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Serie über DFB-Frauen : Das Licht anknipsen

Das Plakat zur Serie Bild: ARD

Geschichten von Hingabe und Qual, von Liebe und Übergriffen: Eine TV-Dokumentation gewährt Einblicke in die Leben der deutschen Fußball-Nationalspielerinnen – und stellt das „Sommermärchen“ in den Schatten.

          2 Min.

          Almuth Schult erduldet die Anstrengungen mit Mühe. Sie schimpft und ist der Verzweiflung nahe, wirft sich aber dennoch in jeden Schuss und auf den vom Nieselregen aufgeweichten Rasen, auch wenn ihr der Ball wiederholt unter den Händen hindurchgleitet. Ihren Wiedereinstieg in den Trainingsbetrieb hat sich die heute 31-Jährige leichter vorgestellt, wesentlich weniger schmerzhaft. „Es ist schon brutal, wenn sich der Körper von Schwangerschaft wieder auf Leistungssport umstellen muss“, erzählt die Torhüterin des VfL Wolfsburg später mit stockender Stimme vor der Kamera – und wischt sich mit dem Finger eine Träne weg, die ihr aus dem rechten Auge kullert. „Da denkst du dir erst mal, was du für einen bescheuerten Beruf hast.“

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Tatsächlich ist die Hingabe, mit der die Nationalspielerin bei ihrem Comeback schuftet, um wieder auf ein erstklassiges Niveau zu kommen, beispielhaft. Zumal sie als Mutter von Zwillingen ohnehin einen Alltag bewältigen muss, der sie an die Grenzen der Belastbarkeit führt.

          Mehr Tiefe als das „Sommermärchen“

          Die Dokumentation „Born for this – Mehr als Fußball“ gewährt den Einblick in Schults Gefühlswelt und den ihrer Mitspielerinnen im DFB-Trikot. Die in Kooperation mit Warner Bros. produzierte Serie wird von diesem Mittwoch an, wenn in England die Europameisterschaft beginnt, von ARD, Sky und Magenta TV parallel ausgestrahlt – und geht ungleich mehr in die Tiefe als die „Sommermärchen“-Story, die Sönke Wortmann verantwortete, der 2006 das Männer-Team von Jürgen Klinsmann begleitete und nur einfing und ausstrahlte, was Verband und Bundestrainer gestatteten.

          Inzwischen sind die Bedingungen andere. Restriktionen, was sie drehen durften, gab es keine, berichteten Martina Hänsel und Björn Tanneberger bei der Vorstellung ihres Werks in einem Frankfurter Kino. Getreu dem Motto, das ein gut gemachter Film die Protagonisten zum Leuchten bringen muss, aber sie eben auch schmerzen darf, machte sich das Regisseur-Duo seit Frühjahr 2021 ans Werk und begleitete die Frauen in den vergangenen 400 Tagen intensiv. Es begann mit Einzelgesprächen, in denen das Konzept erläutert wurde, und es entwickelte sich durch das permanente Wiedersehen eine enge Zusammenarbeit, die nicht zu dem Fehler führte, aus falsch verstandener Vertraulichkeit Dinge gezielt schöner zu präsentieren, als sie sind, sondern auch Raum lässt für Brüche und Unstimmigkeiten. Dadurch zeichnet das Team ein aufschlussreiches Eigenbild, bei dem Probleme nicht ausgespart werden: So schildert Assistenztrainerin Britta Carlson das Verhalten von Funktionären, die sie betatscht haben. „Was ein No-Go ist“, wie die 44-Jährige beklagt.

          „Wir wollten das Licht anknipsen“, benannte Hänsel die Beweggründe für das Projekt, „um Persönlichkeiten zu zeigen“, die in der (Sport-)Öffentlichkeit noch immer zu wenig Aufmerksamkeit erhielten.

          Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg gefiel die Premiere, für die sie die EM-Vorbereitung kurz unterbrach: „Großes Kino: Das ist ehrlich, authentisch, leidenschaftlich und voller Liebe.“ Bislang sind die ersten drei Folgen fertig. Die Fortsetzung wird während der EM aktuell produziert.

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