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Länderspiel findet statt : Die richtige Entscheidung

Das DFB-Team spielt auch am Dienstag – trotz der Terror-Anschläge in Paris. Bild: dpa

Nur vier Tage nach dem Terror von Paris spielt das DFB-Team wieder. Das ist gut und richtig so – damit nicht die Feinde der Freiheit entscheiden, wie wir leben, lieben und spielen. Ein Kommentar.

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          Natürlich muss das Leben weitergehen. Und damit auch der Sport. Es muss ja nicht immer gleich am nächsten Morgen sein. Während sich 1972 die Organisatoren der Olympischen Spiele zunächst nicht einmal einen Tag der Trauer und des Innehaltens nach den Morden an israelischen Sportlern gestatten wollten, wird nach der Pariser Kriegserklärung gegen die Freiheit vier Tage später wieder der Ball rollen.

          Das ist gut und richtig so. Die Franzosen ließen schon am Tag nach den Terroranschlägen keinen Zweifel daran, dass sie an diesem Dienstag in England spielen werden. Und der Cheforganisator der Europameisterschaft, die vom 10. Juni bis 10. Juli in Frankreich stattfinden soll, hat am Sonntag eine Absage des Turniers für ausgeschlossen erklärt.

          Weitermachen. Das ist seit jeher ein sportlicher Grundsatz. Er ist aber auch zu einer Übung geworden, die offene Gesellschaften im Umgang mit dem Terror in Jahrzehnten mittlerweile gelernt und verinnerlicht haben. Warum der Deutsche Fußball-Bund etwas länger brauchte, um sich auch endgültig dafür zu entscheiden, nach dem Trauerspiel im Stade de France am Dienstag gegen Holland in Hannover zu spielen, ist eine Frage, die nichts zur Sache tut.

          Auch die in manchen Medien tatsächlich schon einsetzende Kritik, dass sich deutsche Nationalspieler nicht für Interviews zur Verfügung stellen, um über das Grauen zu sprechen, weil sie lieber bei ihren Lieben sein wollen und erschöpft sind, verkennt Ursache und Wirkung.

          Das Testspiel am Dienstag zwischen Deutschland und den Niederlanden findet in Hannover statt.
          Das Testspiel am Dienstag zwischen Deutschland und den Niederlanden findet in Hannover statt. : Bild: Picture-Alliance

          Und wichtig ist nur, dass gespielt wird. Dass ist die einzige und entscheidende Antwort, die der Sport und die Sportler in diesen Tagen geben können. Damit nicht die Feinde der Freiheit entscheiden, wie wir leben, lieben und spielen. Alles andere wissen wir selbst.

          Das Risiko spielt nun mit im Fußball – wie auch bei allen anderen sportlichen Großereignissen. So wie wir in den vergangenen fünfzehn Jahren verstehen mussten, dass es ein tödliches Risiko sein kann, ein Flugzeug, einen Zug und eine U-Bahn zu besteigen, haben wir nun bitter bestätigt bekommen, was viele schon lange ahnten und kommen sahen: dass auch in Sportstadien die terroristische Gefahr lauert. Wie in Konzertsälen, Restaurants und Cafés. Im Sport zählt nun vor allem der Fußball mit seinen vielen massenwirksamen Ereignissen zu den sogenannten „weichen“ Zielen. Ein Sprengstoffattentat während eines Länderspiels mit Liveübertragung – das war wohl schon in Paris ein Ziel der Terroristen.

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          Unter den Spielern in dieser schwarzen Nacht hat Lassana Diarra den schwersten Verlust zu tragen. Seine Cousine, die für ihn wie eine große Schwester gewesen sei, gehörte zu den Todesopfern der Anschläge. Im Klima des Terrors, so nun Diarras Botschaft, sei es wichtig für alle, die das Land in seiner Vielfältigkeit repräsentierten, das Wort zu ergreifen und vereint zu bleiben gegen den Horror, der weder Farbe noch Religion habe.

          „Lasst uns zusammen die Liebe verteidigen, den Respekt und den Frieden“, schrieb Diarra in den sozialen Netzwerken. Für alle anderen Stars im Fußball reicht es schon, wenn sie einem bekannten Beckenbauer-Wort nun eine neue und tiefe Bedeutung verleihen: „Geht raus und spielt!“

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          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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