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EM-Ball im Test : Wie schön wird das Spiel mit „Beau Jeu“?

  • -Aktualisiert am

Bild: Daniel Blum

Früher sorgten Spielbälle großer Fußballturniere oft für Ärger. Bei „Beau Jeu“ ist das anders. Der EM-Ball 2016 gilt als nahezu perfekt – und hat dennoch ein Manko. FAZ.NET hat ihn mit Deutschlands erfolgreichstem Youtuber getestet.

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          Was war das nur für ein Aufschrei, damals vor sechs Jahren. Gianluigi Buffon sprach von einer „Schande“, Iker Casillas sprang ihm bei und bemängelte die „miese Qualität“. Auch Julio César mäkelte kräftig mit. Was die drei Torhüter aus Italien, Spanien und Brasilien im Frühsommer 2010 so kritisch kommentierten, waren aber weder die Leistungen des eigenen Nationalteams noch jene einzelner Schiedsrichter. Der Ball des Anstoßes hieß „Jabulani“ und war das offizielle Spielgerät der WM 2010 in Südafrika.

          Nun gehört es fast schon zur Tradition, dass sich vor großen Fußballturnieren wenigstens die Torhüter über Flugeigenschaften und Griffigkeit des zu nutzenden Balles beschweren – auch der für die WM 2006 in Deutschland produzierte „Teamgeist“ kam bei ihnen damals nicht besonders gut weg. Dieses Mal scheint jedoch alles anders zu sein: „Beau Jeu“ – was so viel bedeutet wie „Schönes Spiel“ – heißt das neu entwickelte Leder, und Klagen über dessen Qualität gibt es vor dem Start der Europameisterschaft in Frankreich so gut wie keine. Nicht einmal von Torhütern. Woran liegt das?

          Optimaler Spielball mit veränderter Struktur

          Wenn es nach Konstantin Hert geht, ist „Beau Jeu“ einer der besten Fußbälle, mit denen er je gespielt hat. Hert betreibt auf Youtube mit „freekickerz“ den größten Fußballkanal der Welt. Mehr als vier Millionen Menschen sehen auf der Videoplattform regelmäßig die kleinen Filme des seit kurzem erfolgreichsten deutschen Youtubers, in denen er und seine Kollegen Fußballstars zu Elfmeterduellen herausfordern, bestimmte Schusstechniken analysieren – und eben auch ausgiebig Bälle oder Schuhe testen. Den EM-Ball haben die „freekickerz“ über mehrere Wochen hinweg unter verschiedenen Bedingungen hunderte Male aufs Tor geschossen und mit ihm Tricks und Kunstschüsse ausprobiert.

          Keine Berührungsängste: Konstantin Hert hat es mittlerweile auch mit Stars wie Thomas Müller zu tun. Bilderstrecke

          Das Ergebnis: „Aus meiner Sicht ist ,Beau Jeu‘ der optimale Spielball“, sagt Hert, der bei Teenagern ein Star ist und seinen Videodreh immer wieder unterbricht, um Autogramm- und Selfie-Wünsche zu erfüllen. „Er hat nochmal eine etwas andere Struktur als frühere Bälle bekommen“, sagt Hert. Das komme vor allem Freistoßschützen, aber auch Torhütern entgegen, weil sie „Beau Jeu“ einerseits noch genauer in den Winkel zirkeln können, er andererseits aber auch besser zu packen ist. Mittlerweile sei die Entwicklung von Fußbällen aber schon derart ausgereift, dass sich jeder neue Ball nur noch minimal von seinem Vorgänger unterscheide. Wenn überhaupt. „Eigentlich ist ,Beau Jeu‘ nur ein anders bedruckter ,Torfabrik‘-Ball, mit dem in der Bundesliga gespielt wird“, sagt Hert.

          Mehr als 3000 Mal wird jeder Fußball vorab von einem Roboter gegen eine Mauer gedroschen. Ursachen für Verformungen, Risse und andere Abnutzungserscheinungen sollen so frühzeitig erkannt und beseitigt werden. „Beau Jeu“ soll somit auch nach Jahren noch härtesten Schüssen standhalten und damit einen Preis von mehr als 120 Euro rechtfertigen. Einziges Manko: Der Ball ist nicht spektakulär genug, findet Hert. Die höhere Präzision gehe zu Lasten der Geschwindigkeit, und die gute Stabilität im Flug mache es deutlich schwieriger, den Ball zum „Flattern“ zu bekommen – also ebensolche unberechenbaren Richtungsänderungen zu erzeugen, welche Torhüter am meisten verteufeln. „Wahre Kunstschüsse werden damit wohl seltener“, sagt der Youtuber.



          Dass es generell immer schwerer wird, die Flugbahn des Balles so sehr zu beeinflussen, dass nicht einmal Manuel Neuer sie antizipieren könnte, hat die amerikanische Weltraumbehörde Nasa schon 2010 herausgefunden. Erst ab einer Geschwindigkeit von mehr als 80 Kilometern pro Stunde und nur mit besonderer Schusstechnik könnten heutige Fußbälle überhaupt noch zum Flattern gebracht werden. In den siebziger Jahren war das noch anders: Zu dieser Zeit flogen die Bälle laut Nasa schon ab etwa 40 Kilometer pro Stunde unberechenbar auf den Torwart zu. Beschwert hat sich darüber damals niemand.

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