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2:0 gegen Ungarn : Deutschland mit Luft nach oben

Kurz vor der Halbzeit durften die Deutschen doch noch jubeln. Bild: dpa

Das DFB-Team beginnt munter, verliert aber an Tempo. Am Ende reicht es im letzten EM-Testspiel gegen Ungarn zu einem verdienten 2:0. Doch es gibt auch Schrecksekunden zu überstehen.

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          Genau eine Woche ist es noch hin, bis die deutsche Mannschaft in die Europameisterschaft startet. In Lille ist die Ukraine am Sonntag der erste Gegner. Die Zeit der großen Experimente ist also vorbei. Und tatsächlich ließ sich am Samstagabend, beim 2:0 gegen Ungarn, gut vorstellen, dass Joachim Löws Team zum Auftakt personell auch so aussehen könnte, wie es den letzten Test in Gelsenkirchen begann. Löws zentrale Botschaft aber war, dass die Vorstellung einer Stammelf ohnehin irrig sei: Ein erfolgreicher Weg durch die EM sei nur in wechselnden Besetzungen und Varianten möglich.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          „Es ist gut, wenn man nicht immer mit der gleichen Mannschaft spielt“, sagte der Bundestrainer und verwies auf die besonderen Anforderungen, gerade zu Beginn. „Dieses Turnier wird schwer und kräftezehrend“, sagte er. „Das werden gerade in der Vorrunde Abnutzungskämpfe – wie vielleicht noch nie bei einer EM. Da ist es wichtig, dass man Spieler hat, die frisch sind, die auch läuferisch und kämpferisch überzeugend sind neben der spielerischen Klasse, die wir haben.“

          Die Ungarn wehrten sich mit Präsenz in den Zweikämpfen. Bilderstrecke
          Die Ungarn wehrten sich mit Präsenz in den Zweikämpfen. :

          Gegen Ungarn zeigte sein Team eine ordentliche Leistung, besaß aber noch genug Luft nach oben, was einen Tag nach der Rückkehr aus dem Trainingslager nicht verwunderlich war. Ein Eigentor des Ungarn Adam Lang brachte die Deutschen nach 39 Minuten in Führung, Thomas Müller erhöhte auf 2:0 (63.). „Der Sieg gibt Stabilität und ein gutes Gefühl“, sagte Löw. „Die Mannschaft hat sich ein Stück weit gefunden. Ein paar Dinge müssen wir aber noch nachjustieren.“ Gegen Ende durfte wie erwartet Bastian Schweinsteiger gut 20 Minuten lang mithelfen, den Vorsprung zu verwalten. Das Ungarn-Spiel war für den Kapitän, dessen letztes Spiel für Manchester United von Ende März datiert, ein Anfang, mehr nicht. „Der erste Schritt war wichtig“, sagte Löw über Schweinsteiger. „Er gibt der Mannschaft mit seiner Persönlichkeit eine gewisse Sicherheit.“

          Ob und wann Schweinsteiger EM-Form erreichen kann, das wird eine Frage für die nächsten Tage und Wochen sein. Auch ohne Schweinsteiger besaß Löws Startelf starke weltmeisterliche Anklänge. Nur die beiden Abwehrkräfte Jonas Hector und Antonio Rüdiger waren in Brasilien nicht dabei gewesen. Hector verteidigte, wie inzwischen gewohnt, auf der linken Seite, Rüdiger spielte an Stelle des verletzten Mats Hummels neben Boateng in der Innenverteidigung, rechts in der Viererkette begann Benedikt Höwedes. Den nach Marco Reus‘ Ausfall vakant gewordenen Platz auf der linken Außenbahn bekam Julian Draxler, ganz vorn setzte Löw wieder auf die Variante „falsche Neun“ mit Mario Götze.



          Gleich mit dem ersten Angriff überforderte das deutsche Team die ungarische Defensive – aber auch das Schiedsrichtergespann. Draxler, der den Ball ins Tor schoss, stand keineswegs abseits, nachdem Khedira und Götze exzellente Vorarbeit geleistet hatten. Auch danach sah es noch ein paarmal flott aus, als die Deutschen sich Richtung Tor zu kombinieren versuchten. Boateng schlug präzise Diagonalbälle, Hector unterstützte die Offensive, und vor allem Draxler, Götze und Müller zeigten gute Ansätze. Einen Schuss von Müller lenkte Torwart Kiraly gerade noch ans Außennetz, beim folgenden Eckball lag Rüdiger mit einem Kopfball aus bester Position daneben.

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          Doch dann war es vorbei mit der deutschen Herrlichkeit. Die Ungarn besaßen durch Kapitän Dzsudzsak (14.) und Szalai (27.) gute Möglichkeiten. Löws Team fehlte es nun an Tempo aus dem Zentrum, wo Toni Kroos sich nach dem Champions-League-Finale am vergangenen Wochenende noch in Zurückhaltung übte und Khedira einiges zu wünschen übrig ließ. Hier wird dringend eine Steigerung vonnöten sein. Zur Führung reichte es dann dennoch, weil Hector – allerdings aus Abseitsposition – den Ball von links so gefährlich hereinbrachte, dass Lang den Ball kurz vor Götze ins Tor lenkte. Dass die zweite Halbzeit mit Jerome Boateng beginnen konnte, war eine gute Nachricht für Löw.

          Der Abwehrchef hatte sich schon nach fünf Minuten an die Leiste gegriffen und musste behandelt werden. Doch er kam zurück und hielt durch. Anders als Khedira, der angeschlagen in der Kabine blieb. Für ihn kam Mario Gomez – was bedeutete, dass Götze auf die „Zehn“ rückte, und Özil nach hinten an die Seite von Kroos. Zudem brachte der Bundestrainer Can für Hector.

          Die Deutschen dominierten weiter, doch anders als zu Beginn kamen sie nicht zu nennenswerten Chancen. Nach einer Stunde wurde der frühere Schalker Draxler mit Applaus verabschiedet, Schürrle durfte sich versuchen. Beim 2:0 konnte Kiraly einen Kopfball von Gomez nur unzureichend abwehren, Müller war zur Stelle – wieder hatten die Schiedsrichter eine Abseitsstellung übersehen. Der Rest des Spiels diente vor allem weiteren Wechselspielen: Schweinsteiger und Sané kamen für Kroos und Müller, zu guter Letzt bekam auch Podolski noch ein paar Minuten.

           

           

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