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Schweinsteiger und Podolski : Die Helden der Deutschland-Saga

Ihr größter Triumph: Schweinsteiger und Podolski nach dem WM-Sieg in Rio 2014. Bild: AFP

Seit der EM 2004 waren Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski bei allen Turnieren dabei. Im Laufe der Jahre wurden sie zum Kitt zwischen den Generationen. Bei der EM in Frankreich wollen sie etwas zu Ende bringen.

          Als alle anderen deutschen Spieler schon Richtung Kabine entschwunden waren, entfachte einer noch kleinere Tumulte. Hinter dem Tor im Stadion Pierre Mauroy, wo die deutschen Fans ihre Plätze hatten, herrschte ein Gedränge und Geschiebe wie in der U-Bahn zur Rushhour, minutenlang. Alle wollten etwas von Lukas Podolski, ein Abklatschen, eine Umarmung, ein Selfie – und Podolski gab gerne und reichlich. Was dann, rein sachlich betrachtet, bedeutete, dass derjenige aus der deutschen Mannschaft, der fast am wenigsten gespielt hatte zuletzt beim 3:0 gegen die Slowakei, feierte und sich feiern ließ wie kein Zweiter.

          Das Erstaunliche aber war: Es kam einem völlig normal vor. Bei den meisten anderen hätte man vielleicht die Nase gerümpft und gedacht: Das ist jetzt etwas dick aufgetragen. Aber es war eben Poldi, ungeschminkt, authentisch, volksnah. So, wie er immer war in den nun gut zwölf Jahren, die er für die Nationalmannschaft spielt. Deshalb war es ein emotionaler Moment, der angenehm berührte, dem aber zugleich auch etwas Sentimentales innewohnte.

          Ein wenig Spielzeit als Geschenk

          Denn viel mehr Spielzeit als dieses Geschenk von Joachim Löw in der Schlussphase eines längst entschiedenen Spiels wird Podolski bei normalem Verlauf nicht mehr bekommen bei dieser Europameisterschaft. Für diese Erkenntnis lieferte Julian Draxlers famoser Auftritt am Sonntag, falls überhaupt noch nötig, den letzten Hinweis. Und so ist es nicht unwahrscheinlich, dass dies schon die schönsten Erinnerungsbilder eines Abschieds waren - es sei denn natürlich, es kommt zu einem großen und erfolgreichen Finale am 10. Juli in Paris mit den entsprechenden Szenen einer großen Feiergesellschaft. Auf den Hinweis, dass der EM-Titel ja noch in seiner Vitrine fehle, antwortete Podolski, der in der 72. Minute eingewechselt worden war und sich auch in den Katakomben der Arena von Lille in bester Plauderlaune befand, mit der gewohnt routinierten Schlagfertigkeit: „Wie in Köln die Meisterschaft.“

          Zur selben Zeit, nur ein paar Meter weiter, deutete sich unterdessen noch ein weiterer Abschied an – wenn auch auf eine andere Art: im Verlauf noch ein bisschen unbestimmt. Aber so, wie Bastian Schweinsteiger redete, klang es nicht so, als rechne er selbst noch mit einer Hauptrolle bei diesem Turnier. „Für mich ging es in erster Linie darum, dabei zu sein und gesund zu sein“, sagte er mit Blick auf seine rund dreimonatige Verletzungspause. Von daher sei er „schon zufrieden“ und „sehr froh, wie es gelaufen ist“ bei dieser EM, und zählte die Erfolge auf: dass er überhaupt spielen kann, dass er Einsatzminuten bekommen hat, dass er sogar ein Tor geschossen hat.

          Bisher eher Bankdrücker: Zumindest Podolski lässt die Laune dennoch nicht vermiesen Bilderstrecke

          Alles Dinge, die sich aus seiner Sicht wie größere Siege anfühlen mochten, gemessen aber an der Ausstrahlung, der Aura, die allein von Schweinsteigers Namen ausgeht, wirkte es doch ziemlich bescheiden. Gegen die Slowakei kam er in der 76. Minute. Jetzt, sagte er, freue er sich darauf, dass sich die Mannschaft „endlich gegen die großen Gegner beweisen“ könne. Aber mit ihm, dem Kapitän?

          Als Schweinsteiger gefragt wurde, ob er sich bereit für einen Einsatz in der Startelf fühle, sagte er: „Ich fühl mich gut.“ Aber es wurde schnell klar, dass eben längst nicht alles gut ist. „Natürlich ist es schwierig“, sagte Schweinsteiger, „ich habe 20 Minuten gespielt, 20 Minuten gespielt, zwei Minuten gespielt, von daher ist es nicht so, dass ich mal eine Halbzeit gespielt habe. Vom Rhythmus her ist es nicht ganz ideal. Ich würde mir schon zutrauen, von Anfang an zu spielen, aber das entscheidet der Trainer.“ Im Grunde ist das nicht mehr oder weniger als eine Bestätigung dessen, was sich über die Wochen und speziell noch einmal in den vergangenen Tagen angedeutet hatte. Dass es diesmal eng, sehr eng werden würde mit einer Rückkehr des Kapitäns nach dessen im März erlittener Bänderverletzung im Knie, zumindest was eine führende Rolle betrifft.

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