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Rückkehr des DFB-Kapitäns : Was, wenn Schweinsteigers Knie nicht hält?

„Ich bin vom Typ her vielleicht anders als viele andere“, sagte er in einem F.A.Z.-Interview im Mai. „Ich will ehrlich sein und sagen, was ich fühle und denke.“ Das fügte er noch hinzu, sei bei vielen im Fußball nicht so. „Für mich ist das einfach eine Erfahrung, wie ich im Leben aufgewachsen bin, was ich von meinen Eltern mit auf den Weg bekommen habe. Das will ich auch in den Fußball reinkriegen. Selbstvertrauen, die Mannschaft führen, antreiben - das gehört alles dazu. Das habe ich schon von Anfang an dringehabt.“

Fußball-EM : Schweinsteiger gegen Frankreich in der Startelf

Can, in Frankfurt geboren, hat von der U 15 an die Nachwuchsteams des DFB durchlaufen, im Profibereich spielte er ein Jahr beim FC Bayern, wo er in Jupp Heynckes einen fordernden Förderer hatte, und eines in Leverkusen, dann rief die Premier League. In Liverpool hat er sich mittlerweile als „Sechser“ im Team von Jürgen Klopp etabliert, auf der Position, auf der er sich am wohlsten fühlt. Im Nationalteam (6 Länderspiele) hat er bislang nur auf den Außenpositionen verteidigt, wo seine Stärken nicht so zur Geltung kommen. Can verkörpert ganz gut den Volldampf-Fußball, den Klopp spielen lässt - aber auch eine Schwäche, die manchmal damit verbunden ist. Die Neigung zum gelegentlichen Kontrollverlust. Hin und wieder wirkt er etwas ungestüm und muss einen Teil seiner Energie darauf verwenden, vorherige Fehler auszubügeln.

Genau das könnte der Punkt sein, an dem im Zweifel eher Weigl ins Spiel käme. Auf den ersten Blick wäre es nicht die selbstverständliche Idee, eine so zart wirkende Natur in ein Spiel wie dieses zu schicken, vor allem, wenn es hitzig wird. Andererseits aber hat sich genau das als eine besondere Stärke von Weigl erwiesen. Seine erste Bundesligasaison mit Borussia Dortmund hat er mit einer Sicherheit und Unerschrockenheit absolviert, die einen nur staunen lassen konnte - mit Ausnahme vielleicht von Thomas Tuchel, der es irgendwie gewusst haben muss, nachdem er Weigls besonderes Talent angeblich an einem Fernsehabend während seines Sabbaticals entdeckt hatte, als ein Spiel vom 1860 München in der zweiten Liga lief.

Bester Dinge: Julian Weigl steht eher für das filigrane Spiel
Bester Dinge: Julian Weigl steht eher für das filigrane Spiel : Bild: AFP

Weigl war die Dortmunder Entdeckung der Saison - und er verkörpert ziemlich perfekt den Tuchel-Fußball, der ja zugleich ein Guardiola- und dann irgendwie auch ein Löw-Fußball ist: Kontrolle und Kreativität durch Pässe, Pässe, Pässe. Durch Intelligenz und durch Tempo. Am letzten Spieltag der vergangenen Saison hat Weigl eine Bundesliga-Bestmarke für Ballkontakte aufgestellt: 214 waren es - obwohl er nur 83 Minuten spielte. Tuchel, sagt er, „hat mich in meinen Aktionen schneller gemacht“. Und dadurch auch seine Karriere beschleunigt - bis zu einem Kaderplatz für diese EM.

Wie gesagt: Löw hat nach außen keine Präferenz für Weigl oder Can durchklingen lassen - und er wird selbstverständlich darauf hoffen, dass Schweinsteiger bis zum Ende durchhält. Falls nicht, wird es spannend, ob er im Ernstfall das Vertrauen in Weigl oder Can legt, wie er das vorher angedeutet hatte. Und wenn, dann in wen? Löw hat Weigl dafür gelobt, wie „unglaublich sicher“ er am Ball sei. Wie gut er Passwege des Gegners antizipiere. Dass er dann noch sagte, die Zeit der Abräumer im Mittelfeld, sei „definitiv vorbei“, hatten viele schon als Votum für Weigl und gegen Can interpretieren wollen.

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Interaktives Spiel : Das Star-Quartett zur Fußball-EM 2016

Aber das dürfte nicht der Punkt gewesen sein, schließlich erinnert Can auch von der Spielweise, seinem Drang nach vorn, manchmal an Khedira. Die Frage ist eher, wie viel Risiko Löw mit einem Einsatz eines der beiden zu gehen bereit wäre. Und das scheint bei Weigl, obwohl er erst ein einziges Länderspiel absolviert hat, geringer zu sein. Aber wie gesagt: Die Lage hat sich seit Montag noch einmal geändert - ob nur zur Freude, oder auch zur Überraschung des Bundestrainers, blieb sein Geheimnis.

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