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Eriksen-Kollaps in Dänemark : Ein dramatischer Abend bei der EM

Die dänischen Fußballer bilden einen Kreis um ihren Mitspieler Bild: Picture-Alliance

Im EM-Spiel gegen Finnland bricht der Däne Christian Eriksen plötzlich zusammen. Ärzte kämpfen um sein Leben. Als klar ist, dass es ihm besser geht, spielen die Teams nach schockierenden Bildern weiter.

          4 Min.

          Die Bilder, die am Samstagabend aus dem Parken Stadion in Kopenhagen geschickt wurden, werden allen, die sie gesehen haben, wohl für immer in Erinnerung bleiben. Es sollte ein Fußballfest werden, eine Annäherung an die bekannte Normalität, die es vor der Corona-Pandemie gab. Stattdessen erlebten alle, im Stadion und vor den Bildschirmen, beim Spiel zwischen Dänemark und Finnland bei der Europameisterschaft eine schockierende Zeit: Der dänische Mittelfeldstar Christian Eriksen brach kurz vor der Halbzeit auf einmal zusammen und blieb reglos auf dem Rasen liegen.

          Fußball-EM
          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Seine Mitspieler erfassten den Ernst der Lage zuerst. Eilig winkten sie Ärzte herbei, damit diese dem 29 Jahre alten Spieler von Inter Mailand helfen. Auf den Fernsehbildern war zu sehen, wie medizinische Helfer lebensrettende Maßnahmen per Herzmuskelmassage einleiteten. Dabei formierten sich die geschockten dänischen Spieler um Eriksen, um keinen Blick auf die schlimme Szenerie zuzulassen. Einige blickten zu Eriksen und den Ärzten, andere wollten nicht hinschauen. Einige hatten Tränen in den Augen, als klar war, dass es hier einzig und allein um das Überleben ihres Mannschaftskameraden ging. Auch Eriksens Freundin eilte in den Innenraum.

          Die Zuschauer versuchten es zunächst mit Sprechchören. Als sie aber den Ernst der Lage erkannten, verstummten sie nach kurzer Zeit. Auch unter ihnen war der Schock groß ob des tragischen Vorfalls am zweiten Tag der EM. Das Spiel wurde zunächst unterbrochen, aufgrund eines „medizinischen Vorfalls“, wie die Europäische Fußball-Union (Uefa) mitteilte. Nach der bangen Minuten und der Behandlung wurde Eriksen auf einer Trage, abgeschirmt von Sichtschutz und begleitet von den Mitspielern vom Rasen in die Katakomben gebracht. Die Fans wurden zunächst gebeten, auf ihren Sitzen zu bleiben, „bis es weitere Informationen gibt“.

          „Wir hatten Kontakt. Es geht ihm gut.“

          Knapp eine Stunde nach dem schockierenden Vorfall gab der dänische Fußball-Verband bekannt, dass der Spieler bei Bewusstsein sei. „Christian Eriksen ist wach und ist zu weiteren Untersuchungen im Reichskrankenhaus“, teilte die Dansk Boldspil-Union (DBU) mit. „Wir haben Kontakt mit Christian gehabt, und die Spieler haben mit ihm gesprochen. Es geht ihm gut“, sagte DBU-Direktor Peter Møller, dem Sender DR. Im Stadion gab es Applaus, als den Zuschauern die Nachricht mitgeteilt wurde. Der Agent des Spielers sagte nach einem Gespräch mit dem Vater, dass Eriksen am Abend atmen und sprechen konnte.

          Das Spiel wurde von der Uefa auf Wunsch beider Teams nach mehr als 90 Minuten Unterbrechung beim Stand von 0:0 fortgesetzt. Vor Wiederanpfiff stellten sich die dänischen Spieler und Betreuer in einem Kreis auf und sprachen sich mit Trainer Kasper Hjulmand unter dem Applaus der Fans Mut zu. Mathias Jensen hatte die schwere Aufgabe, Eriksen zu ersetzen. „Momente wie diese relativieren alles im Leben. Ich wünsche Christian eine vollständige und schnelle Genesung und bete, dass seine Familie Kraft und Glauben hat“, wurde Uefa-Präsident Aleksander Ceferin auf Twitter zitiert.

          „Wir hatten zwei Optionen: Das Spiel fortzusetzen oder morgen um 12.00 Uhr zu spielen. Jeder wollte heute weiterspielen. Was die Spieler geleistet haben, war unglaublich“, sagte Hjulmand nach dem Abpfiff und wies zurück, dass die Teams von der Uefa zur Fortsetzung gedrängt worden seien. „Die Spieler waren sich sicher, heute nicht mehr schlafen zu können. Es war besser, zu sagen: Wir bringen es jetzt hinter uns.“ Die Spieler seien „komplett durch und emotional erschöpft.  Ich könnte nicht stolzer auf meine Spieler sein. Was sie geleistet haben, war unglaublich#.“

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