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Handspiel im EM-Halbfinale : Schweinsteiger geht als geschlagener Mann

Die Szene des Spiels: Bastian Schweinsteigers Handspiel führt zum 1:0 für Frankreich. Bild: Reuters

Bastian Schweinsteiger wird im EM-Halbfinale zum Rekordmann – und zum Verlierer. Das unnötige Handspiel leitet die deutsche Niederlage ein. Sein 38. Einsatz bei einem großen Turnier könnte sein letzter gewesen sein.

          2 Min.

          Es wurde ein trister Rekord. Bei Anpfiff des Halbfinals Frankreich gegen Deutschland am Donnerstagabend war Bastian Schweinsteiger ein Mann für die Geschichtsbücher. Mit seinem 38. Einsatz bei einer Welt- und Europameisterschaft hat er nun einen mehr als Miroslav Klose und zwei mehr als Lothar Matthäus und Paolo Maldini. Und das mit erst 31 Jahren. Doch am Ende war der grauhaarigste deutsche Nationalspieler seit Erfindung des Farbfernsehens der Verlierer des Abends und, aus deutscher Sicht, auch dieser EM. Dem Rückstand durch den von ihm ohne Not verursachten Handelfmeter kurz vor der Pause lief der Weltmeister bis zum Ende vergebens hinterher.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Natürlich“, hatte Joachim Löw am Abend zuvor in Marseille erklärt, werde Schweinsteiger gegen Frankreich spielen. So natürlich hatte diese Wahl zuvor allerdings nicht ausgesehen. Am Montag hatte Löw noch betont, dass er nur Spieler einsetzen würde, die „hundertprozentig“ fit seien. Schweinsteigers kleine Verletzung aus dem Viertelfinale muss demnach sehr schnell auskuriert gewesen sein. „Er hat gegen Italien gezeigt, dass er die Kraft hat, die Physis“, so Löw. „Gerade in einem Hexenkessel wie hier in Marseille ist seine Erfahrung enorm viel wert.“

          27 Grad bei Anstoß um 21 Uhr schienen nach den 105 Minuten gegen Italien, als er für den lädierten Sami Khedira gekommen war, den konditionellen Voraussetzungen des zuvor lange verletzten deutschen Kapitäns in seinem ersten Starteinsatz seit Monaten nicht gerade entgegen zu kommen. Doch in der ersten Halbzeit bot er im dominant auftretenden deutschen Team 45 Minuten lang eine gute Leistung. Nach der französischen Drangphase der ersten fünf Minuten wagte er sich immer öfter in die gegnerische Hälfte. Nach 26 Minuten sogar bis zum äußersten linken Flügel, wo er den Ball behauptete und im weiteren Verlauf des Angriffs zu einem schönen Schuss aus dem Rückraum kam, bei dem Torwart Hugo Lloris den rechten Arm ganz lang machen musste.

          Auch defensiv agierte Schweinsteiger zunächst tadellos. Er verhinderte einen gefährlichen Konter der Franzosen, als er knapp hinter der Mittellinie einen Steilpass knapp vor Olivier Giroud abfing (30.). Dann drängte er Antoine Griezmann so weit ab, dass der Franzose nur noch einen schlechten Schusswinkel fand und aus halblinker Position nur das Außennetz traf (41.). Mit 49 Ballkontakten und einer Erfolgsquote von 94 Prozent beim Passspiel hatte Schweinsteiger die Bestwerte aller Spieler. Doch sein fünfzigster Ballkontakt geriet fatal.

          In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit flog ein französischer Eckball auf Außenverteidiger Patrice Evra zu, mit 1,73 Metern im Kopfballduell mit dem zehn Zentimeter größeren Deutschen eigentlich kein Gegner. Doch Schweinsteiger ging mit einem hochgestreckten Arm in das Kopfballduell, von Evras Kopf sprang der Ball an seine Hand. Schiedsrichter Nicola Rizzoli pfiff Elfmeter und gab dem entsetzten Schweinsteiger die Gelbe Karte. Griezmann verwandelt zur glücklichen Führung für den Gastgeber, und noch auf dem Weg in die Pause hatte sich der deutschen Kapitän nicht beruhigt und debattierte mit dem Schiedsrichter.

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          Auch in der zweiten Halbzeit war das Glück nicht auf der Seite der Deutschen, die für ihr Anrennen nicht belohnt wurden und Abwehrchef Jerome Boateng verloren. Auch nicht auf der Seite von Schweinsteiger. In der 72. Minute, als Joshua Kimmich den Ball im Strafraum verlor, Shkodran Mustafi sich von Paul Pogba narren ließ und Manuel Neuer dessen Flanke nur vor die Füße von Griezmann lenken konnte, wäre Schweinsteiger fast noch zur Stelle gewesen, um das 0:2 abzuwenden, doch er kam einen Schritt zu spät.

          Als ihn Löw elf Minuten vor dem Ende auswechselte, um den jungen Stürmer Leroy Sané als letzten Joker zu bringen, ging Schweinsteiger, ohne Hoffnung im Blick, als geschlagener Mann. Das exakte Gegenteil jenes Ausdrucks, den er nach seinen zwei Minuten im ersten Spiel, mit einem Tor und einem langen Jubelspurt, gezeigt hatte. Sein 38. Einsatz bei einem großen Turnier könnte sein letzter gewesen sein.

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