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Eriksen-Drama im EM-Spiel : Gerührt, erleichtert und stolz auf die Spieler

Die dänischen Fans im Stadion bangten um das Leben von Christian Eriksen. Bild: AFP

Der Zustand des dänischen Profis Christian Eriksen, der auf dem Spielfeld wiederbelebt werden musste, ist stabil. Der Trainer sagt, dass es falsch war, das EM-Spiel noch am Samstag fortzusetzen.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          „Es war eine große Erleichterung, Christian lächeln zu sehen“, sagte Kasper Hjulmand auf Dänisch, „und das macht es überhaupt nur möglich, hier zu sitzen.“ Der dänische Fußballverband hatte für 15.00 Uhr zu einem monothematischen Video-Call mit Teamarzt, Trainer und Sportdirektor eingeladen; natürlich ging es nur um ihren Spieler Christian Eriksen.

          Fußball-EM

          Und man sah Nationaltrainer Hjulmand und Fußballdirektor Peter Møller an, wie froh sie waren, dass sie am Sonntagvormittag in Eriksens offenbar fröhliches Gesicht hatten schauen dürfen. „Wir saßen mit der Mannschaft zusammen und haben mit Christian im Krankenhaus gesprochen. Es hat der Mannschaft einen Riesenschub gegeben, Christian auf dem Bildschirm zu sehen. Er fragte dann, wie es uns geht – als wäre mit ihm gar nichts geschehen. Das ist typisch Christian. Bei ihm geht es zuerst um die anderen, dann um ihn. Er ist ein großer Fußballspieler und ein großer Mensch“, sagte Hjulmand.

          Die drei Männer waren gerührt und sehr erleichtert, dass es gelungen war, den 29 Jahre alten Profi am Samstagabend „zurückzuholen“, wie Teamarzt Morten Boesen es ausdrückte. Boesen berichtete auch von Eriksens stabilem Zustand im Kopenhagener Reichshospital, das zum Glück nur einige hundert Meter vom Nationalstadion „Parken“ entfernt ist. Während Eriksen an der Seitenlinie noch eine Herzmassage erhielt, war die weitere Behandlung im Krankenhaus schon vorbereitet. Alles ging schnell und Hand in Hand. Zur Diagnose machte Boesen keine Angaben. Eriksen werde weiter untersucht. Bislang gebe es keine Erklärung für seinen Zusammenbruch.

          „Das rührt und stärkt uns“

          Aber gerade Møller und Hjulmand wagten auch schon den Blick nach vorn. „Die Welle der Anteilnahme aus der ganzen Welt und auch von unserem hochgeschätzten Könighaus rührt und stärkt uns“, sagte Møller, „ich fühle mich an die Europameisterschaft 1984 erinnert, als im Auftaktspiel Allan Simonsen das Bein brach; er hatte eine ähnlich zentrale Rolle wie Christian. Wir spielten danach auch gegen Belgien, sammelten uns und spielten eine tolle EM. Und so ist es auch für uns. Das Leben geht weiter – das klingt hart, aber so ist das. Vielleicht ist das, was uns passiert ist, ein Sprungbrett für alles Weitere. Wir haben einen fantastischen Zusammenhalt in dieser Gruppe.“ Dänemarks sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bedankte sich am Sonntag bei allen im Stadion Anwesenden für Hilfe und Haltung.

          Für die Dänen geht es am Donnerstag in der Gruppe B gegen Belgien weiter, am kommenden Montag wartet Russland, und man fragt sich, wie Hjulmand die Mannschaft auf die weiteren Aufgaben vorbereiten will. Er holte etwas weiter aus, als er sagte: „Einige Spieler haben am Samstag unglaublich schnell reagiert. Ich kann diese Mannschaft nur loben, loben, loben. Wir haben uns als Dänemark von unserer besten Seite gezeigt. Viele Teams und Unternehmen haben Werte irgendwo auf einem Plakat stehen – wir leben sie wirklich. Wir haben gezeigt, dass Fußball trotz aller finanziellen Auswüchse auch Mitgefühl und Liebe bedeuten kann.“

          Weiter sagte er: „Und jetzt müssen wir die Spieler aufbauen für Donnerstag. Wir hatten noch am Abend ein Teamtreffen im Hotel, und jeder konnte seine Gedanken formulieren. Wir hatten Krisenpsychologen dabei. An diesem Sonntag werden wir nicht trainieren, aber ab Montag soll so viel Normalität wie möglich zurückkehren. Wir müssen den richtigen Weg finden. Aber ich habe keine Ahnung, wie ihre Gefühle in den nächsten Tagen sind.“ Die Unterstützung der Krisenpsychologen würden seine Mannschaft und der Stab weiter in Anspruch nehmen, sagte Hjulmand.

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