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Hotel Ermitage in Evian : So wohnt das DFB-Team bei der EM

  • Aktualisiert am

Hier residiert der Weltmeister: das „Ermitage“ über Évian-les-Bains. Bild: AFP

Évian-les-Bains ist für sein Bergquellwasser berühmt. Nun kommt das DFB-Team und bezieht am Genfer See sein EM-Quartier. Bei der Wahl des Hotels hatte auch der Bundestrainer genaue Vorstellungen.

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          Den Hit „Smoke on the Water“, der von Rauchwolken am Genfer See erzählt, kennen die Spieler der Fußball-Nationalmannschaft höchstens als Rock-Klassiker. Noch keiner von ihnen war geboren, als 1971 das Casino in Montreux gebrannt hatte: Die Rauchschwaden inspirierten die Band Deep Purple zu einem der bekanntesten Riffs der Musikgeschichte. Während der Europameisterschaft haben Schweinsteiger & Co vom Mannschafts-Hotel freien Blick über dem See. Im „Ermitage“ über Évian-les-Bains sind der in Frankreich Lac Léman genannte See und die Berge drumherum als Kulisse inklusive.

          Für das DFB-Team, von dem auch die Hotel-Equipe nur als „die Mannschaft“ spricht, hat Thomas Schneider das Haus inmitten voralpiner Ruhe entdeckt. Der Assistent von Bundestrainer Joachim Löw kennt das Hotel von seinen viele Reisen und schlug es Teammanager Oliver Bierhoff vor. Bierhoff hat klare Prioritäten: „Es ist wichtig, eine kleine Oase zu haben. Wir haben das Hotel exklusiv für uns. Es liegt hoch, hat eine schöne Weite und gutes Licht.“ Das sieht auch Trainer Löw so: „Die Mannschaft braucht eine gewisse Ruhe und eine gewisse Abgeschirmtheit.“

          Damit können das „Ermitage“ und Évian-les-Bains dienen. Der Ort mit knapp 8000 Einwohnern auf der französischen Seite des Genfer Sees liegt weitab der quirligen Fußballzentren. Vorn der See, hinten die Berge, nach rechts und links kleine Landstraßen zu kaum größeren Orten. Im Westen liegt Genf 45 Kilometer entfernt, was in dieser Gegend einer Autostunde entspricht. Gegenüber ist nach einigen Seekilometern Lausanne zu sehen, auch Richtung Osten kommt schon bald die Grenze zur Schweiz und dann irgendwann Montreux.



          Wer in Évian-les-Bains einfach ein Wasser bestellt, riskiert einen fragenden Blick der Bedienung. Hier ist alles irgendwie Evian. Der Ort hat dem bekannten Bergquellwasser seinen Namen gegeben. Die ursprünglich Sainte-Catherine genannte Quelle Cachat entstammt dem benachbarten Bergmassiv. Was im Rest des Landes und weltweit oft teuer bezahlt werden muss, plätschert in Évian-les-Bains rund um die Uhr in einen kleinen Brunnen. Die Einwohner aus der Gegend und Touristen kommen oft im Minutentakt hierher, um Taschen voller leerer Flaschen neu zu füllen.

          Von hier sind es zu Fuß 20 sehr steile Minuten hinauf zum „Ermitage“. Auch das DFB-Hotel gehört zum Wasserkonzern. Manager Yannick Le Hec und sein Team sehen sich als Experten auch für sportliche Gäste. Ein großes Golfturnier ist hier angesiedelt, andere internationale Fußballteams waren hier bereits zu Gast. „Wir haben viel Erfahrung mit solchen speziellen Situationen“, sagt Le Hec. 2003 trafen sich hier Staats- und Regierungschefs zum G8-Gipfel.

          Eines der diskret behandelten Themen ist Sicherheit. Jenseits des riesigen Parkgeländes des Hotels sind ohnehin französische Polizisten, Gendarmen und Spezialkräfte zuständig. Die 83 Zimmer und Suiten des „Ermitage“, sonst für bis zu 1000 Euro die Nacht zu haben, sind komplett für das DFB-Team geblockt. Zum ebenfalls reservierten Trainingsplatz sind es nur wenige hundert Meter.

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          Hohe Hecken und die Hanglage erlauben kaum ungewollte Blicke auf das idyllische Gelände mit Pool, Teich, Insektenstöcken oder Pétanque-Bahn. Bei weniger Zeit steht in der Nachbarschaft der Hubschrauber-Landeplatz neben dem per Holzbrücke zu erreichenden Schwesterhaus bereit, dem noch luxuriöseren „Hôtel Royal“.

          Im 2012 komplett renovierten Vier-Sterne-Haus am grünen Hang soll vieles im Einklang stehen mit Natur und Umgebung. Die langen Flure des Hotels wirken wie gewundene Stege, in den Bädern von Zimmern und Suiten sind zwischen Natursteininterieur regionale Produkte zu finden – wenn der atemberaubende Blick über die Badewanne auf den See nicht zu sehr ablenkt. Im entspannt wirkenden Ambiente des „Ermitage“ stellt sich das eigens für die DFB-Elf zusammengestellte Team auf eine möglichst lange Zeit mit den Fußballern ein. „Wir hoffen bis zum Endspiel“, sagt Manager Le Hec, „dann am liebsten gegen Frankreich – das wünschen wir uns jedenfalls. Es wäre eine tolle Geschichte für alle Beteiligten.“

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          Die Team-Quartiere der 24 EM-Teilnehmer

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft folgt mit ihrer Quartierwahl in Evian-les-Bains am Genfer See nicht dem Trend vieler anderer EM-Teilnehmer. Die meisten Teams zieht es für das Turnier entweder in den Großraum der Hauptstadt Paris oder an eine der französischen Küsten. In der Alpenregion wohnen neben Bastian Schweinsteiger und Co. nur noch die Isländer.

          In und um Paris:

          England: Chantilly
          Frankreich: Clairfontaine
          Irland: Versailles
          Portugal: Linas-Marcoussis
          Rumänien: Orry-la-Ville
          Russland: Croissy-Sur-Seine

          Mittelmeer-Region:

          Italien: Montpellier
          Österreich: Mallemort
          Schweiz: Montpellier
          Türkei: Saint-Cyr-sur-Mer
          Ukraine: Aix-en-Provence
          Ungarn: Tourettes

          Atlantik-Küste:

          Belgien: Bordeaux/Le Plan Médoc
          Polen: La Baule
          Schweden: Saint-Nazaire
          Spanien: Saint-Martin-de-Ré

          Bretagne/Normandie:

          Albanien: Perros-Guirec
          Kroatien: Deauville
          Wales: Dinard

          Alpen:

          Deutschland: Evian-les-Bains
          Island: Annecy

          Landesinnere:

          Nordirland: Saint-Georges-de-Reneins
          Slowakei: Vichy
          Tschechien: Tours

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