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EM-Achtelfinale in England : Löw setzt auf Werner und Goretzka

Hochspannung vor dem Spiel in Wembley: Bundestrainer Joachim Löw Bild: AFP

Der Bundestrainer überrascht mit einer Personalie im Angriff beim Spiel im EM-Achtelfinale gegen England: Timo Werner stürmt für Serge Gnabry. Leon Goretzka nimmt den Platz von Ilkay Gündogan ein.

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          Deutschland geht überraschend mit Timo Werner in der Anfangsformation ins Achtelfinale der Fußball-Europameisterschaft. Gegen England an diesem Dienstag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-EM, in der ARD und bei MagentaTV) geht es um den Einzug ins Viertelfinale gegen Schweden oder die Ukraine. Nicht in der Startformation von Bundestrainer Joachim Löw steht Serge Gnabry. Für Ilkay Gündogan (Schädelprellung) läuft zudem Leon Goretzka erstmals bei dieser EM von Beginn an auf. Für Leroy Sané, der gegen Ungarn begann, ist wie erwartet der zuletzt am Knie angeschlagene Thomas Müller zurück.

          Fußball-EM
          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Im Tor ist Manuel Neuer gesetzt. Vor ihm verteidigen wie gewohnt Matthias Ginter, Mats Hummels und Antonio Rüdiger in der Dreierkette. Auf den Außenseiten sind Joshua Kimmich und Robin Gosens platziert. Im zentralen Mittelfeld sollen Toni Kroos und erstmals Goretzka, der vor der EM lange mit einer Verletzung fehlte, für Ordnung sorgen.

          Den Angriff bilden Müller, Kai Havertz und Werner, der beim FC Chelsea in London spielt und bisher bei diesem Turnier nicht in der Startelf stand. „Wir brauchen heute Tiefe. Timo Werner hat da seine Qualitäten. Mit seiner Schnelligkeit kann er der Abwehr wehtun“, sagte Löw in der ARD. Rüdiger und Gosens haben ihre Erkältungen rechtzeitig auskuriert. Löw verzichtete in seinem 23er-Kader neben dem verletzten Lukas Klostermann auch auf Jonas Hofmann und Christian Günter.

          England setzt auf diese elf Spieler von Beginn an: Jordan Pickford, Kyle Walker, Luke Shaw, Declan Rice, John Stones, Harry Maguire, Harry Kane, Raheem Sterling, Kieran Trippier, Kalvin Philipps und Bukayo Saka. Phil Foden fehlt in der Anfangself. Stattdessen will Trainer Gareth Southgate offenbar eine defensivere Marschroute wählen. Der Dortmunder Jungstar Jadon Sancho sitzt wie sein Klubkollege Jude Bellingham abermals nur auf der Bank. Die bisher einzigen beiden Turniertore gelangen Sterling von Manchester City.

          Die Spannung ist enorm. „Von den Spielen Deutschland gegen England bei Turnieren spricht man noch Jahre danach“, sagte der Bundestrainer vor dem Hit. England gegen Deutschland, die in den vergangenen Jahren erstarkten Three Lions gegen das im letzten Moment neu zusammengezimmerte DFB-Team: „Das ist ein Spiel, das alle elektrisiert und fesselt. Für beide ist es ein Alles-oder-nichts-Spiel. Von daher ist die Brisanz gegeben.“ Löw spürt: „Alle sind bis in die Haarspitzen motiviert.“

          An ein mögliches abruptes Ende seiner Bundestrainer-Ära nach 15 wechselvollen, erfolgreichen Jahren, aber auch einigen enttäuschenden Erlebnissen denkt Löw noch nicht. „Insgesamt habe ich zwei Sekunden daran gedacht“, erzählte der 61-Jährige. Einmal hat ein TV-Journalist am Nachmittag am Montag bei Löw danach gefragt, dann wollte am Abend in London ein Kollege bei der offiziellen UEFA-Pressekonferenz nochmal eine Antwort auf diese Frage.

          „Unter dem Aspekt sehe ich das Spiel nicht. Ich habe ganz viele andere Gedanken in meinem Kopf. Vor allem ist da eine große Freude. Für so ein Spiel ist man Trainer“, betonte Löw vor seinem 198. Länderspiel als DFB-Chefcoach. Nur einmal, bei der blamablen WM 2018, hat er in seiner Zeit als Bundestrainer seit 2006 das Halbfinale bei einem großen Turnier nicht geschafft.

          Die Fans: 45.000 Zuschauer dürfen im Wembley-Stadion dabei sein, was angesichts wieder steigender Corona-Infektionen und der raschen Ausbreitung der Delta-Variante europaweit für Erstaunen und sogar Fassungslosigkeit sorgt. Nur 2000 in Großbritannien lebende deutsche Fans sind durch die Reisebeschränkungen in der Pandemie im eigentlich 90.000 Zuschauer fassenden Wembley-Stadion dabei. „Logischerweise, wenn du 40.000 Fans im Rücken hast, wird das als Vorteil gesehen. Es kann aber auch, wenn die Engländer nicht so ins Spiel kommen, ein Nachteil und eine Last für sie sein. Es liegt an uns, dafür zu sorgen, dass Stille im Stadion ist“, sagte der Bundestrainer. 

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          26 DFB-Spieler im Porträt : Das sind die deutschen Hoffnungen Bild: dpa

          Das Ziel: Wembley soll nur eine Zwischenstation sein. Die deutschen Spieler legen immer mehr die Zurückhaltung bei der Zielsetzung für das besondere paneuropäische Turnier ab. Ob Shooting-Star Robin Gosens oder der zweifache Turnier-Torschütze Kai Havertz: Der Titelgewinn wird als angestrebtes Ende des Weges verkündet. „Dahinter stecken 100 Prozent Überzeugung. Wir Spieler und der Staff glauben fest daran, dass wir Europameister werden können. Es wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre“, sagte Champions-League-Sieger Havertz vom FC Chelsea: „Denn wir haben eine Top-Mannschaft, ein super Trainerteam und eine gute Mentalität. Wir müssen es nur schaffen, unsere Qualität abzurufen.“

          Der Weg: Offiziell will natürlich noch niemand davon sprechen. Aber der Weg nach dem Achtelfinale weckt Hoffnungen auf noch Größeres. Schweden oder die Ukraine wären im Viertelfinale in Rom Gegner, danach Tschechien oder Dänemark im Halbfinale wieder in Wembley. Doch erst einmal muss England bezwungen werden. „Das wird eine Geduldsprobe. England kann gut verteidigen und gut kontern. Wir müssen immer aufpassen“, sagte Kapitän Manuel Neuer: „Aber wir haben erfahrene und gute Leute, dass wir es gegen so eine gute Mannschaft gut verteidigen können.“

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