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Portugals Hochbegabte : Bereit für das Spiel gegen Deutschland

  • -Aktualisiert am

Das passt: die Torschützen Raphael Guerreiro und Cristiano Ronaldo Bild: dpa

Deutschlands nächster Gegner Portugal hat sich fußballerisch entwickelt. Die Gruppe um Superstar Ronaldo steckt voller Potential. Das Problem vieler anderer Titelverteidiger hat man nicht.

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          Die Begegnung in der Budapester Arena war gerade vorbei, da begannen schon erste Aufräumarbeiten in den Katakomben. Cristiano Ronaldo hatte als Mann des Spiels soeben zur Pressekonferenz Platz genommen, als ihm etwas ins Auge stach, das ihm deutlich missfiel. Mit einem Griff räumte er zwei Getränkeflaschen eines Soft-Drink-Herstellers zur Seite, dann hielt er demonstrativ eine Flasche Wasser in die Höhe.

          Fußball-EM

          „Agua“, sagte er, so als wolle er selbst einen Werbespot platzieren. Was den Soft-Drink-Hersteller anging, hob der Fitnessfanatiker abschätzig die Augenbrauen. Weil der Aktienkurs des Getränkegiganten daraufhin einbrach, könnte sich noch Ärger für Ronaldo anbahnen, handelt es sich doch um einen der einflussreichsten Sponsoren des europäischen Verbandes UEFA.

          Aber Ronaldo steht ohnehin über den Dingen. Beim 3:0 von Portugal gegen Ungarn schoss der Kapitän zwei Tore, es waren seine Treffer zehn und elf bei Europameisterschaften. Damit ist er nun alleiniger Rekordhalter. „Wir haben drei Tore erzielt, und ich bin der Mannschaft sehr dankbar, dass sie mir geholfen hat, zwei Tore zu schießen“, sagte Ronaldo. Es gab Zeiten, da wären ihm solche Worte schwerer über die Lippen gekommen, aber im Alter von 36 Jahren ist aus Ronaldo ein Elder Statesman in Fußballschuhen geworden.

          Die Gruppe um ihn herum steckt voller Potential, Portugal hat sich fußballerisch entwickelt. Die Abhängigkeit früher Tage vom Rekordstürmer ist nicht mehr in diesem Maße vorhanden, auch wenn Ronaldos zwei Tore auf den ersten Blick anderes vermuten lassen. Gegen die Ungarn zeigte sich der Titelverteidiger im ausverkauften Stadion von Budapest abgeklärt, Portugal bestimmte von der ersten Minute an das Geschehen und vergab in der ersten Halbzeit mehrere hochwertige Tormöglichkeiten.

          „Wenn wir getroffen hätten, wäre Ungarn auseinandergefallen“, sagte der portugiesische Nationaltrainer Fernando Santos. Anders als die Spanier am Tag zuvor fand Portugal gegen einen extrem defensiven Gegner aber die richtigen Lösungen, wenn auch mit etwas Glück. Der späte Führungstreffer von Raphael Guerreiro fiel, weil der Schuss des Dortmunders unhaltbar für Torwart Peter Gulacsi abgefälscht wurde.

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          „Wir waren fast das ganze Spiel über in Ballbesitz, mit Geduld haben wir dann die Tore erzielt“, sagte Guerreiro. Der Außenbahnspieler gehörte beim Titelgewinn 2016 zu den Entdeckungen. Damals galt er noch als Talent, mittlerweile hat er sich als eine der bestimmenden Figuren etabliert.

          „Großen Respekt“ vor Deutschland

          Das Problem von Titelverteidigern war in der Vergangenheit oft, dass sie mit dem Turniergewinn ihren Zenit erreicht hatten. Dann ging ein Zyklus zu Ende. Entweder gestaltete sich der anschließende Neuaufbau schwierig, oder der richtige Moment für einen Umbruch wurde verpasst. Siehe Spanien 2014 oder Deutschland 2018. Bei Portugal ist das anders. Zwar standen gegen Ungarn noch fünf Spieler in der Startformation, die auch vor fünf Jahren gegen Frankreich im Finale begannen.

          Aber zu ihnen gesellen sich inzwischen Hochtalentierte, die gerade dabei sind, ihre sportliche Klimax zu erreichen. Ruben Dias, Diogo Jota, Bernardo Silva oder Bruno Fernandes sind alle zwischen 24 und 26 Jahre alt. Beim Turnier in Frankreich spielten sie noch keine wichtige Rolle, das hat sich geändert. Durch den Sieg bei der ersten Auflage der Nations League verfestigte Portugal den Eindruck, eine neue Goldene Generation beisammen zu haben.

          Mit einem Sieg am Samstag gegen Deutschland könnten sich die Portugiesen schon für das Achtelfinale qualifizieren. So weit möchte Portugals Trainer nicht vorausschauen. „Deutschland ist ein sehr schwerer Gegner, tolle Spieler, ein Super-Trainer. Es sind zwei Mannschaften mit größten Fähigkeiten. Niemand hat Angst vor dem anderen. Aber es gibt großen Respekt“, sagt Santos. Bei der vergangenen EM gelang seiner Mannschaft gar kein Sieg in der Vorrunde. Gemessen daran, sind die Portugiesen jetzt schon besser als ihre Europameister-Mannschaft.

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