https://www.faz.net/-hfm-8ivre

Deutsche Einzelkritik : Held Hector und Hüne Neuer

Die Nerven behalten: Jonas Hector verwandelt den entscheidenden Elfmeter. Bild: Reuters

In einem epischen Elfmeterschießen erzielt Jonas Hector das entscheidende Tor für die deutsche Elf – und zeigt sich auch sonst zuverlässig. Beim EM-Viertelfinale gegen Italien überzeugen auch andere Spieler. Einer mimt jedoch das Bauernopfer.

          3 Min.

          Manuel Neuer: In den ersten Minuten immer wieder als Anspielstation gesucht – kein Problem für einen Torhüter, der seine Pässe mit links oder rechts spielen kann. Auch als Libero umsichtig wie immer, wie die 37. Minute zeigte, als er außerhalb des Strafraums vor Eder an den Ball kam. Ahnte die richtige Ecke beim Handelfmeter und hatte trotzdem keine Chance, sein erstes Gegentor bei dieser EM zu verhindern. Ein zweites Mal gestattete er Bonucci das Gefühl nicht - parierte dessen Versuch beim Elfmeterschießen und eröffnete erst Schweinsteiger und dann nach der Parade gegen Darmian Hector die Chance, die Partie zu entscheiden.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Benedikt Höwedes: Als zusätzliche Absicherung vor den italienischen Kontern ins Spiel gekommen – eine Aufgabe, die er zuverlässig erledigte.

          Jerome Boateng: Gedankenschnell in der 31. Minute, als er nach dem Kimmich-Patzer die Hereingabe von Di Sciglio vor Giaccherini erreichte. Und bei der größten italienischen Chance kurz vor der Pause gab seine Fußspitze dem Schuss von Sturaro eine vielleicht entscheidende Richtungsänderung. Extrem ungeschickt in der Situation, als er den Handelfmeter zum 1:1 verschuldete, weil ihm der Ball im Kopfballduell an den weit nach oben ausgestreckten Arm geprallt war. Trifft zum 5:5 im Elfmeterschießen.

          Mats Hummels: Diesmal häufig eher auf der linken Außenbahn als in der Mitte beschäftigt, was er aber souverän erledigte. Banger Blick zum Schiedsrichter in der 27. Minute, weil nach seiner unberechtigten Verwarnung gegen die Slowakei bei einer weiteren Verwarnung eine Sperre für das Halbfinale drohte. Die sah er dann in der 90. Minute. Gesperrt ohne ein richtiges Foul – Fußball ist manchmal merkwürdig. Behielt die Nerven im Elfmeterschießen – glich zum 3:3. aus.

          Joshua Kimmich: Der jüngste deutsche Spieler wurde in der Offensive immer wieder gesucht. Allerweltsfehler in der 31. Minute, als ihm der Ball durchrutschte. Wenn in der zweiten Halbzeit Gefahr drohte, kam sie über seine Seite. Trifft im Elfmeterschießen zum 4:4.

          Deutsche Erleichterung: Das Elfmeterschießen ist gewonnen Bilderstrecke
          Das Spiel in Bildern : 120 Minuten und 18 Elfmeter

          Sami Khedira: Verletzungsbedingt nur ein Kurzeinsatz von fünfzehn Minuten für den Mittelfeldmann aus Turin.

          Bastian Schweinsteiger: Der 37. Einsatz bei Welt- und Europameisterschaften – ein Rekord, den er sich mit Mirolav Klose teilt. Es mag täuschen, aber spritzig wirkte der für Khedira eingewechselte deutsche Kapitan nicht. Bei der größten italienischen Chance vor der Pause ließ er Giaccherini entwischen, was nichts mit Sprintstärke, sondern mit mangelnder Aufmerksamkeit zu tun hatte. Hätte für die Entscheidung beim Elfmeterschießen sorgen können – und schoss über das Tor.

