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EM-Testspiel gegen Lettland : Sieben deutsche Tore für die gute Laune

Die deutschen Spieler hatten Spaß beim Testspiel gegen Lettland. Bild: EPA

Die Nationalelf nimmt Lettland bei der EM-Generalprobe mit Vergnügen auseinander. Die Offensive überzeugt mit vielen Varianten, doch Torwart Neuer ärgert sich im 100. Länderspiel über ein Gegentor.

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          Lettland und Frankreich, hatte Joachim Löw gesagt, „ist schon ein Unterschied“. Das ist in jeder Hinsicht unbestreitbar, aber gerade deshalb stellt sich ja die Frage, über die nun in den nächsten Tagen kräftig diskutiert werden kann: Wie viel vom deutschen Team gegen Lettland könnte auch in dem gegen Frankreich stecken?

          Fußball-Länderspiele
          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Am Montagabend, bei ihrem letzten Test vor der Europameisterschaft, lief die Fußball-Nationalmannschaft in einer Formation auf, die ein paar spannende Details beinhaltete. Zum einen, weil Löw darin Thomas Müller und Kai Havertz gemeinsam unterbrachte, zum anderen, weil Joshua Kimmich aus der Mittelfeldzentrale auf die offensive rechte Außenposition in der Dreier- beziehungsweise Fünferkette wechselte. Im Ergebnis brachte das in Düsseldorf vor 1000 Zuschauern ein süffiges 7:1, gegen einen Gegner allerdings, der wie auf dem Tablett serviert kam.

          Robin Gosens (19. Minute), Ilkay Gündogan (21.), Thomas Müller (27.), Kai Havertz (39.), dessen Versuch von Robert Ozols ins eigene Tor gelenkt wurde, und Serge Gnabry (45.) schossen schon vor der Pause eine 5:0-Führung für das deutsche Team heraus. Danach legte der eingewechselte Timo Werner (50.) nach, Aleksejs Saveljevs verkürzte mit dem ersten Torschuss der Letten (75.), ehe Leroy Sané umgehend für den Endstand sorgte (76.). „Es hat sich schon gut angefühlt heute auf dem Platz“, sagte Müller beim TV-Sender RTL. „Aber Natürlich wissen wir, dass Frankreich eine andere Hausnummer ist als Lettland.“

          Keine Erkenntnisse bei Kimmich

          Bei aller Einschränkung, dass es gegen den Hundertdreiundachtzigsten der Weltrangliste ging und nicht den Weltmeister: Havertz, der Siegtorschütze für den FC Chelsea im Champions-League-Finale, betrieb auch im Nationaltrikot rundum Werbung in eigener Sache, dem agilen Müller gelang sein erster Treffer seit März 2018.

          Kimmich hingegen wirkte ein wenig verloren auf der Außenbahn, auch wenn ihn die Kollegen immer wieder mit Zuspielen bedachten – die prägende Rolle, die er für sich reklamiert, konnte er zumindest gegen die Letten nicht besetzen, defensiv war er nicht gefordert, so dass es dazu keine Erkenntnisse gab. Als Randfigur jedenfalls sieht Kimmich sich aus guten Gründen nicht, und so steht für Löw eine schwierige und zugleich sehr wichtige Entscheidung an.

          Ein unumstrittener Hauptdarsteller am Montag war Manuel Neuer, wenn auch nicht ganz in der erwünschten Form. Es war das 100. Länderspiel für den Kapitän, der vor dem Anpfiff durch ein Spalier der Kollegen unter Applaus von allen Seiten den Platz betrat. Zu tun bekam Neuer dann lange nichts – bis der Schuss von Saveljevs zum zwischenzeitlichen 6:1 an ihm und seinen neuen Spezialhandschuhen vorbei ins Tor sauste. „Es ist unglaublich für mich, dass ich jetzt dreistellig bin“, sagte Neuer.

          An diesem Dienstag reist das Team weiter ins EM-Quartier nach Herzogenaurach, dort wird am Donnerstag das erste Mal trainiert, Schwerpunkt dann: Offensive. Denn auch wenn es gegen Lettland nach ein wenig Anlauf leicht und locker aussah: Bei der EM wird es noch mehr Tempo, Schärfe und Automatismen brauchen. Immerhin konnte man Löws Team diesmal nicht vorwerfen, dass es Chancenwucher betrieb. Nicht jeder Schuss war ein Treffer, aber die Quote stimmte. „Wir haben viele gute Dinge gemacht“, sagte der Bundestrainer.

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