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EM-Halbfinale gegen Frankreich : Hungrige Gäste aus Deutschland

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Wird gegen Frankreich wieder gejubelt? Das deutsche Team nach dem dramatischen Sieg gegen Italien Bild: dpa

Frankreich ist stark und kann den Deutschen im EM-Halbfinale sehr weh tun. Ein Spektakel wie 2014 gegen Brasilien scheint deshalb ausgeschlossen. Trotz schwieriger Umstände hat das DFB-Team aber einen großen Vorteil.

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          Seine Gäste kann man sich beim Fußball meist nicht aussuchen. Könnte sonst sein, dass auch mal keine Einladung in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise einlaufen würde. Weil die Deutschen aber nun mal die Angewohnheit haben, sich jedes Mal zu qualifizieren, wenn eine Welt- oder Europameisterschaft gespielt wird, seit 1970 jedenfalls, müssen die Gastgeber sich eben damit abfinden: dass da immer wieder die Gleichen kommen, die das Buffet plündern. Mal eher dezent, mal geradezu gierig, und inzwischen irgendwie schon aus Gewohnheit. Neun Mal haben deutsche Nationalmannschaften den Spielverderber für den Ausrichter einer EM oder WM gespielt – und besonders grausam, auch wenn es schwebend-elegant daherkam, vor zwei Jahren, beim 7:1 gegen Brasilien.

          Wenn es nun im EM-Halbfinale gegen Frankreich geht an diesem Donnerstag (21 Uhr / Live im ZDF und im EM-Ticker auf FAZ.NET), wird natürlich an beides gern erinnert, an die Serie und an das Spektakel. Dass es den Deutschen aber noch einmal so leichtfallen könnte wie in Belo Horizonte, glaubt natürlich niemand. Teammanager Oliver Bierhoff verriet dieser Tage, dass sie die Brasilianer nicht erst auf dem Platz entzaubert, sondern schon vorher durchschaut hatten.

          Zu allem entschlossen

          An jenem Abend, der für Brasilien zu einem Trauma geriet, kam dann beides zusammen: eine auf den Punkt vorbereitete, zu allem entschlossene deutsche Mannschaft, aber eben auch eine brasilianische, die geradezu groteske Schwächen offenbarte, wie man sie in einem WM-Halbfinale vielleicht noch nie gesehen hatte. Der Verlust Neymars, generelle taktische Unzulänglichkeiten, dazu eine emotionale Überforderung – das alles trug mindestens in gleichem Maße zu jenem monumentalen Ergebnis bei wie die Pässe, mit denen Toni Kroos & Co. für Verwirrung und Verheerung bei der Selecao sorgten.

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          Ob es nun taktisch motiviert war, dass Bierhoff die Franzosen zum Favoriten erklärte, oder nicht – sie sind in jedem Fall eine Mannschaft, die den Deutschen weh tun kann. Was eher gehemmt begann, mit dem 2:1 im Eröffnungsspiel gegen Rumänien, und auch danach noch eine ganze Weile brauchte, etliche Umstellungen durch Sélectionneur Deschamps inklusive, hat nun so richtig Fahrt aufgenommen.

          Vor allem die Offensive mit Griezmann, Giroud, Pogba und Payet sucht bei diesem Turnier ihresgleichen. Von Benzema spricht längst niemand mehr. Hinzu kommt, dass die Équipe tricolore bislang mit ihren Kräften haushalten konnte, anders als Joachim Löws Team, dem 120 Minuten gegen Italien in den Knochen stecken.

          Hier beginnt zugleich aber auch schon der Raum für Interpretationen. Während die Franzosen noch keinen echten Härtetest haben überstehen müssen und dennoch in der Defensive oft verletzlich wirkten, können die Deutschen mit dem guten Gefühl den Rasen des Vélodrome betreten, einen großen alten Rivalen aus dem Weg geräumt zu haben. Mannschaftstaktisch, das hat der Sieg gegen Italien gezeigt, ist Löws Team das Maß der Dinge.

          Das könnte sich auch unter den schwierigen personellen Umständen als das große Plus erweisen. Selbst ohne Gomez, Khedira und Hummels, und, wenn man es weiter fasst, auch Reus und Gündogan ist den Deutschen zuzutrauen, dass sie auch vom französischen Festgedeck räubern. Hungrig genug sind sie dafür jedenfalls.

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          Christian Kamp
          Sportredakteur.

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