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Bundestrainer im Fokus : Was erlauben Löw?

  • -Aktualisiert am

Vorbild und Stilikone: Bundestrainer Joachim Löw ist in der Kritik Bild: AFP

Der Bundestrainer sorgt für Diskussionen - wegen seiner Manieren. Er muss als Vorbild der Jugend und vermeintliche Stilikone mit der scharfen Beobachtung zurechtkommen.

          Ungläubig schaut sich Netz-Europa in diesen Tagen ein paar Videos von Bundestrainer Joachim Löw an. Für alle Beteiligten, für ganz Fußball-Deutschland wäre es besser, diese Bilder gäbe es nicht. Aber sie sind nun einmal da und werden, seit das italienische Fernsehen sie ausstrahlte, im Internet herumgeschickt. Und zwar so lawinenartig, dass ein ziemlich übler Eindruck an Löw haften bleiben wird. Der Weltmeister-Trainer, der für Körperpflegemittel wirbt und für elegante Kleidung, und der angeblich Wert darauf legt, den deutschen Fußball mit Stil und Niveau zu repräsentieren, hat sich in der Coaching-Zone des Stadions in Lille während des Spiels gegen die Ukraine ein paar Momente lang vergessen.

          Er hat sich – wir sprechen es nur ein einziges Mal aus – an Körperstellen gefasst, die in der Öffentlichkeit tabu sind, und danach seine Hand an die Nase geführt. Zusammen mit früheren unappetitlichen Videos, in denen Löws Nase die Hauptrolle spielte, wird daraus ein echtes Problem.

          Stil-Ikone und Vorbild für die Jugend

          Zunächst ist es eine Frage der Manieren. So etwas tut man nicht. Schon gar nicht vor 50.000 Zuschauern und unter dem Fokus von Fernsehkameras. Und erst recht nicht, wenn man eine Mannschaft betreut, die den Anspruch hat, eine positive gesellschaftliche Kraft in diesem Land zu sein. Manager Oliver Bierhoff hat schon vor der WM 2014 erklärt: „Die Nationalelf ist quasi die vierte Macht im Staat.“ Da mag er übertrieben haben. Aber wer einen solchen Anspruch formuliert, sollte sich auch entsprechend benehmen können. Auch unter Druck.

          Eine Stil-Ikone, ein Vorbild für die Jugend, ein Repräsentant von Schwarz-Rot-Gold reißt sich zusammen und ist nicht auf gnädige Bild-Zensur der Europäischen Fußball-Union angewiesen – die unterblieb. Löw muss es wissen: 90 Minuten lang beobachten Kameras bei der EM die Trainer, Fernsehsender können sich diese Bilder kaufen, den Anspruch auf einen ungestörten Moment der Privatheit gibt es nicht. Umgekehrt haben sich ARD und ZDF gerade im Zusammenhang mit Fan-Ausschreitungen über die Zensur beschwert.

          Der Boulevard bremst die Bissigkeit

          Die Idee, mit der die Nationalelf vermarktet wird, postuliert: Wir sind nicht nur Weltmeister – wir haben Klasse – wir sind professionell. Deswegen hat Löw zuletzt den Wolfsburger Max Kruse aus dem Kader entfernt. Sein Lebenswandel war nicht untadelig. Dass Löw andere Spieler, die ihre Kameraden ohrfeigten oder in einer Hotellobby in einen Blumentopf urinierten, trotzdem weiter für Deutschland spielen ließ, ist ohnehin nur erklärlich, wenn man um einen allgemein akzeptierten Konsens weiß: Wenn es ums Gewinnen geht, bekommt das Saubermann-Image auch mal Pause. Doch die Frage bleibt: Woher will Löw eigentlich künftig die Autorität nehmen, das Benehmen seiner Spieler zu beurteilen?

          Trotz allem bremsen die deutschen Medien, gerade der Boulevard, ihre Bissigkeit. Ganz im Gegensatz zu den Heimatländern der Konkurrenz. Dort ist Löw Gegenstand von Hohn und Spott. Hierzulande scheint klar zu sein: Es geht um den Europameistertitel, da sind Störungen kontraproduktiv. Es kann also sein, dass Fußball-Deutschland Löws Fehlgriffe erst einmal herunterzuspielen versucht. Die Hand werden ihm aber wohl nicht mehr alle reichen wollen.

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