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Verletzung im EM-Halbfinale : Wieder Muskelbündelriss bei Boateng

  • Aktualisiert am

Bis zum Saisonstart mit dem FC Bayern soll Jerome Boateng wieder fit sein. Bild: Reuters

Schon im Januar hatte sich Jérôme Boateng schwer verletzt und wurde erst kurz vor der EM fit. Im Halbfinale humpelte er wieder vom Platz. Nun liegt die Diagnose vor.

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          Jérôme Boateng hat sich beim EM-Aus mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Halbfinale gegen Frankreich einen Muskelbündelriss im rechten Oberschenkel zugezogen. Dies teilte der FC Bayern am Samstag nach einer eingehenden Untersuchung in München mit. Der Saisonstart sei für den 27-Jährigen aber nicht in Gefahr, hieß es weiter. Der deutsche Rekordmeister bestreitet am 26. August daheim gegen Werder Bremen das Auftaktspiel der neuen Bundesliga-Saison.

          Boateng hatte sich seine Verletzung am Donnerstag in Marseille bei der 0:2-Niederlage gegen Frankreich zugezogen. Der Innenverteidiger war in der zweiten Halbzeit nach einem langen Pass humpelnd vom Platz geführt worden. Eine Einwirkung eines Gegenspielers lag nicht vor. In der Vorrunde hatte er seit dem Nordirland-Spiel unter Problemen in der Wade gelitten, die seine Einsätze im Vorfeld der Spiele unsicher machten. Boateng aber lief jeweils auf und erzielte im Achtelfinale gegen die Slowakei sogar ein Tor.

          Bereits im Januar hatte sich Boateng schwer verletzt. Zum Start in die Bundesliga-Rückrunde Ende Januar musste er beim ersten Spiel beim Hamburger SV ausgewechselt werden. Damals zog er sich ebenfalls einen Muskelbündelriss zu im Adduktorenbereich. Zunächst war ungewiss, ob er bis zur EM wieder fit wird. Der Abwehrspieler gab Ende April am 32. Spieltag im Bundesliga-Spiel gegen Mönchengladbach sein Comeback und spielte ein starkes Turnier in Frankreich – bis zur Auswechslung im Halbfinale gegen den Gastgeber.

          Das Final-Erlebnis am TV ruft derweil bei Thomas Müller und Co. keine größere Begeisterung hervor. Statt selbst auf dem Rasen des Stade de France zu stehen, bleibt den deutschen Nationalspielern beim Endspiel am Sonntag (21.00 Uhr / Live in der ARD und im EM-Ticker bei FAZ.NET) in Saint-Denis nur die leidvolle Zuschauerrolle. Für Bundestrainer Joachim Löw steht der neue Fußball-Europameister ohnehin schon fest: „Ich denke, dass Frankreich gegen Portugal gewinnt. Die Portugiesen haben bisher noch nicht überzeugt“, sagte der Bundestrainer nach dem bitteren Halbfinal-Aus in Marseille.

          München : DFB-Präsident Grindel ist zuversichtlich, dass Löw bleibt

          Wie lange das 0:2 gegen den Gastgeber bei Löw und seinen Spielern noch nachwirken wird, ist unklar. „Das ist schwierig zu beantworten“, sagte Löw. Seine Zurückhaltung bei den Fragen um seine eigene Zukunft hat Fans, Spieler und auch die DFB-Spitze etwas irritiert. Und auch die Aussagen von Verbandspräsident Reinhard Grindel sorgten nicht weiter für Klarheit. „Ich persönlich und wir alle beim DFB sind zuversichtlich, dass das geschehen wird“, sagte der DFB-Boss zum erhofften Verbleib.

          Löw brauche eine gewisse Auszeit, bevor er das Turnier insgesamt und auch seine eigene Situation analysieren werde, meinte Grindel: „Es gibt nichts zu spekulieren und nichts zu interpretieren, sondern nur zu akzeptieren, dass der Bundestrainer bittet, ein paar Tage Ruhe zugebilligt zu bekommen.“ Das Szenario ist nicht neu: Nach dem Halbfinal-K.o. vor vier Jahren, der von einer heftigen Debatte um die Fehler des Bundestrainers begleitet war, brauchte Löw einige Zeit bis zum klaren Bekenntnis. Und auch nach dem WM-Triumph vor zwei Jahren in Brasilien hatte der Freiburger einige Tage verstreichen lassen, bevor er offiziell den Verbleib in seinem Job bestätigte.


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          Insofern ist das Warten auf das aktuelle Signal von Löw keinerlei Hinweis, dass er seinen bis zur Weltmeisterschaft 2018 laufenden Vertrag entgegen aller Erwartungen nicht erfüllen könnte. Während der langen Frankreich-Tour hatte Verbandsboss Grindel sogar mehrfach betont, dass er Löw auch über die bisherige Vertragslaufzeit hinaus für den am besten geeigneten Mann hält. „Ich erlebe, dass er sich mit seinem Stab intensiv austauscht und immer wieder einzelne Dinge entwickelt. Er arbeitet gerne im Team und ist alles andere als beratungsresistent“, hatte der DFB-Präsident als enger Begleiter des Teams in Frankreich betont.

          Bis zum Start in die neue Länderspielsaison am 31. August in Mönchengladbach gegen Finnland ist noch Zeit. Die Qualifikation für die WM 2018 in Russland startet für die Weltmeister vier Tage später in Oslo gegen Norwegen.

          EM-Halbfinale : Jubel in Frankreich - Enttäuschung bei den deutschen Fans

          Erst in den kommenden Wochen wird sich auch entscheiden, ob Kapitän Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski (beide 31) einen neuen Titel-Anlauf mit der DFB-Auswahl starten. „Wir haben mit den Spielern über so was noch nicht gesprochen. Es ist immer nach so nach einer intensiven Phase, da braucht jeder erstmal Zeit und Abstand. Dann schauen wir weiter“, erklärte Teammanager Oliver Bierhoff.

          Mittelfeldspieler Toni Kroos sieht auch nach dem verpassten Finale keine Gründe, an den Möglichkeiten und der Stärke der deutschen Nationalmannschaft zu zweifeln. „Wir haben uns auch in Frankreich als Mannschaft gut gesteigert, aber leider müssen wir nach dem besten Spiel von uns nach Hause fahren. Das ist halt Fußball“, betonte der Champions-League-Sieger von Real Madrid.

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