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Bastian Schweinsteiger : Der Chef, der nicht führen kann

Denken statt lenken: Bastian Schweinsteigers Gedanken kreisen dieser tage auch um seine eigene Form Bild: dpa

Bastian Schweinsteiger hat nach seiner Verletzung mit sich selbst zu kämpfen. Bundestrainer Löw macht für ihn dennoch eine Ausnahme von seinen Prinzipien. Dabei stünde Ersatz parat.

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          Toni Kroos ist bei der Europameisterschaft immer einer der ersten deutschen Spieler, die frisch geduscht und gestylt in der Mixed Zone auftauchen. Es gibt aber dort kein Mikrofon, das ihn aufhält. Das war zumindest in der Vorrunde so, aber nach dem 4:2 gegen Griechenland ist das Interesse an Toni Kroos plötzlich erwacht.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Er ist zu einem Spieler geworden, der für Schlagzeilen taugt, allerdings für Schlagzeilen, die nicht so gut ankommen würden in der Nationalmannschaft, und deswegen, so darf man vermuten, ist von Kroos seit ein paar Tagen nichts mehr zu hören. Vor dem Halbfinale am Donnerstag ist der 22 Jahre Mittelfeldspieler des FC Bayern so etwas wie der EM-Verlierer im deutschen Team - und die Aussichten sind nicht sehr groß, dass sich an seiner Lage noch etwas ändert bei diesem Turnier.

          Kroos ist bisher das prominenteste Opfer der großen defensiven Denke bei diesem Turnier. Er ist der dritte Mann im defensiven Mittelfeld, der trotz seiner großen Qualitäten einer zu viel ist für Deutschland. Mit Portugal, Holland, Dänemark, Griechenland und dem Halbfinalgegner Italien könnte es Kroos spielend leicht aufnehmen - aber an Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger führt für den Bayern-Profi kein Weg vorbei.

          Khedira ist in Polen und der Ukraine in der Form seines Lebens - aber Schweinsteiger? Khedira und Schweinsteiger sind für den Bundestrainer der „Motor“ des deutschen Spiels, der die Energie für die Offensive liefert und gleichzeitig die Abwehrbereitschaft hoch hält. Beim 4:2-Sieg am Freitagabend gegen Griechenland liefen die beiden Mittelfeld-Zylinder jedoch nicht mehr rund und gleichmäßig.

          Außenbandriss „ist nicht optimal verheilt“

          Khedira entwickelte eine ungeheure Kraft, mit der er das ganze Feld erfüllte, aber neben der großen Antriebskraft aus Madrid geriet Schweinsteiger ins Stottern. Er wirkte zu langsam im Antritt auf den ersten Metern, er leistete sich ungewohnte Abspielfehler, man sah, wie er nicht nur mit den Griechen, sondern vor allem mit sich selbst zu kämpfen hatte.

          In bemerkenswerter Offenheit erklärte Schweinsteiger nun in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“, dass sein Körper bei der Europameisterschaft längst nicht so mitspielt, wie er sollte. Sein Knöchel macht ihm Sorgen, der Außenbandriss vom Februar „ist nicht optimal verheilt“, wie Schweinsteiger gesteht. Er behauptet jedoch, fit zu sein.

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          Hundertprozentige Fitness hat der Bundestrainer auch zum entscheidenden Einsatzkriterium bei der Europameisterschaft erklärt, Per Mertesacker und Miroslav Klose haben schon erfahren, dass es Löw ernst damit meint.

          „Ich bin ja fit“, sagt Schweinsteiger. „Es ist keine Frage der Ausdauer. Es geht um kleine Bewegungen im Spiel, um Explosivkraft. Ich habe vor dem Griechenland-Spiel nur das Abschlusstraining absolvieren können. Da fehlt einem was. Gegen die Griechen sind mir einige Fehlpässe unterlaufen, die mir sonst nie passieren. Ansonsten war ich zufrieden mit meinem Spiel. Aber die Fehlpässe brennen sich natürlich ein. Das darf einem Spieler wie mir nicht passieren.“

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          Aber trotzdem ist sie nun da, die Fitness-Frage um den großen Anführer der vergangenen Jahre. Und damit auch die noch immer hinter vorgehaltener Hand, aber schon länger geführte Diskussion, ob Schweinsteiger nach seiner Bänderverletzung im Februar bei den Bayern nicht zu schnell wieder in der Bundesliga und der Champions League ran sollte oder wollte (oder beides), um dem Klub zu seinen großen Zielen zu verhelfen - die umgekehrte Robben-Diskussion also, bei der vor zwei Jahren die Bayern beklagten, die holländische Nationalelf habe ohne Rücksicht bei der WM 2010 alles aus dem Bayern-Profi herausgeholt, der danach lange ausfiel.

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