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Cristiano Ronaldo : Reich, schön und gut

Der mit dem Ball tanzt: Cristiano Ronaldo ist einer der besten Fußballer der Welt Bild: dpa

Der Beau Cristiano Ronaldo wäre der beste Fußballer - wenn es den kleinen, blassen Lionel Messi nicht gäbe. Beim ersten Tor fiel seine Mutter in Ohnmacht, später schauten 80.000 zu, wie er winkte und einen Ball jonglierte. Teil 7 des FAZ.NET-EM-Countdowns.

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          Wer heute nach Madeira im Atlantischen Ozean kommt, um die Ursprünge von Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro zu erkunden, wird enttäuscht. Das Geburtshaus des berühmtesten Sohnes der Insel, die fast tausend Kilometer südwestlich vor der portugiesischen Küste liegt, ist keine herausgeputzte Pilgerstätte – es existiert gar nicht mehr. Dort wuchern inzwischen Büsche. Das verwaiste Gebäude in der Hauptstadt Funchal, wo er aufwuchs, ließen die Behörden aus Angst vor Hausbesetzern 2007 abreißen.

          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Mancher lässt sich davon allerdings nicht beirren und kommt zu einem eher trostlosen Fußballplatz im Vorort Andorinha. Hier machte der kleine Cristiano seine ersten Schritte, hier trat er zum ersten Mal gegen einen Ball – kein Wunder, die Familie lebte auf dem Vereinsgelände. Vater José Dinis Aveiro war Platz- und Zeugwart. Als der Junior früh schon Erwachsene alt aussehen ließ, wechselte er zum großen Klub der Insel, zu Nacional Funchal. Damals war er elf.

          „Auf der einen Seite hatte ich eine glückliche Kindheit, auf der anderen Seite war sie ungewöhnlich, weil ich meine Familie verließ und nach Lissabon ging als ich zwölf war.“ Mit diesem Zitat und der Reise an den Platz seiner Jugend beginnt das lesenswerte Buch von Luca Caioli, das vor kurzem erschien und schlicht „Ronaldo“ heißt. Dem Sporting Clube de Portugal aus der Hauptstadt war das Talent, das auf der Blumeninsel heranwuchs, nicht verborgen geblieben; er verpflanzte es kurzerhand in seine ausgezeichnete Jugendabteilung.

          Manchester United verpflichete ihn nach einem Freundschaftsspiel direkt für 17 Millionen Euro
          Manchester United verpflichete ihn nach einem Freundschaftsspiel direkt für 17 Millionen Euro : Bild: AP

          Der Tag, an dem er Madeira verließ, rief ambivalente Gefühle beim kleinen Cristiano hervor, später bezeichnete er ihn als den traurigsten und schönsten in seinem Leben. Er hatte ein Ziel: Profifußballer. Doch der Anfang war schwer. Nicht nur das Heimweh plagte ihn, die neuen Mitspieler waren nicht nur Konkurrenten auf dem Weg zum Ziel, sie hänselten ihn auch wegen seines Dialekts. Die Schule brach er nach der mittleren Reife ab.

          Entscheidend aber war nur eines: Leistung auf dem Fußballplatz. Und Ronaldos Spiel entwickelte sich rasant, sodass er im September 2002 erstmals in der ersten portugiesischen Liga auflief.

          Alex Ferguson formte Ronaldo zu einem Spieler, der nicht nur den Gegner mit Tricks vorführen will
          Alex Ferguson formte Ronaldo zu einem Spieler, der nicht nur den Gegner mit Tricks vorführen will : Bild: dapd

          Während das Debüt noch eine Randnotiz war, schoss sich der Mittelfeldspieler im zweiten Spiel eine Woche später mit einem Traumtreffer ins Bewusstsein der Zuschauer. Weit in der eigenen Hälfte kam er an den Ball, ließ auf dem Weg zum Tor drei Gegner ins Leere laufen – und traf unhaltbar gegen Aufsteiger Moreirense zur Führung.

          Siebzehn Jahre, acht Monate und zwei Tage war Ronaldo, der nach dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan benannt wurde, damals alt. Er riss sich das Trikot vom Körper und lief vor die Tribüne. Auf der saß die stolze Mutter Maria Dolores dos Santos – und fiel in Ohnmacht.

          Im Viertelfinale der EM 2008 stoppte die deutsche Abwehr den Portugiesen erfolgreich
          Im Viertelfinale der EM 2008 stoppte die deutsche Abwehr den Portugiesen erfolgreich : Bild: AFP

          Zum Glück war es nur ein kleiner Schwächeanfall. Der Vater verfolgte das Spiel, in dem sein Sohn auch das 3:0 schoss, nur im Radio, weil auch CF Andorinha spielte. Die Presse hob Cristiano in schwindelerregenden Höhen, die Gazzetta dello Sport nannte den flinken Jungen von Madeira schon den „neuen“ Ronaldo.

          Da ahnte niemand, dass nur ein weiterer Treffer für Sporting folgen sollte, obwohl der Jungspund, der erst im Februar 2003 volljährig wurde, 25 Spiele machte. Vor der nächsten Saison traf Manchester United in Lissabon an – zum teuersten Freundschaftsspiel, das es je gegeben hat. Ronaldo führte die Stars des englischen Meisters derart vor, dass diese ihrem Trainer Alex Ferguson noch in der Kabine rieten: sofort kaufen!

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