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DFB-Team : Der deutsche Zauber ist zurück

  • -Aktualisiert am

Zwei prägende Figuren: Julian Draxler (links) und Jerome Boateng. Bild: AFP

Deutschland präsentiert sich als Team ohne Schwachpunkte, das in dieser Verfassung jeder Gegner fürchten muss. Mit dem EM-Viertelfinale wird nun die Rolle von Joachim Löw noch stärker als bisher in den Fokus rücken.

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          Falls die Deutschen eine kleine Warnung gebraucht haben sollten – die Franzosen hatten sie geliefert. Dass sich das Team des Gastgebers am Sonntag nach 0:1-Rückstand noch 2:1 gegen Irland durchsetzte, war zwar allemal verdient, aber eben auch ein Beispiel dafür, wie schwer es sein kann, ein Spiel in die richtigen Bahnen zu lenken, wenn es erst einmal die falsche Richtung eingeschlagen hat. Mit etwas weniger Fortune hätte die Grande Nation nach dem Achtelfinale als der große Verlierer dieser Europameisterschaft dastehen können.

          Insofern taten die Deutschen gut daran, sich derartige Anlaufschwierigkeiten gegen die Slowakei zu ersparen. Und wie ihnen das gelang, machte mächtig Eindruck – nicht nur wegen des frühen Knalleffekts durch Boatengs Führungstor. Nachdem Joachim Löws Team zuletzt gegen Nordirland Chancenwucher betrieben hatte, saß diesmal schon der erste Schuss. Was folgte, war ein rundum inspirierter und wuchtiger Auftritt, an dem sich allenfalls bemängeln ließ, dass auch diesmal Aufwand und Ertrag lange in keinem guten Verhältnis standen.

          Das sollte sich bessern, wenn diese EM nun in eine neue Phase eintritt. Egal, ob Spanien oder Italien der Gegner sein wird am Samstag in Bordeaux – vom Viertelfinale an warten die schweren Brocken. Die Deutschen können sich deren Gipfeltreffen an diesem Montag aber in dem guten Gefühl anschauen, nicht nur eine tragfähige Basis geschaffen, sondern auch schon sehenswerte Verzierungen angebracht zu haben.

          Die Stimmung bei den bunten deutschen Fans war bestens vor der Partie. Bilderstrecke
          Das Spiel in Bildern : Ein bunter Abend in Lille

          Das Fundament bildet eine Abwehr, die auch nach dem vierten Spiel noch ohne Gegentor dasteht. Selbst wenn es Neuers Extraklasse brauchte, um kurz vor dem 2:0 den Ausgleich zu verhindern: Es machte Freude zu sehen, wie sich auch Feingeister wie Özil und Draxler nicht zu schade waren, hinter Ball und Gegner herzujagen.

          Überhaupt war Draxler der Gewinn des Tages für Löws Team, und das längst nicht nur wegen seines Tores. Es wirkte, als habe der Bundestrainer ihm mit auf den Weg gegeben, er solle mal so richtig auf die Tube drücken, um sein Tempo und seine Dynamik zur Geltung zu bringen. So, wie Draxler zu Werke ging, voller Tatendrang und Selbstbewusstsein, und dabei mit den Kollegen ein unwiderstehliches Spiel der Kombinationen und Variationen aufzog, wurde Götze nicht vermisst.

          Dessen Herausnahme ließ sich als Zeichen über das Achtelfinale hinaus verstehen: Löw machte deutlich, dass er Kredit nicht unbegrenzt vergibt. Es gibt kaum einen Spieler, über den der Bundestrainer regelmäßig in derart hohen Tönen spricht, eigentlich spielt sonst nur Özil bei Löw in derselben Kategorie. Aber es braucht eben auch Gegenleistung. Und die stimmte bei Götze zuletzt nicht.

          Mit dem Viertelfinale wird nun Löws Rolle noch stärker als bisher in den Fokus rücken. Bis jetzt war vor allem Trainerhandwerk gefragt, nun aber kommen die wichtigen Strategie- und Personalentscheidungen. Zum Beispiel, ob Schweinsteiger noch eine Rolle von Belang spielen soll bei diesem Turnier. Und auch, ob er der offensiven Verteidigung mit Kimmich weiter vertraut. Der Münchner spielte gut, geriet aber hin und wieder unter Druck. Die Antwort auf die Stürmerfrage hingegen kann nur weiter Gomez heißen. So wie auch er brachten alle Deutschen gegen die Slowakei ihre Stärken ziemlich prächtig ein – was in der Summe ein Team ohne Schwachpunkte ergab, das in dieser Verfassung jeder Gegner fürchten muss.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

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