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Benedikt Höwedes im Gespräch : „Die Franzosen haben enorm viel Qualität“

Benedikt Höwedes ist vor dem Frankreich-Spiel entspannt Bild: Reuters

Vor dem Halbfinale wirkt Verteidiger Benedikt Höwedes entspannt. Im F.A.Z.-Interview verrät er, wie viel Mitspracherecht er in taktischen Fragen hat, beschreibt das blinde Vertrauen zu den Ersatzspielern – und warnt vor der Tücke des guten Gefühls.

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          Sie waren im Training an diesem Dienstag nur auf dem Fahrrad unterwegs. Warum?

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.
          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Mit mir ist alles okay. Das war nur eine individuelle Trainingssteuerung.

          Es muss sich niemand sorgen, dass der deutsche Kurs jetzt fällt, nachdem der Bundestrainer gerade gesagt hat, dass Sie für ihn Gold wert sind?

          Nein, da braucht sich keiner Sorgen zu machen. Ich werde ab jetzt wieder ganz normal mit der Mannschaft trainieren.

          Ist Deutschland die Mannschaft, die am besten verteidigt bei dieser EM?

          Wir verteidigen auf jeden Fall sehr gut, sehr gewissenhaft, sehr konzentriert. Jeder weiß bei uns, was seine Aufgaben sind. Wir bereiten uns gründlich auf den Gegner vor. Manchmal auch mit einer Umstellung des Systems, was gegen die Italiener unheimlich gut gegriffen hat.

          Der italienische Nationaltrainer Antonio Conte hat gesagt, dass die Deutschen auf ihn mehr wie eine Vereinsmannschaft wirken als wie eine Nationalmannschaft, weil es so viele Abläufe gibt, die eingeschliffen sind.

           Wir trainieren viele Abläufe im Training. Jeder hört bei der Taktikbesprechung genau zu und weiß um seine Aufgaben. Außerdem sind wir alle so gut ausgebildet, dass wir manche Systeme vielleicht nicht gleich von heute auf morgen, aber mit ein, zwei Tagen Vorkenntnis spielen können. Außerdem haben wir auch gewisse Abläufe, selbst wenn wir außerhalb der Turniere nicht immer so viel Zeit haben, die zu trainieren. Deshalb lief vielleicht auch die Qualifikation ein bisschen holprig.

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          Wie kommt ein Entscheidungsprozess wie die Veränderung mit der Dreierkette zustande? Werden Sie da als Verteidiger auch in die Diskussion eingebunden?

           Jogi Löw hat zwei Tage vor dem Spiel mit mir gesprochen. Er hat gesagt: ,Ich würde gerne die Dreierkette spielen lassen.‘ Ich konnte mir das gut vorstellen und habe auch sofort die Gründe verstanden. Aber vor allem macht sich in solchen Fragen natürlich der Trainerstab vorab seine Gedanken. Und dann besprechen es die Trainer mit dem Mannschaftsrat.

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          Mats Hummels ist gegen Frankreich gesperrt : Bild: dpa

          Was waren Ihre Gründe für die Dreierkette?

          Italien hat wirklich immer diese speziellen Abläufe gespielt. Gegen Spanien konnte man sehr gut sehen, wie das funktioniert hat - und wie man es besser nicht macht. Die Spanier waren ein bisschen naiv, weil sie versucht haben, dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken, auf Ballbesitz zu spielen. Italien macht das dann einfach mit Perfektion: Ball auf außen, dann in die Mitte zu Pellè, der legt ihn ab, Éder läuft in die Gasse. Die Italiener sind bestimmt vier Mal allein aufs Tor zugelaufen gegen Spanien, weil die nie eine Absicherung hatten, weil sie vorne nie so offensiv in die Zweikämpfe gehen konnten. Genau dieses Szenario wollten wir verhindern. Das war der Schlüssel für dieses Spiel.

          Sami Khedira hat nach dem Spiel gesagt, Jogi Löw sei ein Taktikfuchs, aber die Mannschaft sei auch nicht auf den Kopf gefallen und wisse, wie man Fußball spiele. War die Dreierkette ein regelrechter Wunsch der Mannschaft?

          Nein, das kann man so nicht sagen. Aber wir sind natürlich auch mündig und können sagen, ob wir uns damit wohl fühlen oder nicht. Wir sind freie Menschen.

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