https://www.faz.net/-hfm-acc44

Deutsche Nationalmannschaft : Gibt es einen Plan?

Antreiber: Thomas Müller gibt die Richtung vor. Bild: sampics / Stefan Matzke

Das 1:1 gegen Dänemark zeigt: Der deutschen Mannschaft fehlt unmittelbar vor Beginn der EM immer noch eine Struktur. Daran ändert auch die Rückkehr von Müller und Hummels nichts.

          4 Min.

          Geisterspiele können Rätsel aufgeben. Am Mittwochabend haben die deutschen Fans vor dem Fernseher, andere gab es im Testspiel gegen Dänemark ja auch nicht, ein solches Rätsel erlebt. Die Führungskamera rückte über neunzig Minuten immer wieder einen riesengroßen Schriftzug ins Bild. Auf der gesamten Breite der menschenleeren Tribüne stand: „Jogis“. Mehr nicht.

          Fußball-Länderspiele
          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Alles andere konnte oder sollte man sich dazudenken: Jogis Abschiedstour. Das wäre eine Möglichkeit gewesen. Davon ist seit dem im März angekündigten Rückzug des Bundestrainers unaufhörlich die Rede. In Presse, Funk und Netz ist ohne Unterlass zu lesen und zu hören, wie locker, gelöst und fokussiert der Bundestrainer nun angeblich sein soll – und wie sich diese Stimmung positiv auf sein Team übertrage. Geschwätz, das vor großen Turnieren eben so verbreitet wird.

          Des Rätsels Lösung, zumindest von Innsbruck: Der vollständige und in Schwarz-Rot-Gold gerahmte Schriftzug im Stadion lautete: „Jogis Jungs“. Jogis Jungs? Das war nun das zweite Rätsel des Abends. Denn auch nach diesem vorletzten EM-Test muss man sich mit Blick auf die Startelf für das EM-Auftaktspiel am 15. Juni gegen Frankreich fragen: Wer sind das eigentlich: Jogis Jungs? Oder anders gefragt: Wie wird das deutsche Team nach nun drei Jahren Vorbereitung auf die EM aussehen? Aber auch das: eine vollkommen ungelöste Frage.

          Es gibt nur wenig Verlässliches

          Die sportliche Wahrheit unmittelbar vor dem Turnierstart lautet: Eine Stammformation und ein klarer Spielstil sind auch nach sage und schreibe 28 Spielen seit der Pleite bei der WM in Russland nicht erkennbar. Von einer eingespielten Mannschaft kann auch nach knapp drei Jahren Entwicklungszeit keine Rede sein.

          Bei der Generalprobe am Montag gegen Lettland wird eine wiederum völlig veränderte Mannschaft antreten, nachdem gegen Dänemark über ein halbes Dutzend Topkräfte gefehlt hatten: Das Sieger-Trio aus der Champions League mit Rüdiger, Havertz und Werner, aber auch Gündogan, Goretzka und Kroos. Und wer spielt dann gegen Frankreich von Anfang an – und mit welcher Ausrichtung? Das ist erst in groben Zügen erkennbar. Außer auf Torwart Neuer und einen Bayern-Block, so scheint es, gibt es wenig Verlässliches, was der Bundestrainer aufbieten kann.

          In Innsbruck waren Hummels und Müller über zweieinhalb Jahren nach ihrem letzten Länderspiel im November 2018 (2:2 gegen die Niederlande) endlich wieder dabei. Sie gaben der zuletzt verunsicherten Nationalelf mit ihrer Souveränität kurz vor dem EM-Start wenigstens eine gewisse Stabilität und Organisationskraft zurück. Eine, die der Bundestrainer seit der Weltmeisterschaft in Russland mit verschiedenen Konzepten bisher jedoch nie dauerhaft hat herstellen können.

          Ob das auf den letzten Drücker vor dem EM-Auftakt gegen Weltmeister Frankreich, Europameister Portugal und dann gegen Ungarn gelingt, ist jedoch weiterhin ungewiss. Die Ergebnisse und Leistungen der vergangenen Monate und Jahre geben dafür nicht viel her. Kurz vor der EM herrscht, trotz vieler herausragender Spieler, vor allem das Prinzip Hoffnung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wiedergewählt im zweiten Anlauf: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (links) bei der Vereidigung

          Wahl Reiner Haseloffs : Acht Abweichler sollt ihr sein

          Schon wieder wird Sachsen-Anhalts Ministerpräsident erst im zweiten Anlauf bestätigt. In Magdeburg wird wild spekuliert: War es ein organisierter Aufstand? Oder eine Verkettung von Einzelaktionen?
          Australien taucht ab – aber nicht mehr mit U-Booten aus Frankreich.

          Sicherheitspakt im Pazifik : Ein Deal entzweit den Westen

          Australien, die USA und Großbritannien haben einen Sicherheitspakt geschlossen, der Canberra Zugang zu Atom-U-Booten ermöglicht. Frankreich fühlt sich durch die Vereinbarung betrogen und reagiert enttäuscht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.