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Auschwitz-Besuch : „Wir wollen ein Symbol geben“

„Es ist sehr wichtig, dass wir ein Symbol geben“: Philipp Lahm Bild: dpa

An diesem Freitag besucht eine DFB-Delegation das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Um einen „würdigen Rahmen“ zu wahren, werden weder Journalisten noch andere Besucher zugelassen sein.

          Es ist ein ernstes, ein sensibles Thema, und so war es kein Wunder, dass Philipp Lahm etwas länger an seinen Sätzen zu feilen schien. Der Kapitän der Nationalmannschaft sollte in Tourrettes über den bevorstehenden Besuch einer Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau sprechen.

          Seit einiger Zeit war über die Details dieses Besuchs im Umfeld der Europameisterschaft, bei der die Deutschen ihr Quartier in Danzig beziehen, hinter den Kulissen beraten worden. Am Mittwoch nun teilte der Verband mit, dass die DFB-Delegation an diesem Freitag, am Morgen nach dem Länderspiel gegen Israel in Leipzig, nach Auschwitz reisen werde, um die dortige Gedenkstätte zu besuchen.

          An Bord der zwei Privatjets, die von Leipzig nach Kattowitz starten, sollen neben Wolfgang Niersbach, dem DFB-Präsidenten, Reinhard Rauball, dem Ligapräsidenten, und anderen hochrangigen Funktionären des deutschen Fußballs auch Bundestrainer Joachim Löw, Teammanager Oliver Bierhoff und die Nationalspieler Lukas Podolski, Miroslav Klose und Lahm sitzen.

          Klose und Podolski sind in Polen geboren. Im Falle Podolskis, so hieß es, sei es dessen ausdrücklicher Wunsch gewesen, an einer solchen Reise teilzunehmen. Zur Delegation gehören ferner Charlotte Knobloch, die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, und Rüdiger Freiherr von Fritsch, der deutsche Botschafter in Polen.

          Lukas Podolski wurde in Polen geboren und wollte den Besuch unbedingt mitmachen

          Lahm nannte es „selbstverständlich“, dass auch er als Kapitän dabei sei. „Es ist sehr wichtig, dass wir ein Symbol geben“, sagte er in Tourrettes, wo das Team am Mittwoch sein zweites Trainingslager beendete. „Auch wenn wir nicht die Generation sind, die verantwortlich ist, wollen wir zeigen, dass wir unsere Geschichte kennen und dafür Verantwortung übernehmen.“ Lahm berichtete zudem von der persönlichen Erfahrung eines Besuchs in der KZ-Gedenkstätte in Dachau.

          Teammanager Bierhoff sagte: „Wir sind uns als deutsche Nationalmannschaft der Verantwortung bewusst, die wir als Vertreter Deutschlands haben, wenn wir nach Polen und in die Ukraine reisen.“ In Tourrettes hatte er einen Informationsabend organisiert, in dessen Rahmen die deutschen Spieler noch einmal einen Überblick über die Historie und die aktuelle politische Situation in den beiden Gastgeberländern erhalten sollten.

          Auch Miroslav Klose hat polnische Wurzeln und gehört der DFB-Delegation an

          Um einen „würdigen Rahmen“ zu wahren, werden bei dem Besuch der Gedenkstätte weder Journalisten noch andere Besucher zugelassen sein. Man wolle daraus „keine PR-Aktion“ machen, betonte Bierhoff.

          Die öffentliche Diskussion um einen Besuch in Auschwitz als verantwortungsbewusste Geste des deutschen Fußballs hatte im März nach einer entsprechenden Äußerung des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, begonnen. Der DFB betonte am Mittwoch, dass intern bereits seit August oder September vergangenen Jahres Überlegungen in diese Richtung gehegt worden seien.

          Das Eingangstor zur Gedenkstätte Auschwitz

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