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Portugals Einzelkritik : Geduldiger Ronaldo, Ballverteiler Sanches

Bild: Reuters

Im EM-Halbfinale gegen Wales bleibt Cristiano Ronaldo erst cool, um sich dann umso mehr aufzuregen. Doch am Ende belohnt sich der beste Portugiese selbst. Auch ein Youngster überzeugt. Und schließlich trifft sogar ein Geist.

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          Rui Patricio: Insgesamt drei Schüsse musste Portugals Torhüter im Halbfinale entschärfen – allesamt von Gareth Bale. Im persönlichen Duell mit dem Superstar der Waliser musste sich Patricio aber nur einmal richtig strecken. Alle anderen Gelegenheiten konnte er im Stehen vereiteln oder sich auf seine gut stehende Defensive verlassen.

          Sebastian Reuter
          (sreu.), Online-Redakteur/in vom Dienst

          Cédric Soares: Im Viertelfinale gegen Polen leistete sich der Außenverteidiger früh im Spiel einen schlimmen Fehler, der Portugal in Rückstand brachte. Diesmal blieb Cédric fehlerfrei und nahm gemeinsam mit seinem Verteidiger-Kollegen die walisische Offensive zumeist aus dem Spiel. Im Angriff war Soares dagegen nie zu sehen. Was bei dem zerstörerischen Spiel der Portugiesen aber auch eigentlich nicht vorgesehen ist.

          Bruno Alves: Rückte für den verletzten Pepe erstmals bei dieser EM ins Team der Portugiesen und ersetzte den Abwehrchef mit Bravour. Der 34-Jährige hielt die Defensive mit all seiner Routine und Übersicht zusammen und nahm vor allem den walisischen Stürmer Robson-Kanu so gut wie komplett aus dem Spiel. Sorgte mit einem krassen Fehler kurz vor Schluss zwar fast noch für die Chance auf den Anschlusstreffer, doch das interessierte am Ende nicht mehr.

          José Fonte: Im Gegensatz zu Alves mit einigen Unsicherheiten – vor allem im Aufbauspiel. Dagegen war der Innenverteidiger bei Standardsituationen der Portugiesen deutlich gefährlicher als viele seiner Teamkollegen. Hatte in der zweiten Halbzeit einen eigenen Treffer auf dem Kopf, doch Wales Torhüter Hennessey vereitelte die Chance.

          Raphael Guerreiro: Der künftige Dortmunder ließ sich in der Anfangsphase einmal von Gareth Bale überlaufen, allerdings ohne Folgen. Danach fand der Außenverteidiger immer besser in die Partie und erledigte seine defensiven Aufgaben gewissenhaft. Könnte allerdings offensiv etwas mutiger werden.

          Danilo Pereira: Im defensiven Mittelfeld erledigte der Spieler des FC Porto seine Aufgaben zumeist unaufgeregt. Überzeugte zudem als Passgeber auf die stürmenden Ronaldo und Nani. Wurde mit der Führung im Rücken im zweiten Durchgang offensiver – und hatte kurz vor dem Ende die größte Chance auf das dritte portugiesische Tor.

          Joao Mario: Hatte nach einer Viertelstunde die beste portugiesische Gelegenheit der ersten Halbzeit. Dass auch dieser Schuss sein Ziel am Ende deutlich verfehlte, sagt alles über die Qualität der ersten 45 Minuten aus. Hätte nach einer Stunde auch das dritte portugiesische Tor erzielen können. Verfehlte aber knapp.

          Adrien Silva: Machte im Gegensatz zu Nebenmann Joao Mario ein sehr unauffälliges Spiel. Legte seine Aufgabe im linken Mittelfeld ziemlich defensiv aus – was nichts Schlechtes bedeutet. Hielt Sanches, Ronaldo und Nani den Rücken frei und erstickte mit souverän geführten Zweikämpfen zahlreiche walisische Angriffe bereits im Keim.

          Renato Sanches: Gegen Polen machte der künftige Spieler des FC Bayern noch mit seinen offensiven Qualitäten auf sich aufmerksam. Im Halbfinale gegen Wales waren aber vor allem die Abwehrkünste des 18-jährigen gefordert. Erledigte auch diese Aufgabe bravourös und machte später, als sich die Räume öffneten, auch als Ballverteiler mit Übersicht auf sich aufmerksam. Die Bayern dürfen sich auf einen starken Spieler freuen.

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          Nani: Wirkte zumeist wie ein Fremdkörper. Harmonierte mit Cristiano Ronaldo in keinster Weise, konnte auch nicht mit Einzelaktionen überzeugen und war eigentlich gar nicht auf dem Platz. Nach 53 Minuten stand der Stürmer dann aber doch einmal dort, wo ein richtiger Angreifer zu stehen hat – und verwertete eine Ronaldo-Vorlage zum vorentscheidenden 2:0. Hat am Ende also alles richtig gemacht.

          Cristiano Ronaldo: Wieder einmal störten begeisterte Fans die Konzentration des Superstars, wieder einmal reagierte Ronaldo souverän – und mit einem Lächeln. Danach hatte der Stürmer, der es als erster Spieler dreimal in ein EM-Halbfinale geschafft hat, aber erst einmal allen Grund sich aufzuregen, als ihm erst ein Freistoß, dann auch noch ein Elfmeter verwehrt wurde. Blieb im Anschluss aber bemüht und geduldig – und wurde nach 50 Minuten belohnt: Köpfte nach einer Ecke das 1:0 – aus einer Höhe von 2,53 Metern. Kurz darauf legte er dann auch noch das zweite portugiesische Tor auf. Man of the Match, wieder einmal. Und das zurecht.

          André Gomes: Kam eine Viertelstunde vor dem Ende für Renato Sanches. Hielt sich im Gegensatz zu dem Youngster aber deulich zurück und verwaltete gemeinsam mit seinen Teamkollegen den komfortablen Zwei-Tore-Vorsprung.

          Joao Moutinho: Ersetzte Adrien Silva nach 80 Minuten. Fiel nicht mehr auf.

          Ricardo Quaresma: Durfte kurz vor Schluss Nani ersetzen und noch wenige Minuten Halbfinal-Luft schnuppern.

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