          Öffnen
          Interaktives Spiel : Das Star-Quartett zur Fußball-EM 2016

          Toni Kroos: Immer wieder angelaufen von den Italienern, sobald der Ball in seiner Nähe kam. Das iritierte die Schaltstation des deutschen Spiels – er leistete sich für seine Verhältnisse ungewöhnliche viele kleine Abspielfehler. Kam besser ins Spiel, als die Italiener müde wurden.

          Jonas Hector: Stellte seine linke Seite in Zusammenarbeit mit Hummels gut zu, aufmerksam in der Defensive. Vorne unverdrossen auf der Suche nach einer Lücke unterwegs, die er in der 65. Minute mit Hilfe von Bonucci fand und das Tor von Özil vorbereitete. Traf entscheidend im Elfmeterschießen.

          Thomas Müller: Extrem viel unterwegs, zudem damit beauftragt, Chiellini immer wieder anzulaufen und am Spielaufbau zu hindern. Doch Europameisterschaften sind offenbar einfach nicht sein Ding – als dem besten deutschen Torschützen bei den vergangenen zwei Weltmeisterschaften in der 42. Minute der Ball nach einem Querschläger von Kroos überraschend vor die Füße fiel, kam nur ein Schüsschen dabei heraus, weil er den Ball nicht richtig traf. Und auch im Elfmeterschießen klappte es nicht - Buffon parierte.


          EM-News über Facebook-Messenger

          Sie wollen EM-News über den Facebook-Messenger erhalten? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Service.

          So geht’s!

          Mesut Özil: Das Bauernopfer der deutschen Taktik-Umstellung. Musste von der Position hinter der Sturmspitze auf die linke Seite ausweichen, eine Position, auf der er nur selten ein auffälliges Spiel in der Nationalmannschaft gemacht hat. So sah das wieder aus bis zur 65. Minute, dann nutzte er die Chance, die ihm durch die Ko-Produktion von Gomez und Hector serviert wurde. Wechselte auf rechts nach der Draxler-Einwechslung, immer anspielbar. Schickte Buffon beim Elfmeterschießen in die falsche Ecke - und traf den Pfosten.

          Mario Gomez: Prellbock im Angriff, allerdings zunächst ohne große Wirkung. Aber kein Mann für Kombinationen? Dieses Vorurteil widerlegte er in der 65. Minute, als er auf der linken Seite plötzlich genial wie Özil spielte und Hector den Ball in den Lauf legte. Humpelte kurz danach verletzt vom Platz.

          Julian Draxler: Für den auffälligsten Spieler aus dem Achtelfinale gegen die Slowakei war nach der Taktikumstellung kein Platz in der Startelf. Kam für Gomez – und blieb blass. Beim Elfmeterschießen aber extrem sicher zum 2:2.

          Weitere Themen

          „Ha11erluja“

          Augsburg bleibt in Bundesliga : „Ha11erluja“

          Mit Markus Weinzierl kehrte beim FC Augsburg auch der Glaube zurück – nun geht es in die elfte Bundesliga-Spielzeit. Auch weil der neue Trainer aus seinen Fehlern der Vergangenheit gelernt hat.

          Aua Aue!

          Zweite Liga am Sonntag : Aua Aue!

          Wer drei Tore in einem Spiel schießt, ist normalerweise der Held des Tages. Nicht so Aues Nazarov: sein Team verliert nach 2:0-Führung noch 3:8 gegen Paderborn.

          Topmeldungen

          Auch im Harz sind Häuser begehrt.

          Steigende Hauspreise : Jetzt wird die Provinz teuer

          Selbst in abgelegenen Regionen sind die Immobilienpreise um 40 Prozent gestiegen. Zuzügler konkurrieren mit Einheimischen um Häuser. Makler bezeichnen den Markt als „völlig verrückt“.
          Durch Raketen der Hamas zerstörte Wohnung im israelischen Petah Tikva

          Kampfzonen in Israel : Liebe Freunde!

          Selbst Orte in Israel, die immer für Hoffnung standen, sind vom Terror erschüttert. Plötzlich befinden wir uns inmitten von zwei oder vielmehr drei verschiedenen Kampfzonen. Ein Brief aus dem Schrecken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.