https://www.faz.net/-hfm-8j36f

Rückkehr des DFB-Kapitäns : Was, wenn Schweinsteigers Knie nicht hält?

Bis zur Selbstaufgabe: Bastian Schweinsteiger gibt alles für die Nationalelf – aber reicht das? Bild: AFP

Etwas überraschend rückt Bastian Schweinsteiger gegen Frankreich wieder ins deutsche Mittelfeld. Doch ob der DFB-Kapitän das komplette EM-Halbfinale durchhält, ist fraglich. Falls nicht: Ersatz steht bereit.

          4 Min.

          Joachim Löw sprach darüber, als wäre es völlig selbstverständlich. Eigentlich sogar, als wäre es nicht weiter der Rede wert. „Natürlich“, sagte er am Mittwochabend in Marseille, werde Bastian Schweinsteiger gegen Frankreich spielen. Das allerdings hatte sich so in den Tagen vorher nicht unbedingt abgezeichnet. Das Wenige, was aus dem Inneren der Mannschaft zu hören war, ließ eher darauf schließen, dass es nichts werden würde mit einem Einsatz des Kapitäns im Halbfinale der Europameisterschaft an diesem Donnerstag im Stade Vélodrome (21 Uhr / Live im ZDF und im EM-Ticker auf FAZ.NET)

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Den Ausschlag gab dann das Abschlusstraining, das am Donnerstagvormittag noch in Évian stattfand. Dort hatte Schweinsteiger nach seiner Knieblessur aus dem Italien-Spiel wieder mit den Kollegen geübt und war dabei sichtlich guter Dinge. Am Montag hatte Löw noch betont, dass er nur Spieler einsetzen würde, die „hundertprozentig“ fit seien – offenbar ist das bei Schweinsteiger der Fall, auch wenn Löw die kleine Einschränkung machte, dass die Verletzung „so gut wie auskuriert“ sei. „Er hat gegen Italien gezeigt, dass er die Kraft hat, die Physis“, sagte Löw.

          Mit Erfahrung in den Hexenkessel

          Der Kapitän ist also dabei, und das ist eine gute Nachricht für das deutsche Team. „Gerade in einem Hexenkessel wie hier ist seine Erfahrung enorm viel wert“, sagte der Bundestrainer. Angesichts der Ausfälle von Sami Khedira, Mario Gomez (beide verletzt) und Mats Hummels (gesperrt) ist Schweinsteiger als Stabilisator höchst willkommen. Schon gegen Italien war er ja nach einer Viertelstunde für Khedira ins Team gekommen und hatte bis zum Ende durchgehalten. Ohne zu glänzen zwar, aber doch auch als eine gewisse Instanz mit Autorität im Mittelfeld, an der Seite von Toni Kroos. Es war der mit Abstand längste Einsatz für Schweinsteiger bei dieser EM, und Löw wird hoffen, dass die Kräfte auch diesmal bis zum Ende reichen. Falls nicht, sagte er, gebe es noch personelle Möglichkeiten zu reagieren.

          Robust: Emre Can könnte den Franzosen im Mittelfeld mit Energie entgegentreten.
          Robust: Emre Can könnte den Franzosen im Mittelfeld mit Energie entgegentreten. : Bild: dpa

          Die zwei Kandidaten für diesen wichtigen Job hatte Löw am Montag genannt – da noch für ein weniger erfreuliches Ergebnis bei Schweinsteigers Heilungsverlauf: Julian Weigl oder Emre Can. Beide haben bei dieser EM noch nicht eine Minute gespielt, aber Löw wirkte, als würde er ihnen jederzeit das Vertrauen schenken. Das musste er in diesem Moment auch.

          Als Löw über die jeweiligen Vorzüge der beiden räsonierte, wirkte er ein bisschen wie ein Kind im Spielzeugladen. Kaum schien er besonderen Gefallen an dem Einen gefunden zu haben, kam ihm sogleich auch etwas in den Sinn, warum er vielleicht doch lieber den Anderen haben wollte. Das ist einerseits natürlich übliche Trainerrhetorik, soll sich ja keiner verprellt fühlen. Andererseits aber ist es tatsächlich so, dass Weigl und Can zwei Typen sind, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

          Fangen wir bei Can an – alphabetischer Vorzug für einen Alpha-Typen. Emre Can, 22 Jahre alt und seit zwei Jahren beim FC Liverpool, ist schon von der Gestalt eine Erscheinung, die Eindruck macht. Robuster Körper, entschlossener Blick, rein optisch besteht aus der Ferne sogar eine gewisse Verwechslungsgefahr mit Sami Khedira. Das wird Löw auch gemeint haben, als er von Can als einem „wuchtigen“ Spieler sprach, und davon, dass so einer „unserem Spiel sicher guttun würde“. Can ist obendrein von Natur aus Anführer. Der deutsche Fußball hat lange niemanden mehr gehabt, der einen solchen Anspruch schon in jungen Jahren so selbstbewusst formuliert hat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Fußball-EM im Liveticker : 1:2 – Deutschland vor dem Aus!

          Der DFB-Elf droht ein Fiasko wie bei der WM 2018. Havertz köpft zum 1:1 ein, doch der Gegner kontert sofort. Nun spielt Müller. Zwischen Portugal und Frankreich steht es 2:2. Verfolgen Sie die Spiele im Liveticker.
          Hoffnung auf Herdenimmunität: Menschen in der Fußgängerzone der Münchener Innenstadt

          Neue RKI-Zahlen : Immer mehr Delta-Infektionen

          Die Inzidenzen sinken weiter. Doch laut RKI hat sich der Anteil der Delta-Variante bei den Neuinfektionen seit vergangener Woche fast verdoppelt. Dennoch: Die Bundesländer bleiben gelassen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.