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Rücktritt als Bundestrainer : Löw macht den Weg endlich frei

  • -Aktualisiert am

Nach der Fußball-EM im Sommer endet die Zeit von Joachim Löw als Bundestrainer. Bild: Picture-Alliance

Im besten Fall setzt der zu späte Rücktritt als Bundestrainer bei Joachim Löw jene Kräfte frei, die für ein ordentliches Abschneiden bei der EM nötig sind. Im schlimmsten Fall wird es ein weiteres Desaster.

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          So überraschend und urplötzlich am Dienstagvormittag die Nachricht die Runde machte, dass Joachim Löw nach der Europameisterschaft als Bundestrainer zurücktreten wird – dass sich etwas anbahnte, hatte sich angedeutet. Schließlich hatte Löw zuletzt selbst durchblicken lassen, dass man abwarten müsse, ob er nach der EM noch genügend Kraft aufbringen könne, um das nächste Projekt, die WM 2022, angehen zu können.

          Erst am Wochenende hatte er gesagt, dass die besonderen Umstände der Corona-Pandemie eine Pause vom Umbruch in der Nationalmannschaft nötig machen. Damit war die Rückkehr des seit Monaten überragenden Thomas Müller in die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) quasi beschlossene Sache, auch ein Einsatz von Mats Hummels und Jerome Boateng ist wieder denkbar – jenes Trio, das der Bundestrainer ein halbes Jahr nach der WM 2018 vor die Tür gesetzt hatte. Nun aber strebte er plötzlich doch an, mit der aktuell bestmöglichen Mannschaft zur EM zu fahren.

          Mit der Rücktrittsankündigung entgeht Joachim Löw der heiklen Voraussetzung, dass nur ein sehr gutes Abschneiden bei der Europameisterschaft ihm überhaupt noch eine Zukunft beim Deutschen Fußball-Bund ermöglichen würde – angesichts der Vorrundengegner Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal sowie den Auftritten der deutschen Mannschaften gegen Weltklassegegner in den vergangenen Jahren eine riskante Rechnung mit sehr vielen Unbekannten. Es geht Löw um den bestmöglichen Abschied nach 17 Jahren und darum, das Gesicht zu wahren – nach außen wirkt es so, als habe er bis zum Schluss die Entscheidungshoheit besessen.

          Letztlich macht Löw den Weg frei, auch wenn er den besten Zeitpunkt dafür längst verpasst hatte. Dass sein Vertrag schon vor der WM 2018 überraschend um weitere vier Jahre verlängert worden war, hatte sich als großes Problem erwiesen, weil sich der finanziell wegen der Aufarbeitung des Sommermärchens, einiger Steuerverfehlungen und dem Bau der Akademie finanziell stark belastete Deutsche Fußball-Bund eine vorläufige Trennung kaum leisten konnte. Als noch viel größeres Problem erwies sich, dass Löw nach dem Desaster bei der WM in Russland tatsächlich glaubte, trotzdem der richtige Mann für Neuaufbau und Umschwung zu sein.

          Frischer Wind, neue Ideen und eine dringend nötige andere Ansprache fehlten deshalb seit 2018 zwangsläufig, fehlten aber im Grunde schon seit dem WM-Sieg 2014. Das spiegelte sich seitdem in den Ergebnissen wider, und Seriensiege über deutlich schwächere Nationen führten zu einer gewaltigen Selbsttäuschung.

          Der Höhepunkt einer großen Ära als Bundestrainer: Joachim Löw mit dem WM-Pokal 2014 in Rio de Janeiro Bilderstrecke
          Der Bundestrainer tritt ab : Die Ära des Joachim Löw in Bildern

          Im besten Fall setzt der nun angekündigte Rücktritt auch bei Löw genau jene Kräfte frei, die für ein ordentliches Abschneiden bei der Europameisterschaft nötig sind – im schlimmsten Fall aber wird es ein weiteres Desaster. Dem Bundestrainer wäre es trotz der quälenden Jahre seit dem goldenen Triumph von Rio nach dann 17 Jahren bei der Nationalmannschaft zu gönnen, einen gelungenen Abschied von der großen Bühne zu feiern.

          Und vielleicht wendet sich nun alles auch noch zum Guten. Für viele deutsche Fans wäre Jürgen Klopp der ideale Nachfolger, und auch in Liverpool deuten die Zeichen derzeit eher auf ein vorzeitiges Ende hin. Das schwer verständliche Festhalten des DFB an Löw sähe plötzlich wie ein geschickter Plan aus – was sich zwar ausschließt, aber eine wundersame Wendung wäre.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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