2:0 bei der EM noch nicht getroffen hatte; links von ihm spielte Raheem Sterling, dessen Tor zum 1:0 sein drittes im Turnier war, und auf der rechten Seite der erst 19 Jahre alte Bukayo Saka.

          Die bei den Fans beliebten Kreativspieler Phil Foden, Jack Grealish und Mason Mount saßen dagegen zunächst nur auf der Bank, wobei Grealish nach seiner Einwechslung Mitte der zweiten Halbzeit eine starke Leistung zeigte – er war an beiden Toren beteiligt. „Wenn du als Trainer die Formation änderst und bestimmte Spieler anstelle von anderen auswählst und es geht schief, bist du tot“, sagte Southgate hinterher. Doch sein Mut, sich dem öffentlichen Ruf nach mehr Offensivdrang zu widersetzen, wurde belohnt.

          England war schon in allen drei Gruppenspielen gegen Kroatien, Schottland und Tschechien ohne Gegentor geblieben. Und auch Deutschland brachte am Dienstag keinen Treffer zustande, auch wenn Timo Werner in der ersten sowie Kai Havertz und Thomas Müller in der zweiten Halbzeit gute Chancen hatten.

          45.000 Zuschauer waren im Wembleystadion zugelassen. Bilderstrecke
          Die besten Bilder des Spiels : Royale Gäste und Hochspannung

          Die BBC schrieb, der Sieg über Deutschland sei Southgates bislang größter und wichtigster Erfolg als England-Trainer – trotz des Einzugs ins Halbfinale bei der WM 2018. Die Mannschaft habe im bisherigen Turnier zwar noch nicht wirklich gefunkelt, „aber sie sind Experten darin, den Job zu erledigen“. Auch gegen Deutschland waren sie zwar nicht drückend spielerisch überlegen, aber sie nutzten ihre Chancen effizienter.

          Für England ist es eine große Gelegenheit, den ersten Titel seit der WM 1966 zu gewinnen. Denn in den nächsten Runden warten nominell schwächer besetzte Gegner: Im Viertelfinale treffen die Engländer am Samstag in Rom auf die Ukraine, in einem möglichen Halbfinale auf Tschechien oder Dänemark.

          Beide Halbfinals und das Endspiel finden außerdem in London statt, der Heimvorteil wäre also auf ihrer Seite, sollten sie so weit kommen. „England wird nie wieder eine bessere Gelegenheit haben, eine Europameisterschaft zu gewinnen“, sagte der frühere Nationalspieler Alan Shearer.

          „Jede Mannschaft hat gesehen, wie gefährlich wir sind“, sagte Kapitän Harry Kane nach dem gewonnenen Achtelfinale – und richtete den Blick gleich auf das nächste Spiel: „Wir können stolz auf uns sein. Aber wir wollen hier nicht aufhören.“

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