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Nationalteam und DFB-Affäre : Nichts hören, nichts sagen – nur spielen

„Jetzt ist unsere Priorität probieren“: Bundestrainer Joachim Löw. Bild: dpa

Der DFB steckt gehörig in der Bredouille: Die Helden des Nationalteams tun aber so, als ginge sie das nichts an. Und Trainer Löw will erst jetzt etwas von Aufklärung wissen. Was zählt, ist das Kumpel-Prinzip.

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          Thomas Müller leistet sich eine eigene Meinung. Und für einen lockeren, witzigen und mitunter sehr treffenden Spruch ist er immer zu haben. Es ist sogar so, dass der Torjäger zu manchen Gepflogenheiten seiner Branche auf Distanz geht und sich dem Geschäft nicht mit Haut und Haaren verschreiben mag.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Vor dem Länderspiel gegen Frankreich (21.00 Uhr / Live in der ARD und im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET) saß der Stürmer auf der Pressekonferenz der Nationalelf, einen Tag nach dem Rücktritt von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Es hätte viel zu sagen gegeben. Über den Sumpf, in dem die großen Verbände seit Monaten und Jahren stecken, und nun auch der Deutsche Fußball-Bund.

          Aber selbst Müller, ein selbstbewusster, wortgewandter und mitunter auch skeptischer Profi, tat so, als gingen ihnen die Verwerfungen in seinem Sport nichts an: „Ich kann als Spieler zu den Dingen, die im Hintergrund passieren, nichts sagen. Ich bin da nicht eingeweiht und werde einen Teufel tun, dazu etwas zu sagen. Sonst stehe ich morgen in der Zeitung.“ Er wolle sich lieber auf die sportliche Aufgabe an diesem Freitag konzentrieren. „Wir sind als Fußballer Unterhalter. Wir sind dazu da, die Leute glücklich zu machen.“

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          Auch Ilkay Gündogan, der sich als Profi für soziale Projekte engagiert und den die Flüchtlingskrise weit mehr beschäftigt als die Fußballkrise, wird dennoch ziemlich sprachlos, wenn es um den Skandal in seinem Verband geht. „Für uns als Mannschaft spielt das in diesen Tagen keine Rolle. Ich konnte das relativ gut von mir fernhalten“, sagte der Dortmunder gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auch Funktionäre sollten Vorbilder sein, aber „über solche Dinge Statements abzugeben ist auch nicht die Aufgabe von uns Spielern, dafür sind andere zuständig.“ Warum eigentlich?

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          Es hätte vermutlich enorme Wirkung auf Fans und Öffentlichkeit, auf die gesamte Fußballszene, wenn sich auch einmal kluge und verantwortungsvolle Spieler dafür zuständig fühlten, was an der Spitze ihres Sports geschieht. Und sich entsprechend äußern. Tatsächlich aber lautet das Motto der Stars und Superstars: Nichts hören, nichts sagen - nur spielen. Da können ihre obersten Funktionäre von Joseph Blatter bis Michel Platini sowie zahlreiche gesperrte „Regierungsmitglieder“ von Fifa und Uefa dem Fußball nun schon seit Jahren schaden, wie sie wollen.

          Wut? Empörung? Enttäuschung? Trauer? Nichts davon ist zu spüren oder zu hören. Die Helden des Spiels tun so, als wäre es gar nicht ihr Spiel, um das es in diesen Tagen geht. Als ginge sie der Sumpf, in dem ihr Sport steckt, einfach nichts an. Und als könnten sie auch nichts anderes tun, als immer nur zu schweigen über unhaltbare Zustände. Vorbilder, die den Mund aufmachen, muss man im Profifußball mit der Lupe suchen.

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          Joachim Löw fiel in der Affäre, als sie den DFB erreichte, zunächst dadurch auf, dass er kritisierte, wie „undifferenziert“ teilweise berichtet werde. Er sei sicher, dass „die offenen Fragen geklärt werden“ und Niersbach derjenige sei, der diesen „Prozess persönlich vorantreibt“. Auf sein Wort sei „zu hundert Prozent Verlass“. Nachdem die Staatsanwaltschaft zuschlug, Beweise auf dem Tisch liegen und die Verstrickung des DFB-Präsidenten in die Vorgänge um das Sommermärchen nicht mehr zu leugnen ist, sagte der Bundestrainer auf der Abschlusspressekonferenz vor der Partie gegen den EM-Gastgeber an diesem Freitag nur noch, dass er Niersbach „menschlich verbunden“ sei.

          Er wünsche sich nun eine „schnelle, klare und umfangreiche Aufklärung“. Und man habe „kurz“ mit der Mannschaft über dieses Thema gesprochen. Ansonsten ging es um Fußball: „Wir freuen uns auf die beiden Spiele, die wir jetzt haben: Frankreich und Holland. Frankreich ist eine Mannschaft, die eine unheimliche Dynamik ausstrahlt und im nächsten Jahr zu den Topfavoriten zählt. Deswegen hat das Spiel für uns eine besondere Brisanz. Aber für uns ist die Vorbereitung zur EM entscheidend. Jetzt ist unsere Priorität: probieren.“

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          Löw ist nur ein prominentes Beispiel unter den vielen herausragenden sportlichen Repräsentanten, die von Aufklärung und Verantwortung über die Vorgänge in ihrem eigenen und in anderen Verbänden bis zuletzt nichts oder nicht viel wissen wollten. Ähnlich wie der Bundestrainer haben sich auch ansonsten die meisten Repräsentanten des Profifußballs in der „Causa DFB“ geäußert. Für den früheren Bundestrainer Rudi Völler ist Niersbach nur ein „Bauernopfer“ – obwohl er den Verband jahrelang auf höchster Ebene führte, erst als DFB-Generalsekretär mit oberster Personalverantwortung, dann als Präsident.

          Und der frühere Nationalmannschafts-Kapitän Karl-Heinz Rummenigge forderte als Vorstandsvorsitzender des FC Bayern umgehend einen „sensibleren Umgang“ ein, als nun der frühere Teamchef und Doppel-Weltmeister Franz Beckenbauer in den Blickpunkt der Affäre rückte. Dabei hatte DFB-Interimspräsident Rainer Koch den Kaiser nur gefordert, sein Schweigen zu brechen.

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          Die einzige Ausnahme unter den Stars von heute und gestern, die im Beschönigen und Beschwichtigen nicht zur Hochform auflaufen, ist Oliver Bierhoff. Die Verwerfungen bei der Fifa hatten Bierhoff schon vor Monaten aufgeschreckt, und auch die Ereignisse rund um den DFB hätten ihm zuletzt „manchmal Sorgen“ gemacht, wie Bierhoff am Dienstag öffentlich sagte. Immerhin.

          Und der frühere Nationalmannschafts-Kapitän, der in seiner Karriere auch selbst immer wieder Ablehnung aus der Profi-Branche zu spüren bekam, nur weil er Dinge anders sah und anders machte, fordert als einziger führender Manager, dass sich der Fußball künftig „so aufstellen muss, wie es bei Unternehmen und politischen Einrichtungen“ heute üblich sei: „Dass man noch Dinge an der Bar regelt, diese Kumpelei im Fußball geht nicht mehr.“ Ein zarter Anfang, mehr nicht. Die Größen der Fußballbranche zeigen jeden Tag, wie weit der Weg noch ist, um aus dem Fußball ein Geschäft zu machen, das jenseits des Rasens nicht nach eigenen Regeln funktioniert.

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