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4:2 gegen Portugal : Deutschland gewinnt Fußballspektakel

Der Bundestrainer hatte sich trotz der Niederlage gegen Frankreich, bei der sich sein Team nur eine einzige ernsthafte Torchance erarbeitet hatte, für dieselbe Startformation entschieden. Und damit auch für eine Dreierkette – mit Kimmich auf der rechten und Gosens auf der linken Seite. Der Bayern-Mittelfeldspieler kehrte damit nicht wieder zurück auf die zentrale Sechserposition, was sich viele Experten in den vergangenen Tagen gewünscht hatten.

Schon nach wenigen Minuten zeigte sich: Die Deutschen hatten sich viel vorgenommen. Sie wollten unbedingt zeigen, dass sie eine Topmannschaft sind. Und so starteten sie auch. Gleich in der ersten Viertelstunde kam die DFB-Auswahl zu einigen vielversprechenden Aktionen – und entsprechenden Torchancen. Nach fünf Minuten lag der Ball nach einem artistischen Treffer von Gosens sogar im Tor der Portugiesen. Doch der Jubel kam zu früh. Zunächst hatte Müller den Ball an die Hand bekommen, und dann stand Gnabry bei der Flanke im Abseits.

Das Team von Bundestrainer Löw ließ sich nicht beirren. In der siebten Minute dribbelte sich Gnabry bis auf die Grundlinie durch, aber seine Flanke blieb unpräzise. In der zehnten Minute scheiterte Havertz mit einem schönen Schuss an Torwart Patricio und nur zwei Minuten späterblockten die Portugiesen einen Schuss von Kroos, der von Gosens schön freigespielt worden war.

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Doch dem fulminanten Start folgt schon nach einer Viertelstunde der Rückschlag. Nach einer Ecke von Kroos köpfte Ronaldo den Ball aus dem eigenen Strafraum – und der portugiesische Konter nahm Fahrt auf. Die deutsche Mannschaft hatte jegliche Absicherung vergessen, und Silva konnte den Ball unbedrängt über die rechte Seite treiben, dann spielte er Jota frei, der den Ball von der linken Seite quer in den Strafraum spielte – und Ronaldo aus wenigen Metern mit seinem dritten Turniertor zur 1:0-Führung für Portugal traf. Der Gegentreffer zeigte Wirkung bei den Deutschen, die damit zwischenzeitlich auf den letzten Platz der Gruppe zurückgefallen waren.

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Portugal lauerte weiter auf deutsche Fehler. Ronaldo leitete einen schönen Angriff mit einem Hackentrick ein (21.), in dessen Folge Jotas Schuss noch von der deutschen Abwehr zur Ecke geblockt werden konnte. Der führte dann nach Flanke von Guerreiro, aber der Kopfball von Dias verfehlte sein Ziel (22.). Die schon gegen Frankreich willensstarke deutsche Mannschaft gab sich nicht auf. Doch nach einer halben Stunde war sie noch keinen Schritt weiter gekommen. Sie dominierte zwar das Spiel, war im Gegensatz zur Partie gegen Frankreich auch torgefährlich, doch die Taktik der Portugiesen schien aufzugehen: abzuwarten, und auf Konter zu spielen.

Doch angetrieben vom unermüdlichen Kimmich erzwangen die Deutschen nach 35 Minuten den verdienten Ausgleich. Kimmich verlagert das Spiel per Flugball auf die linke Seite, wo Gosens im Strafraum den Ball entschlossen in die Mitte des Strafraums weiterleitete – Havertz schob im Zweikampf mit Dias seinen Fuß nach vorne, doch der Portugiese verlängert den Ball ins eigene Tor. zum 1:1. Das Tor wirkte wie eine Erlösung auf die deutsche Mannschaft.

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Und nur vier Minuten später hatten sie das Spiel tatsächlich gedreht. Müllers Hereingabe von der linken Strafecke verpasste zwar Havertz, doch Kimmich setzte nach und brachte den Fall von der Außenlinie zurück in den Fünfmeterraum, wo der Dortmunder Guerreiro den Ball zum 2:1 ins eigene Tor beförderte. Nun war die deutsche Mannschaft im Turnier angekommen. Und es hätte nicht viel gefehlt, wenn sie auch mit einem dritten Tor in die Pause gegangen wäre. Doch Gnabrys schönes Solo in der Nachspielzeit machte Torwart Patricio zunichte.

Nach der Pause machten die Deutschen sofort da weiter, wo sie aufgehört hatten. Und es war wieder Müller, der den nächsten Treffer mit einem klugen Zuspiel auf den starken Gosens vorbereitete, der auf der linken Seite im Strafraum freistand – sein Zuspiel verlängerte Havertz aus wenigen Metern zum 3:1. (51.). Nun lautete die Frage: würden die Deutschen diesen Vorsprung auch ins Ziel bringen. In dieser Saison hatten sie, bevor Hummels und Müller ins Team zurückkehrten, immer wieder Rückschläge hinnehmen müssen.

Doch bevor sich die Zuschauer größere Sorgen machen mussten, gelang Gosens nach dem nächsten überzeugenden Angriff mit einem schönen Kopfball das 4:1 (60.). Die Portugiesen wiederum nutzten in der 68. Minute eine deutsche Unaufmerksamkeit in der Abwehr nach einem Freistoß und verkürzten durch Jota auf 2:4. Würde es jetzt noch mal spannend? Zumindest ein bisschen – in der 79. Minute traf Sanches den Pfosten. Und machte damit klar, dass die deutsche Defensive weiterhin verwundbar ist.

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